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Landtagspräsidentin Ilse Aigner spricht beim Gottesdienst.
Marquartstein – Regen, graue Wolken und immer wieder nasse Schirme sind eigentlich kein Wetter für einen großen Festtag gewesen. Doch wer am gestrigen Sonntag nach Marquartstein gekommen ist, hat schnell gespürt: Diesen Menschen hat das Wetter die Freude nicht nehmen können. Tausende Trachtler, Musikanten und Besucher haben den Festsonntag des Gaufestes zu einem beeindruckenden Bekenntnis zu Heimat, Brauchtum und gelebter Gemeinschaft gemacht. Was geblieben ist, ist nicht das Wetter gewesen – sondern das starke Gefühl, Teil einer großen Familie zu sein.
Mit Humor nahm Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg die Regenschauer beim Freiluftgottesdienst vor dem Musikpavillon auf. „Da hat wohl einer zu viel gebetet, dass so viel Weihwasser von oben kommt“, scherzte er und erntete dafür zahlreiche Schmunzler.
Andreas Hilger, Vorstand des Chiemgau Alpenverbandes, begrüßte die vielen Gäste aus den Trachtenvereinen sowie Vertreter aus Politik und Gesellschaft, darunter Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Landrat Andreas Danzer. Der Chiemgau Alpenverband zähle mit seinen über 8.000 Mitgliedern und rund 1.700 Kindern und Jugendlichen zwar eher zu den kleineren Gauen, sagte Hilger. Doch genau das sei seine große Stärke: „Klein, kompakt – einfach eine große Trachtenfamilie.“ Besonders am Herzen liege ihm, die Werte der Trachtenvereine zu bewahren und sie an die junge Generation weiterzugeben.
Werte, die Menschen
verbinden
Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg erinnerte daran, dass mit dem Jubiläum des Chiemgau Alpenverbandes zugleich auf 100 Jahre gelebte Glaubensgeschichte zurückgeblickt werde. Die Tracht sei dabei weit mehr als ein schönes Gewand – sie stehe für Werte, die Menschen verbinden. Wie drei kostbare Perlen in einer Muschel nannte er den Zusammenhalt der Gemeinschaft, die „Sitte“, also Anstand und gegenseitigen Respekt, sowie die christlichen Werte des Evangeliums. Gerade in einer Zeit, in der das Miteinander oft auf die Probe gestellt werde, seien diese Werte von unschätzbarem Wert.
Schirmherrin Ilse Aigner knüpfte daran an. Sie freute sich, das Gaufest als Schirmherrin begleiten zu dürfen, erinnerte sich daran, bereits vor rund 30 Jahren in Marquartstein ein Gaufest besucht zu haben, und äußerte den Wunsch, auch beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Das Brauchtum und die Kultur der Trachtenvereine seien ein wertvoller Schatz, der auch in Zukunft mit Leben erfüllt werden müsse.
Nach dem Schlusssegen bewies der Weihbischof noch einmal seinen Humor. Er hoffe, sagte er schmunzelnd, dass nach dem Rückmarsch ins Festzelt „die innere Feuchtigkeit der äußeren angeglichen werden kann“. Als um Punkt 14 Uhr die Böllerschützen den Startschuss für den Festzug gaben, zeigte sich, was diesen Festsonntag trotz des Regens so besonders machte. Hunderte Menschen säumten die Straßen, klatschten, winkten und harrten geduldig aus. Gemeinsam mit den Trachtlern sowie den Musikkapellen waren schätzungsweise mehr als 8.000 Menschen in Marquartstein unterwegs. Ein beeindruckendes Bild bot sich den Besuchern: festliche Trachten, klingendes Spiel der Kapellen, prächtig geschmückte Festwagen und überall fröhliche Gesichter. Niemand ließ sich vom Wetter die Stimmung verderben – im Gegenteil: Gerade der Regen machte sichtbar, wie groß der Zusammenhalt und die Verbundenheit innerhalb der Trachtenbewegung sind.
Am Ende blieb deshalb nicht das Bild der Regentropfen in Erinnerung, sondern das von Tausenden Menschen, die gemeinsam ein Zeichen setzten: für Heimat, für gelebtes Brauchtum und für eine Gemeinschaft, die auch dann zusammensteht, wenn der Himmel seine Schleusen öffnet. Ein Festsonntag, der vielen noch lange im Gedächtnis bleiben wird.