Oberwössen – Es hatte sich bereits in den Morgenstunden beim bloßen Anblick des Lackenbergs angedeutet und bestätigte sich im Tagesverlauf: Die Einsatzkräfte haben den Waldbrand bei Oberwössen am gestrigen Freitag immer mehr unter Kontrolle gebracht und eine Ausbreitung verhindert. Während die Helikopter schon am Donnerstag pausenlos Löschwasser aus der Luft abwarfen, arbeiteten sich Bodentruppen der Feuerwehr durch den Wald in das betroffene Gelände, um zu Fuß dem Feuer den Kampf anzusagen. Doch sie waren dabei nie allein.
„Die Zusammenarbeit mit der Bergwacht und der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei läuft schon seit Einsatzbeginn“, bestätigt Hubert Hobmaier. „Die guten Erfahrungen damit haben wir schon beim Saurüsselkopf gesammelt.“ Was der Pressesprecher damit meint: Um Personal und Technik am Boden optimal einzusetzen, benötigen die Feuerwehrkräfte Seilversicherungen.
Es braucht
die Bergwacht
Denn die Erkenntnisse aus Ruhpolding waren eindeutig: Im flachen Gelände können die Feuerwehrtruppen die Flammen und Glutnester selbstständig löschen. Doch sobald es steiler wird, wenn Felskanten hinzukommen oder sogar Felswände mit Absturzgefahr, braucht es die Experten der Bergwacht und Polizei. Einerseits, um Tipps zu geben, und andererseits, um Seilversicherungen anzulegen. „In den ganz steilen Hängen muss eine Eins-zu-eins-Betreuung stattfinden, das heißt, auf einen Feuerwehrler kommt eine Einsatzkraft der Bergwacht oder Polizei“, wie Hobmaier erklärt. Das Problem: Es gibt nicht viele alpine Spezialisten mit diesen Fertigkeiten, um bei Bergwaldbränden den Feuerwehren helfen zu können.
„Bei der Fähigkeit, jemanden im alpinen Gelände unter Einsatzbedingungen abzuseilen, gibt es schon einen gewissen Mangel. In Ruhpolding haben wir gesehen, wie man bei der Brandbekämpfung den Suchradius am Boden ausdehnen muss. Um das abzudecken, braucht es Bergkräfte aus ganz Bayern und sogar darüber hinaus.“ Hier in Oberwössen waren in der Spitze bis zu 60 Helfer der Bergwacht vor Ort. Eine weitere Herausforderung: das Wasser auf den Berg hinaufzubekommen. Wie der Sprecher schildert, kommen dabei die kleinsten Schläuche zum Einsatz, die zur Verfügung stehen. Denn: Je größer der Schlauch, desto schwerer wird er, wenn noch Wasser hindurchfließt. „Unter diesen Bedingungen zählt jedes Kilo.“ Schließlich wiegt die normale Ausrüstung der Floriansjünger auch schon einiges, dazu die Fortbewegung durch das unwegsame Gelände: Die Brandbekämpfung im Bergwald ist alles andere als leicht. Übrigens: Das Löschwasser am Boden kommt – abgesehen von den Helikoptern aus der Luft – über Tanklöschfahrzeuge im Pendelverkehr auf den Lackenberg hinauf.
Dort werden Faltbehälter, die wie Swimmingpools aussehen, mit einem Fassungsvermögen von bis zu 1.500 Litern aufgestellt und befüllt. „Über Pumpen gelangt das Wasser dann ins Gelände“, so Hobmaier.
Einteilung in
mehrere Abschnitte
Hierbei wartet die nächste Herausforderung: Um zu verhindern, dass Bodentruppen vom herabstürzenden Wasser der Helikopter getroffen und mitunter verletzt werden, wird der Berg in mehrere Abschnitte eingeteilt. „Damit können die Maßnahmen getrennt voneinander stattfinden, sonst wäre die Gefahr für die Einsatzkräfte viel zu hoch.“ Nicht nur wegen der Verletzungen, sondern auch durch mögliches Abrutschen im steilen Gelände, wenn auf einmal das Wasser von oben kommt.
Zu einer anhaltenden Aufgabe in den nächsten Tagen könnten sich die Glutnester entwickeln: Zwar kommen Wärmebildkameras zum Einsatz, um diese aus der Luft zu lokalisieren. Doch wegen der hohen Temperaturen heizt sich das Gestein am Berg tagsüber so sehr auf, dass es kaum einen Unterschied zu kleineren Glutnestern darstellt – und das Gelände ist felsendurchsetzt.
Die Kameras helfen nur in den frühen Morgenstunden, wenn es am kältesten ist. „Vieles passiert tagsüber auf Sicht und beim Löschen setzen wir präventiv Wasser dort ein, wo vermutet wird, dass dort Glutnester sein könnten“, schließt Hobmaier ab.
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