Rosenheim – Es ist ein „Ja“, bei dem man das „aber“ gleich mithört. Die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig begrüßt die Übergabe der Unterlagen an den Bundestag und die damit bevorstehende nächste Planungsphase für den Neubau eines Brenner-Nordzulaufs „grundsätzlich“. Gleichzeitig meldet sie Diskussionsbedarf an. „Flächenverbrauch und Zerstörung landwirtschaftlicher Existenzen sind für uns in der Form so nicht akzeptabel“, sagt sie.
Zwei Punkte stören
Ludwig besonders
Was Daniela Ludwig stört, sind die Planungen der Bahn vor allem an zwei konkreten Punkten. Die Bahn sieht für die Querung des Inns nördlich von Rosenheim weiterhin eine Brücke vor. Und im Inntal ist nach wie vor eine Verknüpfungsstelle geplant, ein Bauwerk von über 700 Metern Länge, an dem Bestands- und Neugleise zusammengeführt werden. Dort ist der Widerstand besonders groß, sind doch von dem Riesenbauwerk die Existenzen von Landwirten bedroht. Ludwig fordert daher „Verbesserungen im Inntal, insbesondere bei der geplanten, völlig überdimensionierten Verknüpfungsstelle“.
Diese zwei Punkte gehören zu den „Kernforderungen“ aus der Region. Über 100 Änderungswünsche sind es insgesamt, aufgestellt haben sie Kommunen und auch Einzelpersonen.
Innbrücke und Verknüpfungsstelle im Inntal sind in diesem Konvolut besonders prominent – und heikel. Wegen der Kosten und der Verzögerungen. Drei Milliarden Euro mehr soll nach Aussagen der Bahn ein Tunnel unter dem Inn nördlich von Rosenheim kosten, 2,7 Milliarden mehr wären für die Verknüpfungsstelle im Wildbarren fällig.
Ludwig will bei ihren Kollegen im Bundestag für die Region werben. Das hat sie versprochen. Darf sie auf Unterstützung hoffen? Immerhin hatte die Union im Bundestag, vertreten durch den damaligen Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, 2024 einen Antrag eingereicht. Der Bundestag solle sich bei der Ampelregierung für Verbesserungen starkmachen, stand da drin. Die Ampel ist Geschichte, nun ist Friedrich Merz selbst Kanzler. Doch wird der Bundestag deswegen für die Planänderungen stimmen?
Es geht um viel. Auch um viel Geld. 8,6 Milliarden soll die 70 Kilometer lange Neubaustrecke des Brenner-Nordzulaufs kosten, dazu hat die Bahn einen Risiko- und Inflationspuffer von 7,5 Milliarden Euro in ihre Rechnung aufgenommen. Es wird nicht leicht werden, Abgeordnete aus dem Rest der Republik davon zu überzeugen, nochmals 5,7 Milliarden Euro für die Vorschläge des Landkreises Rosenheim einzuplanen.
Braucht es die
Verknüpfungsstelle?
Daniela Ludwig verweist allerdings auf eine Lösung, die sogar Geld einsparen würde: verzichten. Braucht es die Verknüpfungsstelle an der engsten Stelle des Inntals? Noch immer habe die Bahn nicht erklärt, warum so eine Gleiszusammenführung ausgerechnet im Nadelöhr der Region gebaut werden müsse. Schließlich gebe es zwei solcher Bauten in näherer Umgebung, bei Ostermünchen und bei Schaftenau in Tirol, nur 14 Kilometer von Kirnstein entfernt.
Die Bahn bleibt bei einer aktuellen Anfrage bei ihrer Planung. Die vorliegende Planung erfülle die verkehrlichen Ziele des Bundesverkehrswegeplans, sagte eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage des OVB. Bei einem Verzicht auf die Verknüpfungsstelle wären laut Bahn die Neubau- und Bestandsstrecke auf circa 55 Kilometern ohne Verbindung. „Dies hätte eine geringere Leistungsfähigkeit, weniger betriebliche Flexibilität und eine verminderte Netzresilienz zur Folge.“
Daniela Ludwig
macht weiter Druck
Die Verknüpfungsstelle im Süden des Landkreises zu streichen, gehört auch zu den Kernforderungen der Region Rosenheim. Damit ist es am Bundestag, nach der Sommerpause über die Zukunft des Inntals zu entscheiden. Vor Daniela Ludwig liegt einiges an Überzeugungsarbeit. Bei den Beratungen im Bundestag werde sie um eine „Optimierung der Planung kämpfen“, sagte sie.
Pfeifen im Walde oder echte Hoffnung? Daniela Ludwig verweist auf bisherige Errungenschaften. Schließlich sei durch eine gemeinsame Anstrengung von Menschen, Politik und Initiativen ein großer Tunnelanteil im Inntal erreicht worden, der so von der Bahn ursprünglich nicht geplant worden sei. „Ohne unseren Druck wäre es nie dazu gekommen“, sagt Ludwig.