Landtagsabgeordneter Daniel Artmann (CSU). Foto Christoph Leonhardt
Bernau – Daniel Artmann hatte den Besuch von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bei der 1.100-Jahr-Feier von Bernau schon vor längerer Zeit eingefädelt. „Markus Söder war dieser Termin als Wertschätzung für Bernau und die Region wichtig. Er hat schon lange vorher zugesagt, obwohl es der Abend des Fußball-WM-Finales war, bei dem ja auch Deutschland hätte dabei sein können“, sagte der Rosenheimer Landtagsabgeordnete auf OVB-Anfrage.
Die Attacke kam
aus dem Nichts
Söder steht für Volksnähe – am vergangenen Sonntagabend allerdings erlebte Bayerns Landesvater kurz vor dem Einzug eine heftige körperliche Attacke: Aus nächster Nähe warf ein nach Medienberichten 31 Jahre alter Mann dem CSU-Chef eine Tomate ans Gesicht.
„Das war massiv und ist aus dem Nichts gekommen. Die komplette Hemdseite und das Ohr waren voller Tomate“, so Artmann. Wie Markus Söder danach reagierte, war für alle Augenzeugen beeindruckend. „Er war der Ruhigste von allen. Er hat gleich gesagt, dass er das Hemd nicht wechselt und das Programm wie geplant durchzieht“, so Artmann.
Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber erlebte die Situation, die sich beim Einzug der Prominenz vor dem Festzelt zutrug, ähnlich: „Es ging alles so unglaublich schnell. Aber Markus Söder und sein Begleitschutz haben unglaublich souverän und schnell reagiert.“ Die Sicherheitskräfte brachten den Angreifer sofort zu Boden und hielten ihn fest, bis die Polizei anrückte und ihm Handschellen anlegte.
Danach setzte sich Söder für ein Bild nach außen entspannt mit einem Bier an den Tisch der Prominenz, an dem neben Artmann und Biebl-Daiber auch weitere Politiker wie Landrat Otto Lederer und die Bundesabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Daniela Ludwig saßen.
Danach hielt Bayerns Ministerpräsident mit seinem am Kragen sichtbar rötlich verfärbten Hemd ganz souverän seine geplante Festrede. Laut Biebl-Daiber traf Söder mit seinen Worten „komplett den Nerv der Leute“.
„In Bernau fliegen Mücken – und manch anderes“
Artmann sprach davon, dass der Landesvater „das Zelt gerockt“ habe. Die einzige Bemerkung zum dramatischen Tomatenwurf waren die Worte: „In Bernau fliegen viele Mücken – und manch anderes.“ Nach dem Ende der Rede verabschiedete sich der 59-jährige Politiker relativ schnell. Die Diskussionen über das Geschehen waren damit natürlich nicht beendet. Alle großen Medien von Bild bis Spiegel berichteten über den Tomatenwurf – und das 1.100-jährige Jubiläum der Gemeinde Bernau geriet komplett in den Hintergrund.
„Wir hatten ein wundervolles Fest mit zwei großen Partys ohne jede Rauferei. Und dann passiert so etwas Krasses. Das ist unglaublich bitter und beschäftigt den Ort natürlich“, erklärte Biebl-Daiber. Vor allem, wer der Täter sein könnte. Ersten Gerüchten zufolge war er einigen Besuchern bekannt und soll aus der Region stammen.
Beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd konnte man gestern dazu noch nichts Genaueres sagen – nur, dass die Kripo Rosenheim die Ermittlungen in dem Fall übernommen hat. Allgemein, so ein Sprecher auf Anfrage des OVB, sei ein Tomatenwurf rechtlich „als Beleidigung“ einzustufen. Damit könnte eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr ausgesprochen werden. „Wenn das Opfer verletzt wird, wären wir bei Körperverletzung“, so der Sprecher. Dann könnten neben einer Geldstrafe theoretisch schon bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe ausgesprochen werden. Mit derlei Attacken gegen Personen wie Markus Söder sei die Polizei in der Region glücklicherweise bislang kaum konfrontiert. Deutlich häufiger seien Eierwürfe zur Halloween-Zeit gegen Gebäude, was als Sachbeschädigung eingestuft werde.
Söder: Zum Trost
auf den Chiemsee?
Dass Mandatsträger direkt handgreiflich attackiert werden, hält Daniel Artmann für höchst bedenklich. „Die Hemmschwelle sinkt immer weiter. Die Situation hat schon ein beklemmendes Gefühl hinterlassen“, so der Landtagsabgeordnete zum OVB: „Verbale Angriffe muss man als Politiker abkönnen, aber wenn es handgreiflich wird, ist die Grenze weit überschritten. Das ist schockierend. Da standen auch Kinder außenrum. So wollen wir Bernau, den Chiemsee und die Region nicht präsentieren.“
Das sieht Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber ganz genauso. Zumal sie weiß, wie gern der Landesvater in ihrer Gemeinde essen geht und in der Chiemsee-Region unterwegs ist. Vielleicht kann Markus Söder ja das – schon vor dem Tomatenwurf – geplante Geschenk des Bernauer Gewerbevereins ein wenig versöhnen. Biebl-Daiber zum OVB: „Herr Söder kann mit einem der Bernauer Chiemseefischer rausfahren und dann wird der Fang im Restaurant Minholz frisch für ihn und seine Familie zubereitet.“