Halfing – Stefan Schlaipfer (CSU) wurde bei der Kommunalwahl im März 2026 mit 64,4 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Halfing gewählt. Nach zwölf Jahren als Gemeinderat trägt der 42-Jährige als Gemeindeoberhaupt jetzt die Verantwortung für etwa 2.800 Einwohner. Im OVB-Interview blickt er auf Projekte, die die Gemeinde in den kommenden Jahren beschäftigen werden. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie Halfing ein lebenswerter Wohn- und Arbeitsort bleiben kann.
Sie sind jetzt seit vier Monaten im Amt. Wie geht es Ihnen?
Es macht Spaß. Es ist viel zu tun, aber wahnsinnig abwechslungsreich: von Krippe, Kindergarten und Schule über Trinkwasser, Kläranlage, die Sanierung von gemeindlichen Anlagen und Gebäuden, Hochwasserschutz und die Erschließung neuer Baugebiete bis zu ärztlicher Versorgung und Feuerwehr. All das fühlt sich nicht nach Arbeit, sondern nach Heimat an.
Sind Sie viel auf Achse?
Ja. Das war vorher aber auch schon so. Ich bin in der Landwirtschaft groß geworden. Da ist es normal, dass man nicht nach acht Stunden aufhört, weil es immer etwas zu tun gibt. Als Elektrotechniker bei der Telekom war ich bei den Menschen vor Ort. Bei der Komro war ich als Leiter Netzplanung und Bau im gemeindlichen Umfeld tätig. Die soziale Komponente des Amtes und der Bürgerservice im Alltag einer Verwaltung und eines Bürgermeisters sind intensiver, als ich es bisher kannte. Aber ich komme aus dem Dienstleistungssektor. Daher ist auch das nicht komplett neu für mich.
Apropos Telekommunikation: Der Breitbandausbau steht auch auf Ihrer Agenda.
Im Gegensatz zu anderen Gemeinden ist Halfing da schon relativ gut aufgestellt. Schon in der Amtszeit von Altbürgermeister Peter Böck haben wir uns am bayerischen Förderprogramm beteiligt und in den förderfähigen Gemeindebereichen Glasfaseranschlüsse verlegt. Wir müssen noch einige Lücken schließen, damit Halfing überall als Wohn- und Arbeitsort attraktiv ist. Damit unterstützen wir nicht nur die Firmen, sondern auch die Familien, denn ein stabiles Internet ermöglicht flexibles Arbeiten von zu Hause.
Finden Unternehmen in Halfing gute Rahmenbedingungen vor?
Aktuell haben wir mit unserem Gewerbegebiet den Bedarf an Gewerbeflächen weitestgehend gedeckt. Es gab noch weitere Interessenten, die auf einen Erwerb verzichtet haben, weil der geltende Bebauungsplan keine Betriebsleiterwohnung vorsieht.
Sie haben versprochen, die Vereine als Herz und Seele des Dorflebens zu unterstützen. Wie geht es auf dem Dachboden des Rathauses weiter?
In Abstimmung mit den Vereinen habe ich den Antrag auf den Umbau des Speichers zu Verwaltungsräumen erst einmal auf Eis gelegt. Das Thema liegt mir selbstverständlich am Herzen, dennoch müssen wir es in seiner Gesamtheit betrachten. Wir werden uns in den nächsten Monaten mit dem Thema Brandschutz und zweiter Rettungsweg beschäftigen, mit Fachleuten abstimmen, welche Lösungen möglich sind, und diese im Gemeinderat beraten.
Wie familienfreundlich ist Halfing?
Wir haben in zwei Kindergärten genügend Betreuungsplätze und Personal, momentan aber leider zu wenige Kinder. Wir haben viele Spielplätze und eine eigene Grundschule mit ausreichend Platz für die Mittagsbetreuung. Im Schulverband mit Bad Endorf profitieren unsere Mittelschüler jetzt von modernsten Lernbedingungen im neuen Schulzentrum. Und wir haben an der Rosenstraße ein Baugebiet für junge Familien geschaffen.
Apropos junge Familien: Wie schaufeln Sie sich Zeit für Ihre Familie frei?
Ich schaue, dass ich am Morgen Zeit mit meiner fast zweijährigen Tochter Rosalie (23 Monate) und meiner Frau Margot verbringe. Ich versuche, mittags heimzufahren und am Abend unsere Kleine noch einmal zu sehen, bevor sie ins Bett geht. Meist kann ich mir meine Arbeitszeiten flexibel einteilen und auch am späteren Abend noch mal ins Büro fahren.
Haben Sie ein Lieblingsritual mit Ihrer kleinen Tochter?
Ja. Wir haben ähnlich einer Alm Pensionsvieh auf unseren Weiden. Das bedeutet, dass wir uns von Mai bis Oktober um die Kühe kümmern. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, nehme ich meinen kleinen Sonnenschein auf den Arm, dann gehen wir zu den Kühen oder bringen ihnen Wasser raus, und Rosalie darf mit dem „Brumbrum“, wie sie den Bulldog nennt, mitfahren.
Was ist Ihr größter Traum für Halfing?
Nichts Besonderes, sondern einfach eine gute Daseinsvorsorge. Dass alles in der Gemeinde auf vernünftigen Füßen steht. Dass die Leute vor Ort ihre Lebensmittel kaufen können. Dass Landwirte da sind, die die Flächen bewirtschaften und Nahrungsmittel produzieren. Dass man einen Arzt vor Ort hat. Mit dem Umbau des Gebäudes an der Bussardstraße sichern wir unsere hausärztliche Versorgung und bekommen sogar einen Kinderarzt dazu. Und auch bei der Reismühle geht es nicht um Prunk, sondern um Daseinsvorsorge mit Räumen für Vereine und ein dörfliches Zusammenleben mit einer Ortsmitte, die zum Verweilen einlädt.
Kaum sind Sie Bürgermeister, wird das Brunnerhaus abgerissen. Rückt nun auch eine lebenswerte Ortsmitte in greifbare Nähe?
Mit dem Areal von Brunnerhaus und Reismühle beschäftigen wir uns schon seit Jahren, haben Pläne geschmiedet und mussten sie wieder verwerfen. Der Abbruch des Brunnerhauses ist nur ein Teilschritt. Im Herbst startet der Architektenwettbewerb. Im Mai 2027 sollen die Ergebnisse vorliegen und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Ein sogenanntes Preisgericht wird den Siegerentwurf auswählen. Erst wenn konkrete Planungen vorliegen, wissen wir, wie viel das Projekt kostet und wie hoch die Städtebauförderung ausfällt. Erst dann kann der Gemeinderat entscheiden, wie wir das Projekt weiterführen möchten.