„Der beste Beitrag zur Entlastung des Gesundheitssystems“

von Redaktion

Präventionskonferenz des Gesundheitsamts und der „Gesundheitsregionplus“ von Stadt und Landkreis Rosenheim

Rosenheim – Das Gesundheitsamt und die Gesundheitsregionplus Stadt und Landkreis Rosenheim haben zur regionalen Präventionskonferenz nach Bad Endorf geladen. Im Kultursaal am Park bei den Chiemgau Thermen diskutierten Experten und Vertreter aus der Region, wie der Bayerische Masterplan Prävention vor Ort mit Leben erfüllt werden kann.

Bereits in seiner Begrüßung machte Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamtes Rosenheim, den Grundgedanken der Veranstaltung deutlich: „Prävention kann nur im Team funktionieren.“ Katrin Posch, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregionplus Stadt und Landkreis Rosenheim, ergänzte: „Die Vielfältigkeit hier im Raum ist eine reiche Ressource.“ Landrat Otto Lederer rief alle Anwesenden dazu auf, eigene Ideen einzubringen: „Jeder kann mitgestalten.“ Als Ziel formulierte er: „Machen wir heute den ersten Schritt in Richtung Präventionsregion.“

Dr. Rainer Hutka, Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention, forderte angesichts der laufenden Debatte um die Kosten im Gesundheitswesen ein grundlegendes Umdenken: „Wir müssen wegkommen von der Reparaturkultur, hin zur Präventionskultur.“ Und weiter: „Der beste Beitrag zur Entlastung des Gesundheitssystems ist, gar nicht erst krank zu werden.“

Professor Dr. Thomas Hammerschmidt, Dekan der Fakultät für Angewandte Gesundheits- und Sozialwissenschaften der Technischen Hochschule Rosenheim, beleuchtete die Lage des deutschen Gesundheitssystems aus ökonomischer Perspektive. Er beschrieb es als „super“, zugleich aber als „ineffizient“ – denn die hohen Ausgaben stünden nicht im Verhältnis zur Lebenserwartung der Bevölkerung. So liege laut seinen Angaben das Risiko für 30-Jährige, vor ihrem 70. Geburtstag zu versterben, in Deutschland bei zwölf Prozent, in Italien bei neun und in Norwegen bei acht Prozent.

Als wesentliche, zugleich aber beeinflussbare Risikofaktoren nannte Hammerschmidt Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. Der Alkoholkonsum in Deutschland liege demnach um 25 Prozent über dem des restlichen Europas, 20 Prozent der Bevölkerung seien stark übergewichtig. Die Gesamtkosten, die diese vier Risikofaktoren verursachen, bezifferte er auf rund 270 Milliarden Euro pro Jahr. Sein Fazit: „Es lohnt sich, denn es wird mehr Geld eingespart, als es kostet.“ Er regte an, sich an anderen Ländern zu orientieren – etwa mit höheren Preisen für Tabak und Alkohol, Werbeverboten, Mindeststandards beim Schulessen sowie Abgaben auf stark gezuckerte Softdrinks. Zudem sprach er sich dafür aus, die Freude an Bewegung bereits im Kindergarten stärker zu fördern und Vereine sowie Fitnessstudios stärker in die Verantwortung zu nehmen, wenn es um die Bewegungsförderung von über 70-Jährigen geht.

Im zweiten Teil der Konferenz waren die Teilnehmer selbst gefragt. Sie erarbeiteten, wie der Bayerische Masterplan Prävention auch in der Region Rosenheim mit Leben gefüllt werden kann. Dabei wurde mehrfach betont, dass Prävention früh ansetzen müsse – am besten bereits bei den Jüngsten –, niederschwellig sein solle und nicht an finanziellen Hürden scheitern dürfe. Auch dürften Präventionsangebote keine Stigmatisierungen erzeugen oder Rechtfertigungsdruck auslösen.

Digitale Landkarte
für bessere Sichtbarkeit

Da viele bestehende Angebote zu wenig sichtbar seien, wünschten sich die Teilnehmer eine digitale Landkarte, auf der alle Angebote gebündelt dargestellt werden. Zudem wurde angeregt, dass sich Anbieter regelmäßig treffen und kooperativ planen. Katrin Posch leitete aus den Ergebnissen einen konkreten Arbeitsauftrag ab. Der Weg zur Präventionsregion, den Landrat Otto Lederer als Ziel ausgegeben hatte, habe damit gerade erst begonnen.

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