Pittenhart – Wenn ein medizinischer Notfall passiert, zählt jede Minute. Bis der reguläre Rettungsdienst eintrifft, können wertvolle Minuten vergehen – genau hier setzt die Idee von Katja Karl und Daniel Feller an. Gemeinsam möchten die beiden für Pittenhart und Umgebung eine eigene First-Responder-Gruppe aufbauen.
Katja Karl (48), examinierte Pflegefachkraft und ausgebildete Notfallsanitäterin, sowie Daniel Feller (37), ausgebildeter Rettungssanitäter, bringen dafür nicht nur die notwendige fachliche Qualifikation, sondern auch praktische Erfahrung mit. Feller war zudem bereits einige Zeit in einer First-Responder-Gruppe in der Region aktiv.
Schneller beim Einsatzort
als Notarzt und Sanka
First Responder sind qualifizierte Ersthelfer vor Ort, die bei medizinischen Notfällen parallel zum regulären Rettungsdienst von der Leitstelle alarmiert und koordiniert werden. Ihr entscheidender Vorteil: Sie sind schnell am Einsatzort und können dadurch das sogenannte therapiefreie Intervall zwischen dem Notruf und dem Eintreffen des Rettungswagens verkürzen. „Im Notfall ist jeder froh, wenn schnelle Hilfe vor Ort ist“, bringt Katja Karl die Motivation für das Vorhaben auf den Punkt.
In Pittenhart gibt es bereits 16 Interessenten, die ehrenamtlich diesen Einsatz im Zweier-Team übernehmen würden. Voraussetzung ist die Ausbildung zum Notfallsanitäter, die der Kooperationspartner, das Johanniter-Zentrum in Wasserburg am Inn, bei Bedarf durchführen würde.
Noch wird geprüft, ob eine eigene First-Responder-Gruppe in Pittenhart sowohl organisatorisch als auch finanziell umsetzbar ist. Dass der Bedarf grundsätzlich vorhanden sein könnte, zeigt ein Blick auf die Situation in der Umgebung.
35 Lebensretter in Eggstätt
im Einsatz
In der Nachbargemeinde Eggstätt stellen derzeit 35 ehrenamtliche Lebensretter das First-Responder-Team Chiemsee Nord, wobei die Einsatzstelle montags bis freitags von 18 bis 6 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen rund um die Uhr besetzt ist.
Pittenhart wird im Notfall außerdem von den umliegenden Einsatzstellen in Bad Endorf, Wasserburg, Trostberg und Traunstein unterstützt. Deren Anfahrtswege können jedoch entsprechend lang sein. Im Notfall sind die Einsatzstellen oft zu weit entfernt, weshalb es sinnvoll ist, in Pittenhart eine eigene Gruppe ins Leben zu rufen.
Ein Fahrzeug vor Ort steht für schnelle Hilfe im Notfall. Geplant ist, dass ein Fahrzeug beim Diensthabenden zu Hause steht und so nach einer Alarmierung schnelle Hilfe vor Ort möglich ist. Dachverband des Vorhabens ist das Johanniter-Zentrum in Wasserburg am Inn. In Pittenhart wäre ein eigener Verband geplant, der vom Wasserburger Zentrum in puncto Ausrüstung, Ausbildung und Wissensstand unterstützt werden würde.
In Planung ist die Übernahme eines gebrauchten, voll einsatzfähigen Fahrzeuges vom Johanniter-Zentrum Wasserburg am Inn. Für den Start, der ab Januar 2027 geplant ist, sind Gelder zwischen 20.000 und 30.000 Euro erforderlich. Nach einer Kalkulation würden sich die jährlichen Kosten ebenfalls auf circa 20.000 Euro belaufen.
Für das Fahrzeug und für die Lagerung des Einsatzmaterials wird eine Doppelgarage mit Strom- und Wasseranschluss gesucht. Sinnvoll wäre ein Stellplatz im Ort, wo das Fahrzeug nach Einsätzen aufbereitet und gesäubert werden kann. In den jährlichen Kosten schlagen die Ausgaben für das Fahrzeug wie Sprit, Versicherung und Wartung sowie für Einsatzmaterialien, Ausbildung, Fortbildung, Kleidung und Ausrüstung zu Buche.
Für die Interessenten würde ab Januar 2027 eine fundierte und praxisorientierte Ausbildung beginnen, die optimal auf die Herausforderungen im Bereich der Notfallmedizin vorbereitet. Die Dauer beträgt 80 Stunden.
Im Pittenharter Gemeinderat entwickelte sich nach der Projektvorstellung eine angeregte Diskussion. Fragen wie laufende Kosten für die Kommune und Spenden wurden angesprochen, ebenso wie die Eingliederung in die Rettungskette, was Gemeinderatsmitglied Philipp Spiel (Christlich-Soziale Union, CSU) interessierte. Andreas Feuerer (CSU) erkundigte sich, ob Einnahmen durch Einsätze zu generieren seien, und Hans Babinger (Freie Wähler, FW) sprach eine eventuelle Aufwandsentschädigung für die Ehrenamtlichen an. Reinhard Schreiner (CSU und Zweiter Bürgermeister) fragt nach, ob alle Interessenten aus dem Gemeindebereich Pittenhart stammen, was laut Vorgaben auch für eine Genehmigung erforderlich sei.
Weitere Freiwillige
herzlich willkommen
Gesucht werden weitere Mitglieder; jeder, der Interesse hat, soll sich bitte bei den Initiatoren melden. Grundvoraussetzung ist ein vorhandener Erste-Hilfe-Kurs und die aktive Mitgliedschaft bei den Johannitern. Ziel ist es, möglichst kurze Einsatzzeit zu gewährleisten, was auch personell gestemmt werden muss. Wie Bürgermeister Sebastian Unterhuber ergänzte, ist zu klären, wie die Ehrenamtlichen versichert sind.
Georg Schartner (CSU) brachte als perfekten Stellplatz für das Fahrzeug das Feuerwehrhaus ins Gespräch. Dort seien, wie er sagte, selbst sanitäre Einrichtungen vorhanden. Fraglich sei jedoch, ob dies im alten oder im neuen Feuerwehrgerätehaus realisiert werden könne.
Mit Beifall bedankten sich die Gemeinderäte bei Katja Karl und Daniel Feller für die umfangreiche Vorstellung des Projektes. Eine Beratung über das Vorhaben werde, so Bürgermeister Unterhuber, in einer der nächsten Sitzungen auf der Tagesordnung stehen.