Wie Gleichstellung im Alltag gelingen kann

von Redaktion

Podiumsdiskussion in Großkarolinenfeld mit Dr. Margit Huber, Juristin und Präsidentin der Landessynode der Evangelischen Kirche in Bayern

Großkarolinenfeld – Viele allgemeingültige Begriffe wie „Netzwerken“ und „Role Model“ sind bei einer gut besuchten und gut alters- und geschlechtergemischten Podiumsdiskussion zur Frage „Wie kann Gleichstellung gelingen?“ in der Karolinenkirche in Großkarolinenfeld gefallen. Und doch hat der ansprechend gestaltete Abend dank vieler konkreter Anregungen Mut gemacht.

Bis zum Sonntag, 2. August, läuft in Großkarolinenfeld noch die Ausstellung „Goldregen später“ – eine Ausstellung, die sich mit der Anerkennung von Frauen in der Kunstwelt und überhaupt in der Gesellschaft auseinandersetzt. Eine Anerkennung auf allen Ebenen und in allen Bereichen forderte denn auch Dr. Margit Huber, die seit Jahren in internationalen Führungspositionen tätig ist und seit vergangenem Oktober als Vorständin der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstförderer (GEDOKmuc) fungiert, die heuer 100 Jahre alt wird.

Neben Dr. Huber waren Tanja Keller, Juristin und Präsidentin der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), Kathrin Alte, Bürgermeisterin von Anzing und Initiatorin von „Bavaria ruft“ (einer parteiübergreifenden Initiative für Frauen in die Politik), und Anke Hellmann, Kulturreferentin des Landkreises Rosenheim, auf der Bühne. Alles „g’standene Frauen“, wie man so schön in Bayern sagt.

Pfarrer Dr. Richard Graupner, Kunstbeauftragter der ELKB, übernahm die An- und Schlussmoderation. Dr. Huber hatte für ihre Mitstreiterinnen und sich selbst Fragen vorbereitet: Was war bisher die größte Herausforderung? Wo haben Sie etwas bewegt, wo können Sie mit Stolz sagen, etwas erreicht zu haben?

Auch das Publikum war aktiv eingebunden, durfte Fragen stellen, sich per QR-Code an anonymisierten Umfragen beteiligen und sich zwischendurch mit den einzelnen Protagonistinnen austauschen. Oft war an dem Abend zu hören: „Der Ton macht die Musik!“: Sei es, dass Mitarbeiterinnen als „Mädels“ bezeichnet werden, dass es bis vor wenigen Jahren nur den Titel Diplomkaufmann, aber nicht den der Diplomkauffrau gab, oder dass man die einzige Frau in einer großen Runde ist.

Mangelnde Wertschätzung für Care-Arbeit und der nach wie vor existierende Gender-Pay-Gap wurden kritisiert. Und ein weiterer Einwand klang an: Erzogen werden nicht nur Töchter, sondern auch Söhne.

Das Zwischenfazit lautete: Nur gemeinsam (kein Männer-Bashing und keine Stutenbissigkeit), parteiübergreifend, branchenübergreifend und interdisziplinär kann man etwas daran ändern. Von Mut machen war die Rede, von Wertschätzung, vom Vorbild-Sein, vom Sichtbarer- und Lauter-Werden und eben vom Netzwerken. Alltagserfahrungen füllten diese Forderungen mit Leben und sorgten gar für Schmunzler. Keine Kreistagssitzung müsse sechs Stunden dauern, sagte beispielsweise Alte. Da reichten auch zwei Kekse nicht, stattdessen brauche es mehr Disziplin vor und während der Sitzung.

Weiter wurde konstatiert, dass man als Chefin diese Rolle auch vorleben müsse, etwa wenn es um das Terminieren von Sitzungen geht, sodass alle daran teilnehmen können, oder beim Einhalten von Arbeitszeiten. Und indem man Frauen ermutigt, mehr ihrer Talente einzubringen, mehr Gehalt einzufordern und „mehr Vertrauen auf das Wachsen in der (jeweiligen) Rolle“ zu entwickeln – eine Forderung Dr. Hubers, die für Applaus sorgte.

Die vorletzte Frage in die Runde lautete: Welcher Begriff ist mir wichtig geworden? „Wertschätzung“ und „Frauen ermutigen“ wurden dabei am meisten genannt. „Wie zuversichtlich sind Sie, dass es mehr Gleichstellung nach der Veranstaltung geben wird?“ Zumindest besteht diesbezüglich ein kleiner Funke Hoffnung, konstatierte Dr. Graupner. „Braucht es mehr Formate dieser Art?“ Diese Frage wurde da schon weitaus eindeutiger beantwortet: Unbedingt! Elisabeth Kirchner

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