Waldbrand-Serie hält Region in Atem

von Redaktion

Die Region brennt. Seit Tagen kämpfen Feuerwehr, Bergwacht und Polizei gegen mehrere Waldbrände in der Region. Besonders dramatisch war die Lage in Oberwössen, wo Einsatzkräfte im steilen Bergwald unter extremer Hitze an ihre Grenzen gingen. Doch auch in Marquartstein, Bernau, Raubling, Bad Reichenhall und Tirol mussten Feuer gelöscht werden.

Chiemgau – Der Bergwald im Bereich der Hochwand nahe der Lackenbergwand in Oberwössen hält die Feuerwehren seit vergangenem Mittwoch in Atem. Zeitweise waren bis zu 300 Einsatzkräfte vor Ort. Die Löschmaßnahmen wurden von sechs Hubschraubern der Bayerischen Polizei und aus Österreich sowie von Lastendrohnen der Bergwacht unterstützt.

Die sommerlichen Temperaturen von weit über 30 Grad Celsius und das steile Gelände verlangen den Einsatzkräften körperliche Höchstleistungen ab. „Die hohen Temperaturen und die körperlich sehr anstrengenden Arbeiten im Steilhang erforderten einen konsequenten Personalwechsel, damit unsere Einsatzkräfte sicher arbeiten konnten“, sagt der örtliche Einsatzleiter und Traunsteiner Kreisbrandrat Christof Grundner. Bereits am Freitag hatte sich die Lage entspannt. Grundner konnte eine erste Entwarnung geben: „Die Ausbreitung des Brandes ist gestoppt. Jetzt arbeiten wir die Glutnester Stück für Stück ab.“

Glutnester
bleiben gefährlich

Am Samstag wurde der Katastrophenfall dann aufgehoben und die Zahl der Einsatzkräfte reduziert. Am gestrigen Sonntag waren noch 50 Einsatzkräfte vor Ort. Besonders gefordert waren die Feuerwehren Oberwössen und Unterwössen. „Ich bin stolz auf unsere Feuerwehrfrauen und -männer sowie auf die Einsatzkräfte der Bergwacht und der Polizei“, sagte Korbinian Mühlberger, Kommandant der Feuerwehr Oberwössen. „Viele stehen heute bereits den fünften Tag in Folge unter körperlich und mental äußerst fordernden Bedingungen im Einsatz. Im steilen Gelände, bei großer Hitze und oft nur mit Handwerkzeugen leisten sie eine Arbeit, die kaum jemand von außen wahrnimmt, die aber entscheidend für den Einsatzerfolg ist. Jeder geöffnete und abgelöschte Glutstock bringt uns dem Einsatzziel ein Stück näher.“

Unterwössens Bürgermeister Johannes Weber betonte gestern: „Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass wir uns auf unsere Einsatzorganisationen jederzeit verlassen können.“ Gleichzeitig sei deutlich geworden, wie wichtig leistungsfähige örtliche Feuerwehren und die Bergwacht für eine Gemeinde im Alpenraum sind. „Dieses Ereignis hat uns allen vor Augen geführt, welchen unschätzbaren Wert ehrenamtliches Engagement für die Sicherheit unserer Bürger hat. Dafür bin ich außerordentlich dankbar“, so Weber.

Weiteres Feuer
am Schnappenberg

Seit vergangenem Freitagabend war der Kreisfeuerwehrverband Traunstein zusätzlich auch in Marquartstein gefordert. Am Schnappenberg brannten zwischen Schnappenkirche und Luchsfellwand etwa 20 Quadratmeter Bergwald. Im Einsatz waren etwa 50 Einsatzkräfte der Feuerwehren Staudach-Egerndach, Marquartstein und Grassau sowie Bergwacht und gemeindlicher Bauhof. Hubschrauber der Bayerischen Polizei unterstützten die Löscharbeiten mit mehreren Wasserabwürfen.

