Hitzesommer setzt den Seen in der Region zu

von Redaktion

Die anhaltende Trockenheit hat im Landkreis Rosenheim zu extrem niedrigen Wasserständen in den Badeseen geführt. Teils kursieren erschreckende Bilder. Besonders am Rinssee ist die Lage angespannt. An welchen Seen das Wasser „knapp“ ist – und ob das Baden beeinträchtigt ist.

Landkreis Rosenheim – Der Anblick ist erschreckend – zumindest für die, die zur Abkühlung gern in einen der Seen in der Region hüpfen. Eine endlose Weite mit braunem Schlamm, teilweise ausgetrocknet, an anderer Stelle mit tiefen Fußabdrücken versehen. Erst einige Meter hinter der Wiese am Ufer ist das Wasser zu sehen, seicht und schlammig. So mancher Steg an den Seen in der Region Rosenheim ist komplett trockengelegt.

Es sind Bilder, die derzeit häufig zu sehen sind – mal werden sie in Whatsapp-Gruppen verschickt, mal landen sie in den sozialen Medien. Sie zeigen: Das Wasser in den Seen scheint immer weniger zu werden. Jetzt machte ein Bild vom Rinssee bei Söchtenau die Runde.

„Teilweise liegen
tote Fische herum“

Der sinkende Wasserspiegel des Rinssees ist auch Söchtenaus Bürgermeister Bernhard Summerer bekannt. Neu sei das zurückgehende Wasser nicht, sagt er. Bereits seit Jahren beobachtet er die Situation. „So extrem wie heuer habe ich es aber noch nie erlebt“, erklärt er. Auf Nachfrage bei den Behörden hätte man ihm mitgeteilt, dass der Grundwasserspiegel vielerorts derzeit stark sinkt.

Aktuell spitzt sich die Lage am Rinssee aber zu. „Teilweise liegen tote Fische herum. Es ist schon erschreckend“, sagt der Söchtenauer Rathauschef.

Gespeist wird der Rinssee ausschließlich vom benachbarten Hochstätter See. „Den Zufluss vom Stucksdorfer Moos gibt es seit 50, 60 Jahren nicht mehr“, erklärt Summerer weiter. Er sowie seine Kollegen aus den Nachbargemeinden Prutting und Vogtareuth seien diesbezüglich auch im Austausch mit dem Wasserwirtschaftsamt.

Auch ein Biber könnte
Mitschuld tragen

Neben der anhaltenden Trockenheit sieht Vogtareuths Bürgermeister Alois Anetsberger den Grund für den niedrigen Wasserstand des Rinssees auch in einem weiteren Problem: Ein vermeintlicher Biberbau habe den Zulauf vom Hochstätter See zum Rinssee blockiert, sagt er auf Anfrage des OVB. „Den habe ich räumen lassen“, gibt er zu. Schließlich habe die Verstopfung den halben See trockengelegt, so Anetsberger. Damit stand ihm zufolge auch das Leben der vielen Hundert Fische im See auf dem Spiel. Wegen der Räumung sei ihm sogar eine Strafanzeige angedroht worden, berichtet er. Mittlerweile habe man sich mit dem Landratsamt ausgetauscht und die Zustimmung erhalten, „dass wir den Zulauf dauerhaft räumen dürfen“, so Anetsberger. Die Stelle werde nun jeden Mittwoch und Freitag kontrolliert und bei Bedarf freigeräumt. Ob tatsächlich ein Biber hinter der Blockade des Zulaufs steckt, sei aber weiterhin unklar. „Wir sind mit dem Boot reingefahren, haben aber keinen Biber gefunden“, sagt der Bürgermeister. In den kommenden Tagen soll eine Wärmebildkamera klären, ob sich an der Stelle ein Biber aufhält.

