„Man sollte den Mut haben, eigene Wege zu gehen“

von Redaktion

Ein einziger Tag kann das Leben komplett verändern. Das hat die gebürtige Rosenheimerin Jelena Stojanovic (33) selbst erlebt, als sie vor einigen Jahren die Diagnose Krebs bekam. Heute blickt sie ganz anders auf ihr Leben – und verarbeitet ihren Leidensweg in einem eigenen Roman.

Der Debüt-Roman von Jelena Stojanovic soll Anfang August veröffentlicht werden.

Rosenheim/München – Erst 29 Jahre ist Jelena Stojanovic alt, als sie die Diagnose Krebs bekommt. Diese Erfahrung veränderte ihre Sicht auf das Leben komplett. „Plötzlich musste ich mich mit meiner eigenen Endlichkeit auseinandersetzen“, erinnert sich die gebürtige Rosenheimerin. Früher habe sie 100 Gründe gefunden, etwas nicht zu tun. „Heute frage ich mich nur: Bereue ich es später, es nicht versucht zu haben?“ Und genau deshalb fing sie an zu schreiben und erfüllt sich jetzt den Traum vom eigenen Roman.

Ärzte vermuten
zuerst eine Zyste

Der Wunsch, ein Buch zu schreiben, kam allerdings erst mit der Krebsdiagnose auf, wie Stojanovic im Gespräch mit dem OVB erzählt. „Ich habe aber schon immer viel gelesen und meine Wohnung ist auch voll mit Büchern“, betont die heute 33-Jährige.

Sie zog 2020 von Rosenheim nach München, zwei Jahre später kam dann der Schock: „Im Februar war ich plötzlich krank und an meiner linken Halsseite hat sich eine Kugel gebildet“, erzählt Stojanovic. Anfangs habe sie gedacht, das gehöre einfach zur Erkältung dazu. Doch auch als sie wieder gesund wurde, blieb das Gewebe.

Hinzu kam, dass sie von diesem Zeitpunkt an immer wieder krank geworden sei und jeden Infekt mitgenommen habe. „Mein Immunsystem war völlig heruntergefahren“, sagt die Rosenheimerin. Sie ging zu einem HNO-Arzt und berichtete von ihrem Problem. Einige Untersuchungen folgten. „Es wurde aber immer als Zyste abgetan.“

Erst als Stojanovic nochmals zum Arzt ging und klarstellte, dass etwas passieren muss, wurde das Gewebe operativ entfernt. Selbst dann sei immer noch nur von einer Zyste die Rede gewesen.

„Eine Woche später kam ich zum Fädenziehen zurück. Und dann kam die Schockdiagnose“, erinnert sich die junge Frau. Es stellte sich heraus, dass die Kugel keine Zyste, sondern eine Metastase war – Stojanovic hatte Krebs.

„Für mich war in diesem Moment echt mein Leben zu Ende“, sagt sie rückblickend. Die Autorin hat selbst eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin gemacht und war in vielen Bereichen des Gesundheitswesens tätig. Und deshalb wusste sie auch, was diese Diagnose für sie bedeutete: Wenn sich im Halsbereich eine Metastase bildet, könnte es noch mehr betroffene Stellen am Körper geben. Das habe die Diagnose für sie noch heftiger gemacht.

Auch ihren Mann Rick Deschler nahm die Diagnose mit. „In diesem Moment überwog auf alle Fälle die Angst“, sagt er gegenüber dem OVB. Die Angst vor einem möglichen Verlust. Klare Gedanken seien Fehlanzeige gewesen. Stattdessen habe er sich Tag für Tag damit beschäftigt, „wie ich das nur schaffen soll, wenn tatsächlich diese Krankheit den Verlauf herstellen sollte, wovor man sich einfach nur fürchtet.“

