Angst vor dem eigenen Mut

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

„Komm!“, sagt die Mutter und hält ihrer kleinen Tochter die Arme entgegen. Zögernd lässt das Mädchen den Stuhl los, an dem es sich eben noch festgehalten hat, und macht seine ersten eigenen Schritte im Leben. Was für ein bewegender Augenblick. Wie oft wird es noch den Mut finden müssen, Neuland zu betreten – und wie oft wird es dabei fallen?

An meine ersten Schritte erinnere ich mich nicht mehr. Aber an die erste Fahrt ohne Stützräder, als mein Vater plötzlich die Hände losließ. An die ersten Schwimmzüge ohne festen Boden unter den Füßen. An die erste Autofahrt ohne Fahrlehrer. An die erste Unterrichtsstunde vor einer Klasse und die erste Predigt. Es war alles zu seiner Zeit für mich jedes Mal wieder eine Herausforderung. Doch mit den ersten Schritten sind wir nie fertig.

Auch später fordert das Leben immer wieder Mut: eine Krankheit anzunehmen, mit dem Älterwerden Frieden zu schließen, nach einer Trennung neu anzufangen. Am Ende unseres Lebens einmal ganz loszulassen.

Im Evangelium des kommenden Sonntags sagt Jesus zu Petrus nur ein einziges Wort: „Komm!“ Petrus steigt tatsächlich aus dem Boot und wagt den Schritt über das Wasser. Es ist eine bildliche Erzählung, die mir deutlich macht, was grenzenloses Vertrauen vermag. Erst als der Zweifel die Oberhand gewinnt, beginnt Petrus zu sinken. Im gleichen Augenblick ergreift ihn aber eine Hand, die ihn hält und trägt. Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut heißt, trotz der Angst den ersten Schritt zu wagen – im Vertrauen, dass wir nicht allein sind.

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