Diebe stehlen teure Räder

von Redaktion

„Vollkatastrophe“ nach der Wendelsteinrundfahrt

Landkreis Rosenheim – Wie im falschen Film. Oder bei der versteckten Kamera. „Ich habe es am Anfang nicht glauben können. Es hat ein paar Sekunden gedauert, bis ich verstanden habe, was eigentlich passiert ist“, sagt der Mann aus Innsbruck am Telefon. Damit die Täter ihn nicht erkennen können, möchte er seinen Namen nicht öffentlich verraten. Der 51-jährige Österreicher nahm am 22. August an der Wendelsteinrundfahrt teil. In guter Erinnerung bleiben wird ihm die Fahrradrundfahrt aber nicht – im Gegenteil: „Es endete in einer totalen Vollkatastrophe“, sagt er.

Exklusives Rennrad
unauffällig verstaut

Nach seiner 165-Kilometer-Runde quer durch den Landkreis Rosenheim stellte der 51-Jährige sein Rennrad in Gottschalling bei Bad Feilnbach in seinen grauen VW Transporter. Den hatte er auf dem offiziellen Parkplatz auf einer Wiese direkt an der Straße geparkt. Sein Rennrad deckte er mit einem Spannleintuch ab – sicher ist sicher, sagte sich der Innsbrucker. Da sein Auto hinten keine Scheiben habe, sei so auf gar keinen Fall zu erkennen gewesen, dass sich darin ein teures Rennrad befindet.

Schließlich sei sein Rennrad nicht irgendein Fahrrad. „Das ist ein sehr exklusives Radl“, sagt der Innsbrucker. Ein Rennrad der Marke Pinarello Dogma F INEOS Grenadiers im Wert von etwa 12.000 Euro – „Limited Edition“, sagt er. Erst im vergangenen Winter habe er es sich aus den einzelnen Teilen zusammengebaut. Zuvor habe er 14 Jahre lang das gleiche Fahrrad gefahren. „Ich bin keiner, der alle zwei Jahre ein neues kauft“, betont er. Da er auch kein „Schwerverdiener“ sei, habe er sich das Geld dafür hart erarbeiten müssen. „Jetzt sind ein paar Tausend Euro mit einem Schnalzer weg, das tut weh“, sagt er mit geknickter Stimme.

Denn das Rennrad ist weg, geklaut von bislang unbekannten Tätern. Wie die Polizei Brannenburg mitteilt, nutzten die Fahrrad-Diebe gegen 15 Uhr scheinbar die halbe Stunde, als der Österreicher nicht an seinem Auto war. Beim Aufsperren merkte er schon, dass das Fahrzeug nicht mehr versperrt war. Die Beifahrertür stand einen Millimeter offen. „Darüber sind sie rein, das ging alles schnell über die Bühne“, sagt der Österreicher.

Dass sein eigenes Rennrad gestohlen wurde, sei aber noch nicht mal das Schlimmste: Der Innsbrucker habe zwei Freundinnen überredet, ihn zur Rundfahrt zu begleiten. Der einen habe er angeboten, ihr Fahrrad neben seines in sein Auto zu stellen – „auch das Fahrrad haben die Täter mitgenommen“, sagt er. Das Rennrad der Marke Orbea, Modell Orca M30i, sei ungefähr 2.500 Euro wert. Damit aber nicht genug – auch die zweite Freundin wurde Opfer der Radl-Diebe.

Ihr wurde das Fahrrad in der Nacht auf Sonntag (23. August) zwischen 21 und 5.50 Uhr gestohlen. Die Frau hatte ihr Rennrad der Marke Orbea, Modell Orca, mit einem Wert von rund 4.000 Euro im Kofferraum ihres Autos, das sie auf einem Parkplatz gegenüber des Gasthofes Seebacher in Oberaudorf geparkt hatte. Dabei müssen die Täter die hintere Seitenscheibe eingeschlagen haben, heißt es bei der Polizei. Zuvor war bereits am Samstag (22. August) einem anderen Mann gegen 13 Uhr ein Canyon E-Bike mit einem Wert von 7.000 Euro in Bad Feilnbach gestohlen worden. Er hatte es an einen Laternenmast abgestellt und entsprechend abgesperrt.

Bei allen drei Diebstählen geht die Polizei davon aus, dass sie in Zusammenhang mit der Wendelsteinrundfahrt stehen und zusammenhängen. Derzeit prüfen die Beamten, ob ein oder mehrere Täter dahinterstecken. Klar scheint aber: Der oder die Diebe wussten genau, was sie machen. „Wenn man sich die hochwertigen Fahrräder anschaut, dann haben die wohl Sachverstand und wissen genau, welche Räder interessant sind“, sagt ein Brannenburger Polizist auf OVB-Anfrage. Vermutlich sind es professionelle Täter, die speziell bei der Rundfahrt zugeschlagen haben. Auch das schnelle Vorgehen sei ein Hinweis darauf.

Polizei und Opfer
vermuten Profis am Werk

Das vermutet auch der 51-jährige Innsbrucker. Er hat einen Verdacht. „Ich habe mein Radl von der Ziellinie bis zum Auto geschoben. In den paar Minuten haben sie mich bestimmt schon beobachtet“, sagt er. Wahrscheinlich haben die Täter extra im Zielbereich gewartet und speziell nach teuren Rädern Ausschau gehalten – und dann blitzschnell zugeschlagen. Vielleicht hatten sie sich sogar in Radl-Outfits unter die Teilnehmer gemischt, könnte sich der Innsbrucker vorstellen.

Eine ganz heiße Spur habe die Polizei noch nicht, sagt ein Sprecher der Polizei Brannenburg. Die Ermittlungen laufen aber. „Die Chance, sie zu erwischen, ist gar nicht so klein“, sagt der Beamte. Aufgrund der Individualnummer der Räder, die europaweit zur Fahndung ausgeschrieben sind. Man sei auch noch auf der Suche nach Zeugen, die einen der Diebstähle beobachtet haben oder sonst etwas Verdächtiges mitbekommen haben. „Da waren ständig so viele Leute, irgendwer muss etwas gesehen haben“, hofft auch der Mann aus Innsbruck.

Hoffnung, sein Rennrad wiederzusehen, hat der Österreicher hingegen wenig. „Wahrscheinlich haben sie das Rad in Einzelteile zerlegt und verkaufen alles einzeln“, sagt er. Vielleicht macht man aber die Bande, falls eine dahintersteckt, doch noch ausfindig, fügt er hinzu. „Das ist die einzige Chance.“ Trotz des Ärgers sei der Österreicher einfach nur froh, dass ihm seine Freundinnen keinen großen Vorwurf machen. „Und das, obwohl eine von ihnen eigentlich gleich die nächste Rundfahrt mitmachen wollte.“

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