Seine Lieder hört der Ministerpräsident

von Redaktion

Der ehemalige Sänger der „Münchener Freiheit“, Stefan Zauner, hat den Bayerischen Verdienstorden erhalten. Ministerpräsident Markus Söder zeichnete den 73-Jährigen für sein Lebenswerk aus. Bekannt wurde Zauner vor allem durch den Hit „Ohne dich“. Heute lebt der Musiker mit seiner Ehefrau in Töging.

Töging/München – „Ich saß damals, 1985, in Schwabing in meiner Wohnung an einem verstimmten Klavier. Das hat 150 D-Mark gekostet, was anderes konnte ich mir nicht leisten. Ich improvisierte vor mich hin und aus dieser Stimmung heraus entstand dieses Lied. Das konnte ja keiner ahnen, dass die Leute das nach 40 Jahren noch hören.“ Stefan Zauner lächelt, während er Reporterin Andrea Klemm daheim in Töging empfängt. Ein Besuch, bei dem er Erinnerungen an seine musikalischen Anfänge teilt, zum Instrument greift und zeigt, wie der Mensch hinter den großen Hits lebt.

1986 hat die „Münchener Freiheit“ mit Zauner als Frontmann den Song veröffentlicht. Heuer feiert sein Hit „Ohne dich (schlaf‘ ich heut Nacht nicht ein“) 40-jähriges Bühnenjubiläum. Für sein Lebenswerk und 40 Jahre schlaflose Nächte wurde er von Ministerpräsident Markus Söder mit dem Bayerischen Verdienstorden geehrt.

Schon zahlreiche
Auszeichnungen

Als die Einladung der Staatskanzlei in sein Haus in Töging flatterte – wo er mit seiner Frau und Duo-Partnerin Petra Manuela lebt – wusste er nicht, was ihn erwartete. Auszeichnungen und Preise wie die Goldene Stimmgabel oder den Berolina hatte er mit der „Münchener Freiheit“ bereits zahlreiche erhalten.

„Der Bayerische Verdienstorden, dieser Preis sagte mir zunächst nichts. Aber als ich dann in dem prunkvollen Saal des Antiquariums in München stand, wo ich mit 67 anderen Persönlichkeiten geehrt wurde, begriff ich, was das für eine große Sache war“, erzählt der 73-Jährige, der bis 2012 die Stimme der „Münchener Freiheit“ war. „Ich war sehr beeindruckt.“

Neben Menschen, die im Ehrenamt oder im privaten Bereich besonderen Einsatz gebracht haben, waren auch Prominente aus Politik, Kultur und Sport unter den Geehrten, wie Torhüter-Legende Oliver Kahn. „Sie alle machen Bayern stark, sie machen es besonders liebens- und lebenswert“, so Söder. Der war nett. Er sagte, er mochte schon als Teenager die Musik der Münchener Freiheit und hört sie auch heute noch gerne. Es klang ehrlich und nicht nach einer Floskel“, berichtet Stefan Zauner. So einen Preis habe er noch nie bekommen. „Das war etwas Besonderes, mit dem ich nicht gerechnet hätte“, freut er sich.

Der berühmte Song „Ohne dich“ begleitet ihn bis heute. Steht er auf einer Bühne, seien die Fans bei seinen Stücken wohlwollend, wie er sagt. Aber alle warten nur auf die alten Hits. „Tausendmal du“ oder „Ohne dich“ sind für die Menschen zeitlos, weiß er. Die Songs erzählen von einem Gefühl, das nie aus der Mode kommt: Sehnsucht und Verbundenheit. Die eingängige Melodie und die zeitlose Sprache machen diese Lieder bis heute zu Klassikern.

Wenn er erzählt, fühlt man sich in die 80er-Jahre zurückversetzt. Für Musiker sei das eine besondere Zeit gewesen, in der Musik noch analoge Handarbeit gewesen sei. „Wenn man in ein Studio ging, war das etwas sehr Aufregendes. Das war saumäßig teuer, man konnte es sich kaum leisten. Diese Atmosphäre im Tonstudio – man war wie in einer anderen Welt.“

Heutzutage gebe es solche Studios kaum noch. Die technische Entwicklung mache es möglich, daheim mit einem Computer, einem Mikrofon, Software und ein bisschen Zubehör Musik zu machen. Das Heim-Studio von Zauner ist die Profi-Version. Hier in Töging nimmt er Songs mit seiner Frau Petra Manuela auf.

„Das Komponieren bleibt dir, aber die Art der Aufnahme ist heute bedeutend einfacher.“ Wo früher für jede Schlagzeugaufnahme ein Musiker mit aufwendig mikrofoniertem Drumset im Studio stehen musste, könne er heute auf Klangbibliotheken zurückgreifen. Darin stecken professionell produzierte Studioaufnahmen echter Musiker, die sich per Knopfdruck einsetzen lassen.

