Tragischer Vorfahrtsfehler

von Redaktion

Rennradfahrer aus Tirol bei Rohrdorf schwer verletzt

Rohrdorf – Zu einem schweren Verkehrsunfall kam es am Montagnachmittag (27. Juli) auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Rohrdorf und Sachsenkam. Im Kreuzungsbereich mit der Pinswanger Straße stießen ein Auto und ein Rennradfahrer zusammen. Ein 22-jähriger Österreicher erlitt dabei schwerste Verletzungen (wir berichteten).

Die Unfallursache ist nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei klar. Der 22-jährige Rennradfahrer aus Terfens in Tirol war gemeinsam mit seinem 19-jährigen Freund aus Walchsee auf der Pinswanger Straße unterwegs. An der Einmündung fuhr der Rennradfahrer nahezu ungebremst auf die Ortsverbindungsstraße ein und missachtete die Vorfahrt einer Autofahrerin. Die 53-Jährige kam aus Rohrdorf und war in Richtung Sachsenkam unterwegs. Nach Angaben der Polizei habe sie vergeblich versucht, zu bremsen und einem Zusammenstoß auszuweichen.

Lebensbedrohliche
Verletzungen

Bei dem Frontalzusammenstoß prallte der Radfahrer gegen die Frontscheibe des Autos und wurde anschließend mehrere Meter durch die Luft geschleudert. Zeugen schätzen die Flugweite auf fünf bis zehn Meter. Der junge Mann schlug auf der Fahrbahn auf. Trotz seines Helms erlitt er schwerste Verletzungen. Die Autofahrerin setzte sofort den Notruf ab. Ein nachfolgender Autofahrer leistete Erste Hilfe. Nach Angaben der Polizei, die mit vier Streifenbesatzungen im Einsatz war, traf der Rettungsdienst innerhalb kürzester Zeit an der Unfallstelle ein. Auch ein Rettungshubschrauber wurde alarmiert. Aufgrund des lebensbedrohlichen Zustands des Radfahrers – unter anderem mit einem Schädel-Hirn-Trauma und einem instabilen Kreislauf – entschieden die Notärzte jedoch, den 22-Jährigen mit dem Rettungswagen in eine Klinik nach Rosenheim zu bringen. So hätten bei einer möglichen Verschlechterung des Zustands während der Fahrt sofort weitere lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden können.

Die 53-jährige Autofahrerin aus dem südlichen Landkreis Rosenheim und der 19-jährige Begleiter des Verletzten standen unter Schock und wurden vom Kriseninterventionsteam Rosenheim betreut.

Die Polizei geht davon aus, dass die beiden Tiroler Radfahrer am Morgen in Walchsee zu ihrer Tour aufgebrochen waren. Zu den genauen Geschehnissen konnte der 19-Jährige zunächst keine Angaben machen. Aufgrund seines psychischen Ausnahmezustands war er zunächst nicht vernehmungsfähig. Die Integrierte Leitstelle informierte seine Angehörigen, die ihn an der Unfallstelle abholten und nach Hause brachten. „Es wurde keiner alleingelassen“, betonte ein Polizeisprecher.

Auch die Familie des schwer verletzten 22-Jährigen wurde umgehend informiert. Seine Freundin eilte noch am Unfallabend ins Krankenhaus nach Rosenheim. Am Dienstag (28. Juli) informierte die Klinik die Polizei darüber, dass der junge Mann weiterhin auf der Intensivstation behandelt und künstlich beatmet werde, sich jedoch inzwischen außer Lebensgefahr befinde. Welche langfristigen gesundheitlichen Folgen die schweren Verletzungen und das Schädel-Hirn-Trauma haben würden, konnten die Ärzte zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen.

In den sozialen Medien entbrannte am Dienstag eine Diskussion über die Sicherheit der Kreuzung zwischen der Pinswanger Straße und der Ortsverbindungsstraße. Mehrere Nutzer bezeichneten die Einmündung als gefährlich, da das Vorfahrtsschild erst spät erkennbar sei. Zudem stehe der Mais derzeit so hoch, dass die Vorfahrtsstraße nur eingeschränkt eingesehen werden könne. Die Polizei bestätigt, dass ein Maisfeld die Sicht in diesem Bereich teilweise einschränke. Die Autofahrerin hatte das Feld auf ihrer rechten Seite und konnte deshalb die Pinswanger Straße erst spät einsehen. Dadurch blieb ihr keine Möglichkeit mehr, rechtzeitig auf den Rennradfahrer zu reagieren oder zu bremsen. Der Radfahrer hatte das Maisfeld auf seiner linken Seite, wodurch auch für ihn die Sicht auf die Vorfahrtsstraße streckenweise eingeschränkt war.

Ein Polizeisprecher stellt jedoch klar: „Das Vorfahrtsschild ist gut zu erkennen. Wer eine Kreuzung nicht vollständig einsehen kann und wartepflichtig ist, muss anhalten.“ Im eigentlichen Einmündungsbereich sei die Sicht nicht eingeschränkt gewesen. Von dort aus reiche der Blick bis zur rund 200 Meter entfernten Kreisstraße. Die Polizei erfasste den Unfallhergang mit Skizzen und Zeugenaussagen. Ein von der Staatsanwaltschaft Rosenheim beauftragter Sachverständiger fertigte zudem Drohnenaufnahmen an, um die Unfallstelle sowie die Sichtverhältnisse umfassend zu dokumentieren. Die Kreuzung, an der sich der schwere Unfall ereignete, befindet sich noch auf dem Gemeindegebiet von Rohrdorf. Nach Einschätzung von Bürgermeister Simon Hausstetter ereignen sich in diesem Bereich selten Unfälle. Der eigentliche Unfallschwerpunkt befinde sich an der Kreisstraße RO24, vor allem im Kreuzungsbereich mit der Oberen Dorfstraße. Die Gemeinde habe schon vor vielen Jahren einen Kreisverkehr angeregt. „Wir würden es sehr begrüßen, wenn das Landratsamt diesen realisieren würde“, sagt Hausstetter.

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