Nachruf auf eine Dorflegende

von Redaktion

Riederinger „Kramer Oma“ mit 97 Jahren verstorben – Laden und Volksmusik waren ihr von großer Bedeutung

Riedering – Ein strahlendes Lächeln, die perfekt sitzende Frisur, die Kittelschürze und eine herzliche Begrüßung: Wenn man den Kramerladen in Riedering in den vergangenen 70 Jahren betreten hat, wusste man genau, was einen dort erwartet. Nämlich eine Frau, die die Kindheitserinnerungen von Generationen im Dorf prägte. Die jeder im Dorf kannte und schätzte. Die Rede ist von Irmgard Staber, besser bekannt als die „Kramerin“ oder die „Kramer Oma“.

Ihr Lächeln, die perfekt sitzende Frisur und die Kittelschürze wird man künftig nicht mehr im Laden sehen. Denn die „Kramer Oma“ ist am 24. Juni im Alter von 97 Jahren im Kreise ihrer Liebsten verstorben. Was aber bleibt im Laden, ist die herzliche Begrüßung – und zwei ebenso strahlende Lächeln im Kramerladen, der schon vor einigen Jahren zu „Irmis Hoamat“ geworden ist. Denn diesen haben Tochter Irmi und Enkelin Sophia übernommen. „Oma Irmi“ war aber dennoch weiterhin tatkräftig im Geschäft zur Stelle.

„Jeder hatte eine
Verbindung zu ihr“

Als Irmi und Sophia an diesem Sommerabend auf ihrer Terrasse in Riedering von ihrer Mama und Oma erzählen, merkt man sofort, welche Lücke sie hinterlässt. Nicht nur in der Familie, sondern in der ganzen Gemeinde. „Es ist wirklich schön gewesen, von so vielen Menschen zu hören, welche Erinnerungen sie mit meiner Oma verbinden“, erzählt Sophia. Und auch Tochter Irmi weiß nur zu gut, welche Rolle ihre Mama im Dorf gespielt hat. „Jeder in Riedering hatte irgendwie eine Verbindung zu ihr“, sagt sie. Und ja, wenn man sich im Dorf umhört, gibt es wohl besonders einen Begriff, der den Menschen bei der „Kramerin“ sofort in den Sinn kommt: Süßigkeiten. Denn egal, wer man war, und woher man kam: Bei Irmi gab es für jedes Kind ein kleines Zuckerl nach dem Einkauf. Und das ist eine Erinnerung, die in Riedering gleich mehrere Generationen teilen. Schließlich verbrachte die Kramerin ganze 70 Jahre ihres Lebens im Laden.

Doch nicht nur der Laden war ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Von großer Bedeutung war auch die Volksmusik. Und das schon seit etlichen Jahrzehnten. Diese verband sie auch stark mit ihrer Familie. Denn Irmgard Staber war eine geborene Bauer, die vom Hartbichlerhof am Samerberg stammte. Geboren am 30. April 1929, wuchs sie dort gemeinsam mit ihren Eltern und ihren zwölf Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen auf.

Ihr Vater bewirtschaftete im Sommer die „Hartbichleralm“ auf der Hochries und wurde von den Kindern immer wieder mit Proviant versorgt. „Die sind dann als Kinder barfuß zur Alm gelaufen“, erzählt Tochter Irmi. „Schuhe konnten sie sich damals gar nicht leisten.“ Und die große Leidenschaft der Geschwister Hartbichler war das Musizieren – mit Erfolg.

Der erste große Meilenstein der Geschwister Hartbichler war der erste Preis „singende Bergheimat“ von 75 Gruppen in der Festung Kufstein im Jahre 1954. Bei diesem Wettbewerb entstand auch eine enge Freundschaft zur Familie vom Stanglwirt in Kitzbühel, die bis zuletzt bestand. Nach unzähligen Auftritten, Fernseh- und Radiosendungen wurde Irmi mit ihren Geschwistern sogar eine ganz besondere Ehre zuteil: Im Jahr 2001 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz am Bande für das hohe Engagement für die Volksliedpflege.

70 Jahre voller
Begegnung und Freude

Volksmusik, besonders der Radiosender BR Heimat, der Kramerladen und nicht zuletzt die Familie waren Irmgard besonders wichtig. Besonders große Freude schenkten ihr neben ihren beiden Kindern auch ihre vier Enkelkinder und seit 2025 sogar noch zwei Urenkelinnen. „Noch kurz bevor sie verstarb, hat sie mit den beiden noch gescherzt und gespielt“, sagt Tochter Irmi mit einem Lächeln.

Ihren geliebten Ehemann Walter musste sie im Jahr 2002 im Alter von 77 Jahren gehen lassen. Ihn hatte sie in jungen Jahren auf der Hochries kennengelernt. „Er ist jahrelang mit dem Fahrrad aus Riedering zu ihr an den Samerberg gefahren“, erzählt Irmi. Doch die spätere „Kramerin“ ließ ihn warten. 1955 war dann der letzte Winter, in dem sie ihre Familie am Hof unterstützen wollte – und an ihrem 27. Geburtstag heiratete sie schließlich Walter Staber. „Mit diesem Tag ging sie auch in den Laden“, berichtet Enkelin Sophia. Und verbrachte dort schließlich 70 Jahre voller Begegnungen, voller Volksmusik und voller Leidenschaft. Sie war bis zuletzt im Herzen der Gemeinde anzutreffen – und wird von nun an in den Herzen der Riederinger weiterleben. Denn wohl jeder im Dorf verbindet eine Kindheitserinnerung mit der „Kramer Oma“.

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