Die Kehrseite des technischen Fortschritts ist ihm bewusst: Die Studioaufträge für Musiker fallen mehr und mehr weg, nur große Plattenfirmen könnten sich noch einen echten Drummer leisten. „Das ist keine positive Entwicklung.“

Er spielt neben Klavier und Gitarre auch Schlagzeug. „Ein Virtuose bin ich auf keinem Instrument“, sagt er lachend. „Ich passe mein Spiel meinen Kompositionen an und lerne, wenn nötig, was ich dafür brauche.“ Auf die Frage, was er von der künstlichen Intelligenz hält, die die Musikwelt rasant verändert, sagt er: „Ich bin gespannt, wohin das führt.“ KI könne, so Zauner, komponieren und die Instrumentalisierung übernehmen. „Es kommt ein fertiger Song raus, der gut klingen kann, und die Technik ist für jeden, der einen Computer hat, zugänglich. Der kann Musik machen lassen und sie als seine verkaufen“, so Zauner nachdenklich. KI kann Stimmen täuschend echt imitieren. Das wirft Fragen auf, etwa zu Urheberrecht, Persönlichkeitsrechten und der Zustimmung der Künstler. „Ich denke, die GEMA wird eine Software entwickeln, die zwischen echt und KI-generiert unterscheiden kann“, so Zauner. Die GEMA sei für ihn lebensnotwendig. „Davon lebe ich.“ Wenn seine Musik im Radio, auf Konzerten oder beispielsweise in einer Bar gespielt wird, sammelt die GEMA Lizenzgebühren für den Urheber ein. Er sehe aber auch, dass Vereinen oder Kindergärten bei Festen oder auch Restaurants hohe Gebühren abgenommen würden. „Das finde ich übertrieben, da bräuchte es eine bessere Lösung.“

Heute macht Zauner Musik mit seiner Frau Petra Manuela, die aus Mühldorf stammt. Die beiden haben sich 2009 in der Kreisstadt kennengelernt. Der Sänger stand mit der Münchener Freiheit im Haberkasten auf der Bühne und anschließend ging es ins Lodronhaus zum Essen. Petra, die zuvor das Konzert besucht hatte, saß in der gemütlichen Stube. Aus einem ersten Gespräch entwickelte sich schließlich eine Beziehung – privat wie musikalisch.

Deutsche Popmusik nennen sie ihren Stil – gefühlvoll, melodiös und mit eingängigen Harmonien. „Das ist nicht so weit weg von der Münchener Freiheit. Ich habe meine Wurzeln, die kann ich nicht ablegen und plötzlich anfangen zu rappen“, sagt Zauner schmunzelnd. „Melodien verlangen danach, dass der Text sich anpasst.“ Petra Manuela spiele Akkordeon und sei „ein Naturtalent im Singen“, schwärmt er.

Ihr gemeinsames Zuhause fanden die beiden schließlich in Töging. Gesucht hatten sie ein geräumiges Haus mit genügend Platz für ein Tonstudio – im Großraum München wäre das kaum bezahlbar gewesen. Ein weiterer Vorteil: Petras Familie lebt in Mühldorf. „Besser hätten wir es nicht treffen können“, sagt Zauner. Wenn das Duo zu Fernsehauftritten unterwegs ist, kümmert sich die Schwiegermutter um Familienhund Gizmo, einen quirligen Malteser-Yorkshire-Mischling. „Er ist klein, aber das weiß er definitiv nicht“, lacht Zauner.

Der größte Hit:
„Ohne dich“

Zum 30-jährigen Jubiläum des Haberkastens schloss sich für die beiden schließlich ein Kreis. Dort, wo sie sich kennengelernt hatten, standen sie gemeinsam auf der Bühne. Für den Anlass schrieb Zauner die Textpassage seines größten Hits um: Aus „Was ich will, bist du“ wurde „Kein Platz ist so wie du“ – eine Hommage an den Ort, an dem ihre gemeinsame Geschichte begann.

Zauner hat noch eine weitere Leidenschaft: die Malerei. Mit Öl oder Acryl auf Leinwand sowie in Collagen folgt er seiner kreativen Intuition. Seine Bilder zeichnen sich durch kräftige Farben und eine stilisierte Bildsprache mit Anklängen an Pop-Art und den Kubismus aus. Bevor die Musik sein Beruf wurde, studierte er an einer Kunstschule in Basel. Damals konnte er von seiner Kunst nicht leben. Das änderte sich mit dem Erfolg der Münchener Freiheit.

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