„Startschuss für die Zukunft“ – Abschiedsfeier für 23 neue Volljuristen

von Redaktion

Leiterin des Landesjustizprüfungsamtes überreichte Zeugnisse – Gerüstet für zukünftige Herausforderungen

Traunstein/München – Von 23 erfolgreichen Absolventen des Zweiten Juristischen Staatsexamens nahmen 17 Frauen und Männer ihre Zeugnisse von Christine von Massenbach, der Leiterin des Landesjustizprüfungsamtes und der Abteilung, die im Staatsministerium der Justiz auch für die juristische Ausbildung zuständig ist, entgegen. Die restlichen sechs frischgebackenen Volljuristen waren am Freitag verhindert. Landgerichtspräsidentin Anja Kesting und Dr. Anton Burger, hauptamtlicher Arbeitsgemeinschaftsleiter für Rechtsreferendare, zollten Glückwünsche und Anerkennung.

Die Landgerichtspräsidentin würdigte neben den jungen Ehrengästen mit Irmgard Maier eine über lange Jahre wichtige Ansprechpartnerin der Referendare. Frau Maier, seit Ende Mai im Ruhestand, sei immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden, habe Anträge genehmigt und „Fragen jeder Couleur“ beantwortet. Dank zollte Anja Kesting auch Richter am Oberlandesgericht Dr. Burger, der die Ausbildung des juristischen Nachwuchses „mit Herzblut und ausgezeichneter Fachexpertise“ betreibe.

Der heutige Tag sei für die neuen Kolleginnen und Kollegen der Startschuss für die Zukunft in einer Welt, die sich so rasant verändere, unterstrich die Präsidentin. Der Rechtsstaat stehe vor großen Herausforderungen: „Wir erleben komplexe gesellschaftliche Debatten und spürbare Verunsicherung. Doch das ist kein Grund zur Resignation. Krisen sind der Stresstest für die freiheitliche Demokratie. Und unsere Aufgabe wird sein, diesem Vertrauensverlust mit fachlicher Brillanz, Klarheit und vor allem Menschlichkeit entgegenzutreten.“ Juristen seien nicht nur „Bewahrer des Status quo, sondern auch die Möglichmacher, die Gestalter und die Problemlöser unserer Zeit“. Ein Schlüssel für die Zukunft sei die Digitalisierung. Die Justiz und die gesamte Rechtsberatung stünden „vor einem historischen Modernisierungsschub“. Legal Tech, elektronische Akte oder künstliche Intelligenz seien für die Justiz „keine Schreckgespenster, sondern Werkzeuge“, eröffneten die Chance, bürokratische Hürden abzubauen, Gerichtsverfahren effizienter zu gestalten und den Zugang zum Recht für alle Bürgerinnen und Bürger transparenter und barrierefreier zu machen. Die Digitalisierung entlaste von stupider Routinearbeit, so Kesting. Das bedeute „mehr Freiraum für das, was Software niemals leisten kann – die individuelle juristische Beratung, die Bedeutung und das Abwägen von Argumenten sowie das Finden gerechter Lösungen im Einzelfall“. Juristen brächten das Handwerkszeug mit für analytisches Denken, ein feines Gespür für Gerechtigkeit und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auf den Punkt zu bringen. Die Juristenausbildung bestehe nicht nur aus Prüfungen und Stationen, sondern sei „eine Zeit des Wachsens – sowohl fachlich als auch persönlich“. Im Beruf des Richters und des Rechtsanwalts, aber auch in Bereichen der Wirtschaft trage der Jurist häufig mit die Verantwortung für das Handeln. Die juristische Ausbildung habe die Grundlagen vermittelt, in einer komplexen Welt den Überblick zu behalten: „Sie haben dabei die wichtige Aufgabe, Recht und Gesetz mit Leben zu füllen, für Gerechtigkeit einzutreten und das Zusammenleben der Menschen mitzugestalten. Ihre Arbeit wird Einfluss haben – auf Einzelne, auf Gemeinschaften und auf die Gesellschaft insgesamt. Deshalb ist es wichtig, mit Integrität, Empathie und Verantwortungsbewusstsein den neuen Weg zu gehen.“

Bereits zum dritten Mal nahm Christine von Massenbach persönlich die Zeugnisübergabe vor. Stellvertretend für alle nebenamtlichen Arbeitsgemeinschaftsleiter sowie die Richter und Staatsanwälte an den Gerichten und Behörden im Landgerichtsbezirk in Traunstein lobte sie Dr. Anton Burger. Die Leitung des Landgerichts mit Anja Kesting und Vizepräsidentin Andrea Titz, beide Prüferinnen in der Zweiten Juristischen Staatsprüfung, habe stets ein offenes Ohr für Belange der Ausbildung. Andrea Titz sei im Strafrecht sogar für den Prüfungsausschuss und für die Prüferkoordinierung tätig. Vielen Behördenleitern in Bayern liege die Ausbildung der nächsten Generation am Herzen. Frau von Massenbach wörtlich: „Aber das Engagement in Traunstein ist schon besonders.“ Die Prüfungen seien insgesamt sehr ordentlich ausgefallen. Die juristische Ausbildung habe außerdem „die Grundlagen für etwas vermittelt, das niemals Prüfungsstoff sein wird und trotzdem für alle Juristen wichtig ist: Objektivität und Unabhängigkeit im Denken, das Gefühl der Verpflichtung und der Verantwortung gegenüber dem Recht und dem Rechtsstaat, Rechtstreue und nicht zuletzt für Gerechtigkeit“.

„Alle Referendare kennen Irmgard Maier. Sie war die gute Seele der Referendargeschäftsstelle, immer gut gelaunt, immer ein Lächeln auf den Lippen, vorausschauend und stets kompetent – egal, womit man kommt“, stellte Dr. Anton Burger fest. Frau Maier habe bescheiden im Hintergrund gewirkt: „Aber sie war immer da, wenn man sie brauchte.“ In Traunstein sei 2024 erstmals ein Doppeljahrgang Rechtsreferendare ausgebildet worden – „für Frau Maier doppelte Arbeit“. Den Absolventinnen und Absolventen wünschte Dr. Burger, „ihre Berufung zu finden“. KI sei eine Recherchemöglichkeit. Probleme könnten damit aber nicht gelöst, zum Beispiel kein Rechtsfrieden zwischen Parteien hergestellt werden. kd

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