Im schwierigen Gelände mussten die Einsatzkräfte den Waldboden von Hand öffnen, um nachlöschen zu können. „Das Tückische an Bodenfeuern ist, dass sich die Hitze durch das tiefe Wurzelwerk weiter ausbreiten kann – oftmals unsichtbar für Wärmebildkameras und Einsatzkräfte. Wenn diese Hitze viele Stunden später wieder an die Oberfläche gelangt und Sauerstoff hinzukommt, können erneut Rauchentwicklungen oder ein Brandausbruch entstehen“, erläutert Kreisbrandrat Christof Grundner.

Auch am gestrigen Sonntag wurde die Brandwache am Schnappenberg fortgesetzt. „Aufgrund der schwierigen Geländeverhältnisse, möglicher Glutnester und der laufenden Kontrollmaßnahmen besteht weiterhin ein Betretungsverbot“, erklärte Hubert Hobmaier, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein. Nach derzeitigem Stand rechnen die Verantwortlichen damit, dass für die vollständige Beseitigung der letzten Glutnester in Oberwössen und Marquartstein noch einige Tage erforderlich sein werden. „Erst wenn keine versteckten Brandherde mehr vorhanden sind und eine Wiederentzündung ausgeschlossen werden kann, werden die Einsätze offiziell beendet“, so Hobmaier.

Auch in Raubling, Bernau und Ebersberg brannten die Wälder. In der Nicklheimer Filze konnte bereits am vergangenen Donnerstag ein Waldbrand an der Panger Straße schnell gelöscht werden. Durch die Flammen wurden nur wenige Quadratmeter beschädigt.

Blitzeinschlag löst Brand
am Hochstaufen aus

Im Landkreis Ebersberg gab es ebenfalls am Donnerstag Alarm für die Feuerwehr: Im südöstlichen Teil des Höhenkirchener Forsts (Gemeinde Egmating) kam es gegen 13.45 Uhr zu einem Waldbrand. Acht Feuerwehren aus den Landkreisen Ebersberg und München konnten die Flammen in einer Rodungsfläche und im Fichtenjungwald schnell unter Kontrolle bringen. Deutlich aufwendiger waren die Nachlöscharbeiten bei 36 Grad an den zahlreichen glimmenden Baumstümpfen und im Bodenbereich. Mögliche Brandursache war vermutlich ein Obdachlosenlager.

Die Bernauer Feuerwehr rückte am vergangenen Freitag zu einem Waldbrand im Ortsbereich von Bernau aus. Durch das schnelle Eingreifen konnten die Flammen zügig eingedämmt und gelöscht werden. Ein Blitzeinschlag löste darüber hinaus am Freitag einen Waldbrand am Hochstaufen bei Bad Reichenhall aus. Der Vegetationsbrand konnte erfolgreich eingedämmt werden. Am Samstag waren die Einsatzkräfte hier noch bis etwa 16 Uhr am Berg mit der Brandbekämpfung beschäftigt, ehe sie aufgrund des Gewitters ins Tal zurückkehren mussten. Gestern erfolgten weitere Kontrollen mit Wärmebildkameras, um mögliche Glutnester zu finden.

Bei Scheffau am Wilden Kaiser im Bezirk Kufstein war bereits am vergangenen Dienstag ein Waldbrand ausgebrochen. Rund 8.000 Quadratmeter Wald standen dort in Flammen. Mehr als 100 Feuerwehrleute kämpften mit Hubschrauberunterstützung in schwer zugänglichem Gelände gegen das Feuer an. Am Mittwoch war es gelöscht. Im Bereich des Zahmen Kaisers bei Ebbs kam es am Samstagabend auf einer Fläche von mehr als 100 Quadratmetern vermutlich durch einen Blitzschlag zu einem Waldbrand. Rund 70 Einsatzkräfte und ein Hubschrauber waren im Einsatz. Gestern war der Brand nahe der Teufelskanzel gelöscht.

Viele weitere Bilder von den Waldbränden in der Region finden Sie bei uns im Internet unter ovb-online.de.

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