Chiemsee – Im Beisein zahlreicher Ehrengäste hat die Fischereigenossenschaft Chiemsee ihren 127. Fischerjahrtag auf der Fraueninsel abgehalten. Der Tag begann traditionell mit dem Kirchenzug, der von der Blaskapelle Prien und den Fahnenabordnungen der Fischereigenossenschaft und des Anglerbundes Chiemsee angeführt wurde.
Dienst an
der Schöpfung
Pfarrer im Ruhestand Konrad Kronast freute sich im Gottesdienst im Münster sehr darüber, dass die vielen erschienenen Berufsfischer, Hobbyfischer und Angler sowie deren Familienangehörige ihren Jahrtag wieder mit einer feierlichen Messe und dem Gedenken an die verstorbenen Mitglieder begannen. Ein Drittel der Jünger Jesu habe das Fischereihandwerk ausgeübt. Nach dem Willen Jesu sollten sie auch Menschenfänger werden. Vor dem Hintergrund dessen, dass sich jährlich Hunderttausende Pilger auf den Jakobsweg zum Grab des Apostels Jakobus begeben, meinte der Pfarrer: „Wir müssen uns bewusst werden, dass wir alle Pilger sind, und das gilt in besonderer Weise für die Fischer, die täglich ihren Dienst an der Schöpfung und an den Menschen verrichten.“
Bei den Fürbitten, die die Landtagsabgeordneten Dr. Martin Brunnhuber und Daniel Artmann verlasen, erbaten sich die Fischer unter anderem Hoffnung, Zuversicht und Kraft und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung. Vorsitzender Florian Kirchmeier verlas in der Messe die Namen der verstorbenen Chiemsee-Berufsfischer und Förderer, die sich um die Fischerei und die Genossenschaft verdient gemacht hatten. Nach dem Gottesdienst kam man am Kriegerdenkmal an den alten Linden zum Totengedenken zusammen.
Sorge um den
wichtigsten Brotfisch
Die folgende Jahresversammlung fand im Klosterwirt statt. Wie zuvor beim Gottesdienst sorgte eine Abordnung der Blaskapelle Prien für die klangvolle Umrahmung. „Unsere 16 Berufsfischerfamilien haben im Jahr 2025 insgesamt rund 76.631 Kilogramm Fisch gefangen, das entspricht einem Gesamtertrag von 9,58 Kilogramm pro Hektar“, berichtete der Vorsitzende. Zum Vergleich: 2024 waren es noch 91.281 Kilogramm Fisch.
Mit 55.793,50 Kilogramm (rund 55,7 Tonnen) stelle die Renke „nach wie vor unseren wichtigsten Wirtschafts- und Brotfisch dar“, allerdings gebe es hier einen Rückgang um rund 16 Tonnen zu beklagen, so Kirchmeier. Damit setze sich der seit rund fünf Jahren beobachtete Abwärtstrend, mit Ausnahme von 2024, leider fort. 2026 lägen die Renkenfangerträge „sogar noch deutlich hinter denen von 2025.“ Selbst nach Anpassungen bei den Fangnetzen (geringere Maschenweite) sei die erhoffte Verbesserung ausgeblieben. Für einzelne Fischerfamilien könnte es „existenzbedrohende Ausmaße annehmen“, warnte Kirchmeier.
Zu den möglichen Gründen zählte er die sehr geringen Niederschläge im vergangenen Winter und Frühjahr und in diesem Sommer, wodurch deutlich weniger Nährstoffe über die Zuflüsse in den See gelangten. „Auch die Quagga-Muschel dürfte ihren Anteil an dieser Entwicklung haben, da sie dem Wasser große Mengen an Plankton und damit Nahrung entzieht“, so Kirchmeier. Zudem könnten schwächere Renkenbrut-Jahrgänge eine Rolle spielen. Die Versuchsfischerei habe zuletzt gezeigt, dass zwar kleinere Renken vorhanden seien, diese aber „für die reguläre Fischerei noch nicht fangfähig sind“.
Bei der Renkenlaichfischerei 2025 hat man nur 555 Liter Laich ins Bruthaus einbringen und etwa 35 Millionen „Brütlinge“ erzeugen können. Anspruch wäre es, jährlich rund 1.000 Liter Laich zu streifen, was in den vergangenen Jahren nie erreicht worden sei, so der Vorsitzende. Er verwies zudem auf „außergewöhnliche Sichttiefen“ von bis zu 16 Metern bis weit in den Frühsommer hinein und wertete dies als Zeichen für Nährstoffarmut. Nach seiner Überzeugung habe dies Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette und damit auch auf diverse andere Fischarten.
Erfreulicheres hatte Kirchmeier auch zu berichten. So konnte man im Vorjahr insgesamt 5.164 Kilogramm Hecht fangen. Zudem gewann man in diesem Frühjahr 64 Liter Hechtlaich und ließ diesen zum Erbrüten ins Bruthaus bringen. Laut Kirchmeier gewinne der Hecht wirtschaftlich zunehmend an Bedeutung.
