Blitzeinbruch bei Juwelier in Rosenheim

von Redaktion

Bei einem Blitzeinbruch in ein Juweliergeschäft in Rosenheim haben drei maskierte Täter am Montag, 27. Juli, Schmuck im Wert von mehreren zehntausend Euro erbeutet. Die Einbrecher waren zuvor mit einem Auto in den Eingangsbereich gefahren. Die Polizei leitete eine Großfahndung ein, die Suche blieb jedoch zunächst erfolglos.

Rosenheim – Nur ein oder zwei Minuten. Danach war alles vorbei. Da ist sich der Sohn eines Rosenheimer Juweliers sicher. „Wenn es überhaupt eine Minute gedauert hat“, sagt der junge Mann. Mit ungläubigem Blick starrt er auf den Eingangsbereich des Ladens in der Münchener Straße, der „kleinen“ Fußgängerzone. Auf dem Fußboden liegen überall Glassplitter, die Ladentür hängt quer im Türrahmen. Im Inneren des Geschäfts inspizieren zwei Personen in weißen Ganzkörperanzügen, blauen Überzügen über den Schuhen und mit Mundschutz jedes kleine Teil, das im Laden herumliegt.

Einbrecher fahren mit VW
Golf in Eingangsbereich

Das ein oder andere Objekt besprühen die beiden Mitarbeiter der Spurensicherung mit einer Flüssigkeit, wieder andere Beweismittel werden in kleine Röhrchen gesteckt oder auf eine der zertrümmerten Vitrinen zurückgelegt. „Vorhin war auch schon der Spürhund bei uns im Laden“, sagt der Sohn des Inhabers, während er ein paar Meter hinter dem Absperrband der Polizei der Spurensicherung zusieht. Gegen vier Uhr sei der junge Mann von seinem Vater informiert worden – die Alarmanlage des Geschäfts habe angeschlagen.

Zuvor riss ein lauter Knall die Anwohner aus dem Schlaf. „Es hat sich so angehört, als ob irgendwo ein Auto in eine Glaswand reingeschossen ist“, sagt eine junge Frau, die unmittelbar in der Nähe des Juwelierladens wohnt, am Telefon. Zunächst habe sie gedacht, dass ein Fahrzeug vielleicht von der Prinzregentenstraße abgekommen ist und in den Schuhladen an der Fußgängerampel gekracht ist. Bei einem Blick aus dem Fenster erkannte die junge Frau aber: Ein silberner VW Golf stand nur wenige Zentimeter vor der Eingangstür des Juweliers in der Münchener Straße.

Mit dem Auto müssen drei mit Sturmhauben maskierte Täter, alle um die 1,80 Meter groß, gegen vier Uhr in den Eingangsbereich des Schmuckgeschäfts gekracht sein – um gezielt die Eingangstür aufzubrechen, teilt die Polizei mit. Danach stiegen die Männer in das Geschäft ein. Kurze Zeit später flüchteten die Täter mit einer schwarzen Audi-Limousine stadtauswärts. „Man nennt das einen Blitzeinbruch, wenn diese Tatbegehung mit einem Fahrzeug passiert“, erklärt Michael Spessa, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Das Auto werde gezielt eingesetzt, um ein Hindernis wie das Schaufenster oder die Tür zu überwinden. Es gehe darum, so schnell wie möglich hineinzukommen, mitzunehmen, was geht, und genauso schnell wieder zu verschwinden.

Deswegen habe die Polizei auch sofort eine Großfahndung gestartet. „Bei so einer Ausgangslage ziehen wir koordiniert alle Kräfte zusammen, die uns zur Verfügung stehen“, sagt Spessa. Insbesondere nach dem Auto sei „stark gefahndet worden“. „Da werden sämtliche Straßen bis hin zum benachbarten Ausland kontrolliert, weil man nicht ausschließen kann, dass die Täter Richtung Österreich unterwegs sind“, betont der Polizist. Auch aus der Luft wurde mit einem Hubschrauber nach dem Auto gesucht – bislang ohne Erfolg.

Am Tatort versuchte die Polizei mit Spürhunden, auf die Fährte der Täter zu kommen. „Wir lassen da nichts unversucht, schließlich ist nie ausgeschlossen, dass das Fluchtfahrzeug nochmal gewechselt wird oder Täter auf den ÖPNV umsteigen“, sagt Michael Spessa. Genauso werden neben den Fahndungsmaßnahmen Spuren gesichert – im Juwelierladen und im abgestellten VW Golf. „Es werden zudem Videoüberwachungen gesichtet, auch die sich im öffentlichen Raum befinden, ob man da Erkenntnisse zum Tatablauf gewinnen kann“, sagt der Pressesprecher.

Auch nach kleinen Blutspuren wird gesucht, da sich einer der Täter zum Beispiel an den Glasscherben verletzt haben könnte, als es schnell gehen musste. Umfangreich seien die Ermittlungen des Fachkommissariats 2 der Kriminalpolizei Rosenheim. Eine wichtige Rolle könnte auch die Bevölkerung spielen. „Womöglich hat jemand das Fluchtfahrzeug davonfahren sehen und kann sich an Teile des Kennzeichens oder Auffälligkeiten am Audi erinnern“, sagt Spessa.

Entscheidend kann allerdings auch sein, was Zeugen in den Tagen vor der Tat beobachtet haben könnten. „Es muss ein Vortatverhalten stattgefunden haben: Man muss sich die Örtlichkeit anschauen, die Fluchtstrecke auskundschaften“, erklärt Michael Spessa. Der Verdacht liege nahe, dass die oder einer der Täter unter Umständen zuvor schon am Juwelierladen waren. Und noch etwas scheint festzustehen: Anfänger waren die Einbrecher nicht. „Da gehört viel Abgebrühtheit und Kalkül dazu, weil ich natürlich auch ein hohes Entdeckungsrisiko eingehe“, sagt der Pressesprecher.

Dass bei dem Einbruch Profis am Werk waren, glaubt auch der Sohn des Inhabers. „Das waren Professionelle, so schnell wie die waren“, vermutet er. Wie viel sie von seinen Waren mitgenommen haben, weiß er noch nicht. Er müsse sich einen Überblick verschaffen, sobald ihn die Spurensicherung in den Laden lässt. Die Polizei schätzt den Wert der Beute auf einen hohen mittleren bis oberen fünfstelligen Euro-Betrag. „Sie haben schon einiges mitgenommen, aber viel lag auch noch auf dem Boden herum“, sagt der Sohn des Juweliers.

Inhaber und Sohn wollen
nach Schock weitermachen

Für ihn und seinen Vater stehe aber außer Frage, dass es mit dem Juweliergeschäft weitergeht. „Wir richten alles wieder her, den Eingangsbereich, die Scheiben tauschen wir aus“, sagt er. Solche Sachen gehörten fast schon zum Berufsrisiko, schiebt er hinterher, während er den zerstörten Eingangsbereich begutachtet. Zumal es nicht das erste Mal ist, dass es bei ihnen einen Einbruch gegeben hat – damals in einer anderen Filiale in Rosenheim. Ob dabei womöglich ein Zusammenhang besteht, will auch die Polizei überprüfen. „Warum es uns wieder getroffen hat, weiß ich nicht. Aber: Wir werden wieder öffnen“, sagt der Sohn des Inhabers.

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