Kreatives Duo im Blaahaus

von Redaktion

Ausstellung zeigt Schönheit von Autobahn-Trampelpfaden

Kiefersfelden – Gemeinsam, freundschaftlich und der Kunst verbunden, präsentieren Ute Klapschuweit (Hamburg) und Hilde Prinz (Kiefersfelden) ihre Werke in der Ausstellung „Bergspitzen/ Trampelpfade“ im Kieferer Industriemuseum „Blaahaus“. Zur Vernissage am Sonntag (6. September) freute sich nicht nur Bürgermeister Hajo Gruber über die große Besucherresonanz. „Die Themen der Ausstellung passen sehr gut in unsere Landschaft, denn die Spitzen und Pfade des Lebens sind immer aktuell.“ Hilde Prinz betonte die gute Zusammenarbeit mit ihrer Künstlerkollegin Ute Klapschuweit, die sie als „inspirierend und fördernd“ empfand. Sie selbst widmete sich in der Ausstellung den „Trampelpfaden, denn die Natur ist auch an sogenannten Unorten schön und das will ich mit meinen Werken zeigen. Ich empfinde es als meine Aufgabe, ins Unbekannte zu gehen und das Licht anzumachen.“

Begeistert von der Idee
der Doppelausstellung

Ihr künstlerisches Pendant, Ute Klapschuweit, fühlt sich „absolut willkommen in Kiefersfelden“, wo sie schon zu Besuch war und „jedes Mal die faszinierenden Berge und deren Spitzen gemalt“ hatte. Und als dann ihre ehemalige Kommilitonin aus München den Vorschlag einer gemeinsamen Ausstellung machte, „war ich begeistert. Wichtig für uns beide war es auch, dass die Ausstellung mit der wunderschönen Gegend hier zu tun haben sollte.“ So waren die Gemeinsamkeiten schnell genannt und die vielen Besucher konnten sich dann den faszinierenden Werken der Künstlerinnen widmen, wobei diese sehr gerne Auskunft über die Intentionen und auch die Aussagekraft der ausgestellten Stücke gaben.

Hilde Prinz, Künstlerin mit abgeschlossenem Studium der Bildenden Künste in München, die in Kiefersfelden nicht nur als freischaffende Künstlerin tätig ist, sondern auch Kurse anbietet, versteht es, ihre künstlerische Vision in vielfältigen Formen auszudrücken. Ihre Werke sind oft von einer tiefen Auseinandersetzung mit der Natur und der menschlichen Existenz geprägt. In dieser Ausstellung widmet sie sich dem Kreisverkehr am Zubringer zur Autobahn A93. „Hier werden Parallelwelten sichtbar. Zum einen High-end wie die architektonischen Bauwerke als auch Low-end wie den Trampelpfad der Lkw-Fahrer, überwiegend aus Südosteuropa.“ Diesen „Un-Ort“ hat sie mit ihrem Instrumentarium wie Tonplatten und Fotoapparat porträtiert. Dabei entdeckte sie, dass „es sprießt und keimt“.

Ihr war eher nicht bewusst, dass es an „einem hässlichen Ort so viel Schönes gibt, direkt an der Autobahn“. Und das war Ansporn für ihre Arbeiten. Mit den weichen Tonplatten hat sie Teile des Weges abgeformt, die Platten dann zu skulpturalen Gefäßen geformt und gebrannt. Die Fotos zeigen die Texturen am Boden und das Dickicht. Einen weiteren Aspekt ihrer Werke widmete sie den Pflanzen, die an diesem Trampelpfad wachsen. Erstaunt war sie darüber, dass es auch zum Teil hier unbekannte Gräser sind, deren Samen wohl mittels der Schuhe der Lastwagenfahrer ausgebracht worden sind.

Ute Klapschuweit, 1960 in Bielefeld geboren, lebt heute in Hamburg. Während ihres Studiums der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München mit einem dreimonatigen Stipendium in Carrara arbeitete sie auch viel mit Schwarz-Weiß-Fotografie. Auf ihren Reisen, unter anderem nach Finnland, Ägypten, Japan und Italien, nahm sie künstlerisch-inspirierende Momente in ihren nachfolgenden Werken auf. Seit 1994 arbeitet sie leitend in der Filmwerkstatt der Hamburger Kunsthalle und wurde zu zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland eingeladen.

Spachteltechnik lässt
Berge plastisch wirken

In ihren ausgestellten kalligrafischen Pinselstrichen zeigt sie „Bergspitzen“, die scheinbar unverrückbar sind und steil aus dem harten Gestein ragen. Vor allem aber hat es ihr die Acrylfarbentechnik mit Spachtel angetan. Damit kann sie „den gemalten Berg plastisch wirken lassen, direkt und dreidimensional“. Sehr nachdenklich stimmen ihre Worte zu ihren Werken, die das Vergängliche berühren. Galten die Berge früher als unverrückbar, hat diese Welt Risse bekommen – im wahrsten Sinne des Wortes.

So konnten sich die vielen Interessierten schon am ersten Ausstellungstag ein Bild vom kreativen und auch zum Nachdenken anregenden Schaffen der beiden Künstlerinnen machen und die mahnende Aussagekraft ihrer Werke aufnehmen. In zwei Räumen des Industriemuseums fanden sie Platz: Bilder, Zeichnungen, skulpturale Gefäße und selbst gesammelte Pflanzen und Blumen auf den Trampelpfaden.

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