Rosenheim – Eine schlechte und drei gute Nachrichten erhielten die 180 Schüler, die das „MINT-EC Regionalforum“ besuchten, das die TH Rosenheim gemeinsam mit dem Bildungsverein MINT-EC veranstaltete. Die schlechte Nachricht ist, dass aufgrund des demografischen Wandels bald eine Million Fachkräfte im MINT-Bereich – MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – fehlen werden, was schlecht für die Wirtschaft ist. Die guten Nachrichten sind, dass sie in diesen Bereichen gute Berufsperspektiven – auch in der Region Rosenheim – haben, und dass sie mit einem guten Einkommen rechnen können, wenn sie ein entsprechendes Studium absolvieren.
Was sich im MINT-Bereich machen lässt erfuhren die Schüler nicht in langatmigen Vorträgen, wo laut Professor Claudia Schäfle „nach 20 Minuten das normale Einschlafen einsetzt“, sondern in einem Dutzend Workshops, in denen sie sehen und – wörtlich genommen – begreifen konnten, was sie in einem Studiengang und in der späteren Arbeit machen können. Auf dem Plan standen unter anderem die Zukunft von Holz und elektrischem Strom, Maschinenbau und Informatik. Die Schüler erfuhren auch, dass die Raumfahrt mehr der Erde dient als dem Weltraum, was Luftfahrt mit der Rehkitzrettung zu tun hat, und dass Umweltschutz ohne Chemie nicht geht.
Die stellvertretende Präsidentin der Hochschule, Professor Nicole Strübbe, betont die Bedeutung der MINT-Fächer für die Wirtschaft: „Innovation geht nicht ohne MINT.“ Der Vorteil eines MINT-Studiums an der Rosenheimer Hochschule bietet laut Mitorganisatorin des Forums, Steffi Panhans, den Jugendlichen aus der Region den Vorteil, dass sie bereits im Studium Kontakte zu regional tätigen Unternehmen knüpfen können. So waren an diesem Tag auch Vertreter von Unternehmenspartnern des Regionalforums im Foyer anwesend. Die Schüler nutzten diese Möglichkeit beim „Meet and eat“ in der Mittagspause, um sich schon einen ersten Eindruck von ihren möglichen künftigen Arbeitgebern zu verschaffen.
Selbst wer keinen Arbeitgeber möchte, wurde bedient. Im Entrepreneurship-Workshop unter dem Titel „In 90 Minuten zur kreativen Geschäftsidee“ erfuhren die Jugendlichen Elementares zur Unternehmensgründung. Zwei Teilnehmer aus Prien fassten in der Mittagspause ihre Eindrücke von der Veranstaltung zusammen. „Einen guten Einblick“ in die Entwicklung von Unternehmensideen hat der Schüler bekommen. Auch für seine Mitschülerin „hat sich der Vormittag gelohnt“. Es sei wichtig, auch über die Möglichkeit einer selbstständigen Tätigkeit informiert zu werden. Was die beiden bemängeln: Es seien „nicht alle Schüler mit vollem Elan“ bei der Sache gewesen, was bei Teamarbeit von Nachteil sei. Ob die Existenzgründung für sie das Richtige ist, wissen beide heute noch nicht. Eile sei bei der Entscheidung nicht nötig, sie hätten noch viel Zeit.
Wo gelernt wird, wird auf der anderen Seite gelehrt. Aus diesem Grund waren auch 40 Lehrer eingeladen. Sie informierten sich über die neuesten Erkenntnisse zur effektiven Unterrichtsgestaltung. So ist zum Beispiel ein „White Board“ – ein Nachfolger der Schiefertafel – zum Sammeln von Ideen besser geeignet als Papier. Wenn Schüler die Möglichkeit haben, das, was sie geschrieben haben wieder zu löschen, bearbeiten sie ihre Aufgaben schneller, weil sie stets die Möglichkeit haben, ihre spontan gemachten Notizen zu ändern. Dies war eines der Forschungsergebnisse, die die Professoren Claudia Schäfle und Michael Griesbeck den Teilnehmern vermittelten. Zudem konnten die Lehrer die Vorteile von Gruppenarbeit anhand einer Rechenaufgabe testen: Wie viel Gummiprofil wird bei einer Radumdrehung von einem Autoreifen abgefahren? Wenn jeder im Team sein Wissen beiträgt reichen dafür zwei Minuten Kopfrechnen.
Maria Dietrich und Erik Schnell-Kretschmer vom Karolinen-Gymnasium sind überzeugt von den Vorteilen der abwischbaren Tafel. Sie überlegen schon, wo sie diese in ihrem Unterricht zum schnelleren Lernfortschritt einsetzen könnten.
Alfred Schubert