Für den niedrigen Wasserstand des Rinssees spielt laut Alois Anetsberger ein weiterer Faktor eine Rolle. In den 1970er-Jahren wurde während der Trockenlegung der umliegenden Moore die Fließrichtung des Nickelbachs umgekehrt. Heute fließt dieser in Richtung Söchtenauer Ache und weiter in den Inn. Damit fehlt dem Rinssee dieser Zufluss. Gemeinsam mit den zuständigen Behörden arbeitet die Gemeinde deshalb an einem Konzept, um den ursprünglichen Verlauf wiederherzustellen. „Das muss so schnell wie möglich rückgängig gemacht werden“, fordert der Bürgermeister.

Wasserstände in fast allen
Seen sehr niedrig

Allerdings ist die Lage am Rinssee kein Einzelfall. „Die Seewasserstände sind wegen des ausbleibenden Regens durchgängig niedrig beziehungsweise sehr niedrig“, sagt Dr. Tobias Hafner, Leiter des Rosenheimer Wasserwirtschaftsamts. Betroffen seien davon fast alle Seen. Sein Amt misst den Wasserspiegel aber nur an großen Seen in der Region. „An vielen kleineren Seen gibt es keine amtlichen, lückenlosen Wasserstandsmessungen mit Datenfernübertragung“, erklärt der Amtsleiter.

Fest steht aber: „Bereits das Jahr 2025 war in unserer Region mit einem Niederschlagsdefizit zwischen 300 und 500 Millimetern zu trocken“, sagt Hafner. Dieser Trend setze sich heuer fort. „Teils zeigen die Niederschlagsmessstellen, dass 2026 bisher das trockenste Jahr seit 1961 ist“, sagt Hafner. So langsam summieren sich diese Defizite auf und machen sich flächig an den Grundwasserständen, aber auch in den Gewässern bemerkbar. „Neue Niedrigwasser-Rekorde an den Pegeln gibt es aber nicht – noch nicht“, macht der Chef des Wasserwirtschaftsamts klar.

Ein Beispiel sei dafür der Simssee. Gemessen wird dort in Krottenmühl. Seit Anfang Juni ist der Wasserstand dort – mit der Ausnahme von einem Tag – unter 90 Zentimetern. Bedeutet: „sehr niedrig“. Seit einigen Tagen ist der Stand sogar unter die 80 Zentimeter gefallen – Tendenz fallend. Der niedrigste bekannte Wert liegt knapp unter 70 Zentimetern.

Auswirkungen auf
Flora und Fauna

Die niedrigen Wasserstände in den Seen im Landkreis Rosenheim machen sich auch beim Baden bemerkbar. „Dort, wo Uferbereiche flach sind, kann der Weg in den See recht weit sein und über raue Kiesflächen führen“, sagt Tobias Hafner. Grundsätzlich seien die Beeinträchtigungen an Seen mit steilen Ufern geringer. Mehr Probleme verursachen die geringen Pegel bei der Schifffahrt oder dem Bootsverleih.

Aber auch für die Gewässer selbst hätten die Niedrigstände Auswirkungen. Die niedrigen Wasserstände – in Verbindung mit der Gewässertemperatur – wirkten sich vielfältig auf Flora und Fauna aus, erklärt Hafner. „In der Natur gibt es bei sich ändernden Bedingungen immer Verlierer und Gewinner“, sagt er. So stünden Teile von Schilfbeständen an den Seen „sicher schon auf dem Trockenen“. Tiere, die im Schilf leben und vereinzelt noch brüten, seien für Beutegreifer so leichter erreichbar, Wasservögel und Fische fänden weniger Rückzugs- und Brutmöglichkeiten. „Andererseits bieten größere, trockengefallene Flächen und Flachwasserzonen Watvögeln ein Mehr an Nahrungsangebot“, sagt der Amtsleiter.

Bis sich die Seen wieder mehr mit Wasser füllen, könnte es noch ein wenig dauern. „Für eine nachhaltige, dauerhafte Entspannung müssen die Grundwasservorräte (Puffer) aufgefüllt werden. Hierfür braucht es lang anhaltenden Landregen“, erklärt Tobias Hafner. Grundsätzlich könnten aber auch lokale Starkniederschläge oder kleinere Regenereignisse kurzfristig für Entspannung und Pegelanstiege sorgen.

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