Altenbeuern – „Zamhelfen“ war das Lebensmotto von Burgl Antretter, die in ihrem Zuhause in Holzham friedlich im Alter von 97 Jahren eingeschlafen ist. Geboren wurde die „Schmied-Burgl“ als viertes Kind von Schmiedemeister Sepp Poll und seiner Frau Anna.
Das Leben und die Arbeit auf dem Bauernhof sollte sie ihr Leben lang prägen. Sie war gerade einmal zehn Jahre alt, als ihr Vater an den Folgen eines Unfalls 1939 starb und ihre Mutter mit den vier Kindern den Hof in Holzham weiter bewirtschaftete.
Doch, so schilderte es ihre Nichte Martina Poll in ihrer Traueransprache, war es wahrscheinlich genau dieses Erlebnis, das sie zu dem Menschen machte, der sie ihr ganzes langes Leben lang blieb: eine Frau, die alles anpackte und sich alles aneignete, was es zu tun gab, die Gestalterin ihres Lebens und des ihrer Familie war, die die Dinge so nehmen konnte, wie sie kamen, auch wenn es oft nicht leicht war. Mit ihrem Ehemann Josef Antretter schenkte sie drei Kindern das Leben: Burgi, Uschi und Seppi, fünf Enkel und acht Urenkel kamen dazu. Sie war Zentrum einer ständig wachsenden Familie, die sich gerne um sie scharte. Burgl Antretter hatte nicht nur eine große Verwandtschaft, zu der sie die Verbindung immer pflegte, sondern auch einen großen Freundeskreis, der gerne bei ihr Einkehr zu einem „Ratsch“ auf der Hausbank hielt und wahrscheinlich mit einer „Schuxn“ verwöhnt wurde.
Sie war eine Sportskanone, traditionsbewusst und Mitglied in den Trachtenvereinen Immergrün (80 Jahre lang) und Edelweiß, trug schon zur Hochzeit das „Kassettl“ und reihte sich in die Trägerinnen des „Beurer Gwands“ ein.
Für die Immergrünen häkelte sie unermüdlich die kurzen hellblauen „Schmiesal“, wie es der Vorstand des Trachtenvereins Immergrün, Peter Bichler, in seiner Ansprache würdigte. Sie war, so Bichler, maßgeblich am Wiederaufbau des Trachtenvereins Immergrün nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt. „Do helf ma zam“ – für die Burgl kein Problem. Wurde sie um Hilfe gebeten, war sie dabei. Dasselbe erwartete sie auch von ihren Mitmenschen, für sie war es eine Selbstverständlichkeit. Bei der Marktbeleuchtung stand sie am Käsestand und wenn es schneite, präparierte sie den „Scheirer-Berg“ zum Skifahren, wo es sämtliche Kinder unter ihrer Aufsicht lernten. Alles, was sie machte, tat sie mit Liebe und Hingabe und man hatte nie den Eindruck, dass sie unter Stress stand. „Daheim ist es einfach am schönsten“, hat sie oft gesagt, wenn sie mit ihrem Strickzeug auf der Hausbank saß in ihrem wunderschönen Garten voller Blumen, Obstbäume und Gemüse. Und am allerschönsten am Neubeurer See, wo sie sich ihre Auszeiten genommen hat.