Ausweichverkehr belastet Pang massiv

von Redaktion

Im Rosenheimer Stadtteil Pang haben lange Autoschlangen durch den Ausweichverkehr von den Autobahnen für großen Unmut gesorgt. Ein Video eines Anwohners über die verstopften Straßen ging in den sozialen Medien viral. Nun prüft die Stadt Rosenheim Maßnahmen wie ein Fahrverbot, um die Anwohner zu schützen.

Rosenheim – Einer nach dem anderen. Ohne Pause. Und das den ganzen Tag. Lärm, stickige Luft und eine Blechlawine, die ihresgleichen sucht. „Das ist eine Zumutung, ich glaub, es hakt“, sagt Sven Dahnk. Der Mann aus Pang steht an der Ecke Dorfstraße/Am Wasen und blickt kopfschüttelnd immer wieder über seine Schulter auf die unzähligen Autos und Lkw, die sich durch den Stadtteil im Rosenheimer Süden schieben.

Blockabfertigung
und Baustellen

„Von denen hat eigentlich keiner hier was zu suchen“, sagt der Mann aus Pang mit Blick auf die Kennzeichen, die teilweise in gelber Farbe hervorleuchten oder kaum bekannte Buchstabenkombinationen zeigen.

Es ist eine kleine Szene aus einem Video, das Sven Dahnk Anfang Juli aufgenommen und in den sozialen Medien veröffentlicht hat – und einen „ganz normalen Tag“ in Pang zeigt, wie er sagt.

Sobald auf den Autobahnen A8 und A93 Stau ist – „wegen der Blockabfertigung, Baustellen, Unfällen oder weil so einfach viel los ist“ – weichen die Autofahrer aus. Und suchen sich dank der Unterstützung von Navi-Geräten oder Google den schnellsten Weg, um den Stau zu umfahren, sagt Dahnk ein paar Tage später am Telefon.

Einer der beliebtesten Wege, wenn am Inntaldreieck nichts mehr geht, führe da durch Pang. „Sie fahren bei Bad Aibling oder noch früher raus, fahren über Wasserwiesen und landen hier bei uns“, sagt Dahnk. Danach ginge es weiter in Richtung Raubling, Rohrdorf, Neubeuern, um hinter dem Stau wieder auf die A8 oder A93 zu fahren. Genauso suchen sich einige auch wieder den Weg zurück in Richtung München. Die Folge: lange Autokolonnen quer durch Pang – über den Aisinger Kreisel, über die Panger Straße und Am Wasen. „Das letzte Mal staute es sich bis Westerndorf am Wasen zurück“, betont der Panger.

Aber nicht nur die Hauptstraße in Pang dient als Ausweichmöglichkeit für genervte Autofahrer. Sondern auch kleine Straßen durch den Ortskern. „Teilweise gurken die über Schleichwege, über die Panger Felder, haben ihre Bootsanhänger und Wohnwagen hinten dran“, sagt Dahnk. Einige mussten wieder umdrehen, weil die Straßen zu schmal werden.

Ob dort Verkehrsschilder stehen, dass nur landwirtschaftlicher Verkehr durchfahren darf, sei den Fahrern „scheißegal“.

An die Belastung für die Anwohner in Pang denke dabei niemand, kritisiert Sven Dahnk. „Die Leute kommen meistens gar nicht aus ihren Ausfahrten raus“, sagt Dahnk. Die Autokarawanen verstopften das ganze Dorf. Man müsse fast schon darum „betteln“, rausgelassen zu werden. Fahrradfahren sei ohne Gefahr auch kaum möglich. Genauso wenig spaßig sei es, den ganzen Sommer über die Schlangen an Autos vor den Gärten, Haustüren oder Fenstern zu haben.

Es werden vor allem immer mehr Autos, muss Sven Dahnk feststellen. „Wir haben das Ganze schon einige Jahre, aber heuer ist es extrem schlimm – zunehmend“, sagt er. Speziell in den Ferienzeiten und am Wochenende. Er könne deshalb nicht verstehen, warum Baustellen, wie zuletzt im Bereich von Rohrdorf, mitten in die Zeit gelegt werden, in der in mehreren Bundesländern die Sommerferien beginnen. „Das ist doch wahnsinnig, wer entscheidet so was?“, fragt sich Dahnk.

„Schilder werden
komplett ignoriert“

Was der Panger auch nicht versteht: Warum die Verkehrsschilder, die auf das Abfahrverbot an Wochenenden an den Ausfahrten hinweisen, so klein und kaum zu erkennen sind. „Die paar Schilder werden komplett ignoriert, die interessieren doch niemanden“, sagt Dahnk. Es seien zu wenige und sie müssten viel größer sein. Es brauche Schilder, die sofort ins Auge stechen, ähnlich den Geisterfahrer-Schildern in Österreich – und in englischer Sprache müssten sie sein.