„Es waren
höllische Schmerzen“

Für Jelena Stojanovic folgten nach der Diagnose eine weitere Operation, eine Tumorkonferenz und Bestrahlung. „Von einer Chemotherapie wurde ich verschont, aber die Bestrahlung hatte es in sich“, erzählt die gebürtige Rosenheimerin. Da sie im Kopf-Hals-Bereich bestrahlt wurde, erlitt sie im Mundraum eine Art Verbrennung. Monatelang habe sie nicht normal essen und trinken können. „Das waren höllische Schmerzen.“

Katharina Dziura, eine befreundete Ärztin, war ebenfalls schockiert, als sie von der Diagnose erfuhr. Sie und Stojanovic hatten sich zuvor in einer Praxis in Rosenheim kennengelernt. „Mir war absolut klar, dass Jelena sich dem Krebs mutig entgegenstellen würde, aber die Art, wie sie es dann tat, hat mir höchsten Respekt abgerungen“, erzählt sie dem OVB. Voller Positivität und ohne Klagen habe sie „die knallharte Therapie“ durchgezogen und ihr Leben umgekrempelt.

Denn Jelena Stojanovic ließ sich vom Krebs nicht aufhalten. Kaum hatte sich ihr Körper erholt, startete die Wahl-Münchnerin wieder ins Berufsleben. Im vergangenen Oktober gründete sie sogar ihr eigenes Unternehmen, mit dem sie Senioren im Alltag begleitet. Außerdem entwickelte sie ein spezielles Erste-Hilfe-Konzept für Kinder und bildet diese in lebensrettenden Sofortmaßnahmen aus. „Es war mir schon immer wichtig, Menschen zu helfen“, betont die 33-Jährige.

Die Krebserkrankung habe ihr gezeigt, wie kostbar Zeit, Gesundheit und echte Beziehungen sind. Seitdem verschiebt Stojanovic ihre Träume nicht mehr auf irgendwann. Im vergangenen Sommer begann sie, ihren eigenen Roman zu schreiben. „Mein Kopf war voll mit Emotionen und das musste aufs Blatt gebracht werden“, sagt sie.

Erstes Buch ist ihrem
Ehemann gewidmet

In „Cheris – Zwei Tage & zwei Nächte“ geht es um die Protagonistin Lia. Sie verlässt Deutschland, den stressigen Alltag, die vielen negativen Menschen, und beginnt auf der fiktiven Insel Cheris noch einmal von vorn. „Es ist eine Geschichte über Liebe und die Frage, was im Leben eigentlich wirklich zählt“, erklärt Stojanovic.

Das Manuskript befindet sich gerade im Korrektorat. Wenn alles nach Plan läuft, soll der Roman um die Insel Cheris im August veröffentlicht werden.

Doch dabei will Jelena Stojanovic es längst nicht belassen. „Das Buch ist meinem Mann gewidmet und ich habe auch meinen beiden Kindern jeweils ein Buch versprochen“, erklärt die gebürtige Rosenheimerin. Für ihren Sohn entstehe deshalb demnächst ein Gaming-Roman und für ihre Tochter ein Kinderbuch.

Andere Sichtweise
auf das Leben

Ehemann Rick Deschler stand in den vergangenen Jahren stets an der Seite seiner Frau. „Mit dem jetzigen Abstand zur Diagnose überwiegt die Erleichterung und der Gedanke daran, dass man das Glück gehabt hat und der gefürchtete Verlauf nicht eingetreten ist“, erzählt er. Deschler ist sich aber sicher, dass jeder Mensch, der mit diesem Thema konfrontiert wird, seine Sichtweise auf das Leben verändert.

So wie bei Jelena Stojanovic. Sie will den Lesern ihres Buches deshalb eines noch unbedingt mitgeben: „Wir haben nur dieses eine Leben und deshalb sollte man sich mit positiven Menschen umgeben und den Mut haben, eigene Wege zu gehen.“

Stojanovic hält nicht viel davon, Träume zu verschieben. Denn schon ein einziger Tag könne das ganze Leben plötzlich verändern. So wie sie es am eigenen Leib erfahren hat – an dem Tag, an dem sie die Diagnose Krebs bekam.

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