Einblicke in die Zukunft der Landwirtschaft

von Redaktion

Aktionstag zum „Energiehof“ – Wie Betriebe beim Strom unabhängig werden

Schechen – Großes Besucherinteresse hat der Aktionstag „Tag des Energiehofes“ in Mintsberg geweckt, den der Kreisverband Rosenheim des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) auf dem Betriebsgelände der neu errichteten Gülle-Kleinanlage von Felix Fischer veranstaltet hat. Der Aktionstag mit Vorträgen und einer Ausstellung war in eine bayernweite Informationsoffensive eingebunden und rückte die Verwendung selbst erzeugter Energie aus Biogasanlagen, Fotovoltaik oder Windkraft in den Vordergrund.

Christian Bürger, Referent für erneuerbare Energien im BBV, sprach in seinem Vortrag neben dem Schwerpunktthema Eigenenergienutzung auch über die Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen sowie eine Reihe weiterer Herausforderungen, die es auf dem derzeitigen Strommarkt zu bewältigen gelte. Besonderes Augenmerk legte er auf die Frage, was mit dem produzierten Strom von Anlagenbetreibern geschieht, deren Anlagen aus der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz herausfallen. Bürger zeigte dabei mehrere Lösungswege auf – vom Eigenverbrauch beim Einsatz elektrisch betriebener Arbeitsmaschinen bis hin zur vertraglich abgestützten Zusammenarbeit mit Stromversorgern.

Als konkretes Beispiel verwies Bürger auf das im Landkreis gemeinsam mit den Stadtwerken Rosenheim entwickelte Strom-Abnahmekonzept, an das sich landkreisweit mittlerweile über 40 Anlagenbetreiber angeschlossen haben. Bayernweit nutzen inzwischen 600 Betriebe diese in Rosenheim entwickelte Form der vertragsgebundenen Zusammenarbeit mit kommunalen Energieversorgern. Flexibilität sei gefragt, so Bürger, und die Entwicklung elektrisch betriebener Nutzfahrzeuge sowie intelligenter Steuerungssysteme für die Eigennutzung des produzierten Stromes biete dafür vielerlei kreative und nutzbringende Möglichkeiten.

In seiner abschließenden Betrachtung erinnerte Bürger an zahlreiche Kommunen, die ihre Stromversorgung in die Hände der Bürger gelegt hätten und damit auch für einen stabilen Strompreis sorgten. Die Besucher konnten auf dem Gelände neben einer stattlichen Palette von Neuentwicklungen elektrisch getriebener Nutzfahrzeuge auch Fachfirmen konsultieren, die intelligente Steuerungssysteme und Techniken zur Eigennutzung des produzierten Stromes anbieten – Lösungen, die in der Praxis bereits erfolgreich erprobt worden seien.

Für besonderes Aufsehen sorgte Werner Bauer, Elektroingenieur und Pionier bei der Entwicklung von E-Motoren für Pkw, mit seinem Vortrag über die Energiewende in China.

Blick auf Lösungen und
Erfahrungen in China

Bauer ist seit 2010 geschäftlich in ganz China unterwegs und hat dort auch drei Jahre gelebt. Sein spezielles Interesse galt der Stromversorgung des Landes, insbesondere in den weniger bevölkerten, aber landwirtschaftlich intensiver bewirtschafteten Landesteilen. Geweckt worden sei dieses Interesse durch die zufällige Begegnung mit dem Landwirt und Biogaspionier Christian Rinser, der auch Mitglied im Landesfachausschuss für erneuerbare Energien ist und unablässig nach Verbesserungen in Technik und Betriebsweise suche. In seinem Vortrag schilderte Bauer die in China vorgefundenen Strukturen hinsichtlich Größe und technischer Ausstattung und stellte sie, soweit möglich, in direkten Vergleich mit den hierzulande üblichen Betriebsweisen. Ein Vergleich über Stromverbrauch und -versorgung in China lasse sich, so Bauer, allenfalls mit der gesamten Europäischen Union (EU) anstellen – Deutschland sei dafür ein zu kleiner Maßstab. Im Gesamtkontext lasse sich festhalten, dass die Biogasanlagentechnik in Deutschland dank der Investitionsbereitschaft der Betreiber eine unglaublich aktive und innovative Entwicklung vollzogen habe. Da Strom aus Biogas auch als wichtige Grundlast einzuordnen sei, sollte ihr nach Bauers Einschätzung künftig mehr Beachtung zukommen.

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