Auf einem stabilen Niveau bewegt sich die Barsch- beziehungsweise „Schratzenfischerei“. Um den Berufsfischern die Möglichkeit zu geben, die geringeren Renken-Erträge zumindest teilweise auszugleichen, habe die Genossenschaft beschlossen, die Anzahl der Barschnetze je Fischerei von zwei auf vier Netze zu erhöhen, erinnerte Kirchmeier. Ihm zufolge hat man für 10.000 Euro Seeforellenbrut an den traditionellen Laichplätzen an der Tiroler Ache ausgesetzt. Das bezogene Eimaterial ist dem Fischereiverein Prien für dessen Brutboxprojekt zur Verfügung gestellt worden.
Erfreulich entwickele sich laut Kirchmeier der Brachsenbestand. Nach schwächeren Jahren habe sich dieser wieder gut erholt. Auch der Aalfang sei 2025 sehr zufriedenstellend verlaufen und dies scheine sich „heuer“ fortzusetzen. Ebenfalls positiv ist die Entwicklung beim Zander, dessen Bestand sich in den vergangenen Jahren stabilisiert hat. Für 65.780 Euro hat die Genossenschaft im vergangenen Jahr Besatzmaterial in Form von Glasaalen, Zandern, Maränen und Seeforellen eingekauft.
Die Bedrohung durch
die Quagga-Muschel
„Große Sorgen bereitet uns derzeit die Quagga-Muschel, die im vergangenen Jahr endgültig bei uns Berufsfischern angekommen ist“, so Kirchmeier. Vor allem die Trapp- und Bodennetze würden mittlerweile nahezu im gesamten See massiv von dem invasiven Eindringling besiedelt. Deren Reinigung sei äußerst arbeitsintensiv. Trotz allem gab sich Kirchmeier optimistisch, da der Chiemsee im Vergleich zu anderen von der Quagga-Muschel befallenen großen Seen eine relativ geringe Tiefe, einen schnellen Wasseraustausch und meist eine gute Nährstoffzufuhr für die Fische habe. Zudem würden Wasservögel die Muschel bereits als Nahrung nutzen. Auch Brachsen, Rotaugen und Schleien hätten sie als Nahrungsquelle entdeckt.
Um über die Ausbreitung der Muschel noch mehr zu erfahren, habe die Fischereigenossenschaft „erhebliche finanzielle Mittel für die wissenschaftliche Begleitung bereitgestellt“, so Kirchmeier. Ein großer Dank galt hier dem Landtag, der seinerseits 50.000 Euro zur Verfügung gestellt hatte.
„Die Intensität und Wucht, mit der sich die Quagga-Muschel ausbreitet, hat uns alle überrascht“, räumte der Leiter der Fischereifachberatung beim Bezirk Oberbayern, Dr. Bernhard Gum, ein und legte große Hoffnung auf das geplante professionelle Monitoring, durch das man hoffentlich wertvolle Erkenntnisse gewinne. „Die Muschel hätten wir nicht gebraucht, aber es hilft nichts, wir müssen jetzt das Beste daraus machen und uns entsprechend anpassen“, so Gum weiter.
Anpassen müsse man sich wohl oder übel auch an den Klimawandel, der auch zu höheren Wassertemperaturen führe und die Ökosysteme zusehends verändere. Die Quagga-Muschel, die auch in großen Tiefen bei einer Wassertemperatur von nur vier Grad gut leben könne, sei ihm zufolge aber keine Gewinnerin der Klimaerwärmung. Bei Wassertemperaturen über 27 Grad würde sie das Filtrieren des Wassers einstellen.
Monitoring-Projekt
als Gemeinschaftsaufgabe
Nicht nur der oberbayerische Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger sicherte den Fischern die Unterstützung der Politik zu, sondern auch Dr. Michael Modlmaier vom bayerischen Landwirtschaftsministerium, der das Referat Fischerei und Fischwirtschaft vertrat. Klar wurde dabei auch, dass das Monitoring-Projekt eine Gemeinschaftsaufgabe sein wird.
Der stellvertretende Rosenheimer Landrat Eduard Huber erinnerte an die erfolgreich angelaufene Info- und Aufklärungsarbeit, um eine Einschleppung der Quagga-Muschel in andere, noch unberührte Gewässer zu verhindern. Es gelte gerade die vielen Wassersportler noch mehr zu sensibilisieren. Probleme bereitet den Chiemseefischern laut Kirchmeier nach wie vor auch der Kormoran, während die Teichwirtschaften, die er als „unverzichtbare Partner“ bezeichnete, in erster Linie mit dem Fischotter zu kämpfen hätten. Zum Abschluss lobte der Vorsitzende die ehrenamtliche Arbeit der Fischereiaufseher und das Miteinander mit der Angelfischerei.