Rosenheim – Mit einem „Kanapee-Gespräch“ hat das Jugendintegrationsprojekt W³ Wissen-Werte-Wir 2.0 jetzt offiziell seine neue Projektphase eingeläutet. Wie die Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi) mitteilt, begrüßte das Projekt in den Räumen der gfi Alpenvorland in Rosenheim Ludwig Hartmann (Die Grünen), Vizepräsident des Bayerischen Landtags. Bei Canapés diskutierten die Anwesenden über Demokratie, politische Teilhabe und die Bedeutung eines respektvollen gesellschaftlichen Dialogs.
Roberta Basilico, Standortleiterin der gfi Alpenvorland, eröffnete den Abend mit einer Begrüßungsansprache. Unter den Gästen waren neben Ludwig Hartmann auch Alois Loferer, Bürgermeister des Marktes Bad Endorf, sowie Alexandra Burgmaier, stellvertretende Landrätin des Landkreises Rosenheim. Tayfun Samli, Projektleitung von W³ 2.0, führte als Moderator durch den Abend. Er begann mit dem politischen Werdegang Hartmanns, der von seinen ersten politischen Schritten als Jugendlicher berichtete: Gemeinsam mit anderen habe er sich damals für den Bau eines Skateparks in seiner Heimat eingesetzt. Diese Erfahrung präge seine Überzeugung bis heute – Demokratie lebe davon, dass Menschen ihre Anliegen einbrächten und sich aktiv für Veränderungen einsetzten. Jeder Mensch habe das Recht, die Möglichkeiten einer demokratischen Gesellschaft zu nutzen, um eigene Ideen, Bedürfnisse oder Interessen zu vertreten. Samli griff im weiteren Verlauf auch aktuelle gesellschaftliche Themen auf – von der politischen Teilhabe junger Menschen über Migrationspolitik bis hin zur Frage, wie ein respektvoller Umgang trotz unterschiedlicher Meinungen gelingen kann. Hartmann betonte dabei, dass Demokratie nicht bedeute, immer einer Meinung sein zu müssen. Offen sprach der Vizepräsident des Bayerischen Landtags auch über den Umgang mit Fehlern in der Politik: Politiker müssten stärker zu Fehlentscheidungen stehen können, ohne sofort persönliche Angriffe oder öffentliche Diskreditierung befürchten zu müssen. Eine konstruktive Fehlerkultur sei Voraussetzung für glaubwürdige Politik und gesellschaftliches Vertrauen.
Im zweiten Teil des Abends weitete sich das Gespräch zu einer offenen Podiumsdiskussion aus, an der sich auch das Publikum aktiv beteiligte. Loferer, Burgmaier sowie der Teilnehmer Ahmet Aydin verstärkten die Runde. Aydin, der nach Deutschland eingewandert ist, schilderte eindrucksvoll, welche bürokratischen Herausforderungen er auf seinem Weg in Ausbildung und Beruf bewältigen musste. Auch aus dem Publikum kamen Erfahrungsberichte sowie kritische Fragen und Gesprächsimpulse. Hartmanns Appell, den Blick häufiger auf das zu richten, was bereits gelungen ist: Die Demokratie habe in den vergangenen Jahrzehnten vieles verbessert. Gerade in gesellschaftlich herausfordernden Zeiten sei es wichtig, Erreichtes wertzuschätzen und Zuversicht zu bewahren, anstatt ausschließlich auf Defizite zu schauen.