Nach Messer-Vorfall im Zug: Ruhpoldinger Bürgermeister dankt Einsatzkräften

von Redaktion

Gemeinde steht unter Schock – Betreuung der Betroffenen nimmt großen Raum ein – Psychologen bieten Hilfe an

Ruhpolding – Eine Gemeinde steht unter Schock: Der Messer-Vorfall am frühen Mittwochmorgen am Bahnhof beschäftigt noch immer viele Ruhpoldinger. Wie berichtet, soll ein 28-jähriger Afghane einen Zugbegleiter bedroht und ein Messer mit einer 15 Zentimeter langen Klinge gezückt haben. Kurz darauf soll er versucht haben, damit nach ihm zu werfen und einen anderen Mann zu verletzen, so diePolizei.

Schon zuvor hatten Augenzeugen die dramatischen Szenen geschildert, die sich am Bahnhof ereignet hatten. Die Schüler ergriffen in Panik die Flucht, manche suchten Schutz in umliegenden Geschäften oder rannten weiter weg. Auch wenn zumindest körperlich niemand verletzt wurde – abgesehen von wenigen Schürfwunden –, sorgt der Messer-Vorfall noch Tage später für Diskussionen. Ruhpolding steht noch immer unter dem Eindruck des Geschehens, wie auch Bürgermeister Justus Pfeifer verdeutlichte. .„Besonders betroffen macht mich, dass zahlreiche Kinder und Jugendliche die Situation miterlebt und sich zum Teil auf der Flucht verletzt haben.“ Sein erster Gedanke galt dem Zugbegleiter, den verletzten Kindern sowie allen, die diese „belastende Situation“ erleben mussten. Er wünsche „von Herzen eine schnelle körperliche und seelische Erholung“. Pfeifers großer Dank galt auch der Polizei, dem Rettungsdienst und weiteren Beteiligten, die schnell und besonnen gehandelt und sich um die Kinder gekümmert hätten. Vor Ort habe er sich persönlich ein Bild von der Lage sowie der professionellen Arbeit der Einsatzkräfte gemacht.

Wer Menschen, insbesondere Kinder, durch Gewalt oder Bedrohung in Angst versetze, müsse „die vollen rechtlichen Konsequenzen tragen“. Pfeifer wolle sich weiterhin dafür einsetzen, dass „Personen, die eine Gefahr für unsere Bürger darstellen, im Rahmen der Gesetze nicht dauerhaft bei uns bleiben“. Hierzu habe er bereits am Mittwoch Gespräche aufgenommen.

Zudem kündigte er in seiner Stellungnahme an, dass ihm die Bundespolizei zugesichert habe, beim Schülerverkehr in Richtung Traunstein deutlich Präsenz zu zeigen. „Ein wichtiger Schritt, um das Sicherheitsgefühl unserer Kinder und Familien zu stärken.“ In Gedanken sei man bei allen Betroffenen und werde ihnen als Gemeinde zur Seite stehen sowie die Behörden unterstützen.

Wie wichtig das Thema Betreuung der Betroffenen war – insbesondere der vielen Schüler –, zeigte sich am Mittwochmorgen, kurze Zeit nach der Tat. In der eigens dafür eingerichteten Betreuungsstelle in der Turnhalle der örtlichen Grund- und Mittelschule herrschte großer Andrang. Insgesamt fanden sich 42 Kinder und Jugendliche hier ein, auch zahlreiche Eltern und Lehrkräfte kamen. Ein Erwachsener nahm das Angebot ebenfalls wahr.

Die Helfer des BRK, die mit mehreren Fachkräften angerückt waren, hatten bereits die erste Versorgung übernommen und sich um die Kinder gekümmert. Hinzu kam die polizeiliche Betreuungsgruppe des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd aus Rosenheim, deren Leiter Bernhard Dusch über die Eindrücke vor Ort berichtet.

„Die meisten Kinder und Jugendlichen hatten sich in Gruppen mit ihren Freunden versammelt, was ganz normal ist. Es waren auch schon einige Eltern da“, so Dusch. Doch es gab auch einige Kinder, „bei denen man gemerkt hat, dass sie beeindruckt waren von den ganzen Geschehnissen“. Wie der Kriminaloberrat schildert, sei es wichtig, alle mit ihren Gefühlen ernstzunehmen – egal ob Kinder oder Erwachsene. „Sie sollen erzählen, was ihnen auf dem Herzen liegt und was sie loswerden möchten.“ Und Tage später ist die Betreuungsarbeit noch lange nicht beendet. „Das geht jetzt weiter: Es gibt ein schulinternes Netzwerk mit Psychologen, die weitere Hilfe anbieten. Auch als Polizei versuchen wir im Nachhinein den Eltern, mit denen wir in Kontakt stehen, professionelle Unterstützung zu vermitteln“, erklärt Dusch. Denn nicht alle Betroffenen kamen am Mittwoch direkt in die Turnhalle: Manche Schüler gingen auch gleich nach Hause, wo zunächst noch alles gut schien. „Aber nachts kam das Erlebte plötzlich hoch, oder auch erst Tage später. Auch das gehört dazu und ist normal“, verdeutlicht der Polizist. Marcel Sowa

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