Ansonsten sei es nichts anderes als ein Schildbürgerstreich, wie es Sven Dahnk nennt. Jetzt müsse man dringend an strengere Kontrollen denken. Oder entsprechend härtere Konsequenzen – finanzieller Art – einführen. Die Fahrer zur Kasse zu bitten, sei aber erst möglich, wenn es bereits zu einem Verstoß gekommen ist und sie an einem Verbotsschild vorbeigefahren seien, erklärt Stefan Sonntag, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd, auf OVB-Anfrage.

Ziel der Polizei sei es aber, die Autofahrer noch vor den Verkehrsschildern abzufangen. „Wir kontrollieren in aller Regel direkt an den Ausfahrten, weil wir den Bürgern ersparen wollen, dass die Autos in die Gemeinden reinfahren, dort erst umdrehen müssen und es zum großen Verkehrschaos kommt“, betont Sonntag. Zumal seine Kollegen erst eingreifen dürfen, wenn der Verkehr tatsächlich stillsteht.

„Wir machen die Kontrollen immer lageabhängig und können erst agieren, wenn ein Stau tatsächlich entsteht“, sagt der Polizist.

Dass die Autofahrer bei jedem noch so kleinen Stau auf der Autobahn bleiben, ist für die Polizei wohl kaum machbar. Die Kontrollen führen die umliegenden Dienststellen durch – „im Rahmen unseres täglichen Dienstes“, sagt Sonntag. Es brauche „genügend freie Kapazitäten“ und es dürfe keinen anderen Einsatz mit höherer Priorität geben. Sondereinheiten aus anderen Dienstbereichen zu positionieren oder abzustellen, sei nicht möglich.

Kontrolliert werden die Abfahrtsverbote dennoch umfangreich. „Wann immer das möglich ist für uns“, sagt Sonntag. So auch an dem Wochenende, an dem Sven Dahnk sein Video aufgenommen hat. „An diesem Wochenende haben wir am Freitag und Sonntag 760 Fahrzeuge kontrolliert und 280 auf die Autobahn zurückgeschickt“, teilt Stefan Sonntag von der Polizei mit. Genauso gebe es nach wie vor die Möglichkeit, besonders uneinsichtige Autofahrer mit einem Bußgeld ab 50 Euro aufsteigend zu belegen. Dass trotz der Kontrollen die Abfahrtsverbote am ersten Juli-Wochenende ihr Ziel verfehlt haben, ist auch bei der Stadt Rosenheim aufgefallen. „Wir stehen derzeit im Austausch mit der Polizei und der Autobahn GmbH des Bundes, um bei einem Vor-Ort-Termin Möglichkeiten zu prüfen, Anwohner in Pang vor dem Ausweichverkehr zu schützen“, teilt Pressesprecher Christian Baab mit.

Theoretisch gebe es die Möglichkeit, die Straßen durch das Stadtgebiet für Ausweichverkehr zu sperren, dies müsse aber rechtlich abgesichert werden. „Dazu gehört auch, dass die offizielle Umleitungsstrecke von der Autobahn nicht mehr über Pang führen kann und verlegt werden müsste“, sagt Baab.

Der Schutz der Anlieger vor dem Ausweichverkehr sei, besonders jetzt zur Ferienzeit, allerdings ein wichtiges Anliegen, ergänzt Oberbürgermeister Abzuar Erdogan. „Die Polizei ist gefordert, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Abfahrtsverbote zu kontrollieren. Wir sind gefordert, die Voraussetzungen zu schaffen, dass der Ausweichverkehr nicht mehr durch unser Stadtgebiet fährt“, sagt er.

Fahrverbot
wird geprüft

Der Oberbürgermeister lasse gerade ein Fahrverbot durch Pang „hausintern prüfen“. Der Schallschutz und die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer könnten noch eine Rolle spielen.

Darauf hoffen jetzt auch Sven Dahnk und seine Frau. Dass sein Video, das inzwischen rund 1.400 Menschen gefällt und 172 kommentiert haben, so durch die Decke geht, damit hat Dahnk nicht gerechnet. „Das ist eigentlich nur zufällig entstanden, aber die Kommentare zeigen, dass es das Problem nicht nur in Pang gibt“, sagt er. Die Abfahrtsverbote seien ein „wunder Punkt im Landkreis Rosenheim“.

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