Rosenheim/Bayrischzell – Die Lage ist angespannt. Die Feuerwehren sind im Dauereinsatz. Neben den Großeinsätzen am Lackenberg in Oberwössen und am Kranzbergkogel im Berchtesgadener Land flammen in der Region auch immer wieder kleine Brände auf – wie am gestrigen Mittwoch an der Rabenwand bei Bayrischzell.
Der Brandherd befindet sich in schwer zugänglichem Gebiet. Deshalb wurden gegen 10.30 Uhr die Flughelfer der Rosenheimer Landkreisfeuerwehren alarmiert. „Momentan sind zwei Hubschrauber in der Luft – einer mit Wärmebildkamera, einer im Löscheinsatz“, informiert Kreisbrandrat Richard Schrank gegen 14 Uhr. Der Brand werde auch vom Boden aus bekämpft. „Es ist bereits ein deutlicher Löscherfolg zu verzeichnen, der Brand ist aber noch nicht gelöscht.“
„Bei Bergwaldbränden in schwer zugänglichem Gebiet brauchen wir schnell und massiv Wasser“, erklärt Schrank. Deshalb werde die Waldbrandbekämpfung aus der Luft immer bedeutsamer. Die Feuerwehrflughelfer gibt es schon seit den 1970er-Jahren. „Über viele Jahre hat man von ihnen kaum etwas gehört, doch seit drei, vier Jahren haben sie mehrere extreme Einsätze pro Jahr“, informiert Richard Schrank. Die Sondereinheit „Flughelfer“ wird von Manfred Gierlinger, Martin Gruber und Johannes Huber geleitet. Ihr gehören 30 Spezialkräfte der Feuerwehren Babensham, Roßholzen, Degerndorf, Brannenburg, Großbrannenberg, Nußdorf, Grainbach und Törwang aus dem Landkreis Rosenheim sowie der Feuerwehr Waakirchen aus dem Landkreis Miesbach an. Sie haben an der staatlichen Feuerwehrschule Würzburg eine Spezialausbildung als „Flughelfer Technik“ gemacht, denn sich unter dem Abwind des Helikopters zu bewegen, will geübt sein und kostet enorme Kraft. Die Flughelfer wissen um das sichere Verhalten an Hubschraubern, das Arbeiten mit Außenlasten des Helikopters, die Kommunikation per Funk oder Handzeichen und den Umgang mit der Rettungswinde.
„Bayrischzell ist schon ihr vierter, kräftezehrender Einsatz in diesem Jahr“, sagt der Kreisbrandrat. Kaum war der Brand an der Lackenbergwand in Oberwössen gelöscht, brach aufgrund eines Blitzeinschlags das Feuer an der Rabenwand aus. Wieder mussten die Flughelfer einen Lande- und Lastaufnahmeplatz für die Helis vorbereiten. Sie bestücken die Helikopter, damit sie ihre Wasserfracht in unwegsamem Gelände abwerfen können.
Sobald der Helikopter den Landplatz anfliegt und seinen Löschbehälter – einen sogenannten Bambi-Bucket – absetzt, hieven die Kameraden zwei Schläuche in den riesigen Behälter. Mit gehörigem Druck schießt das Löschwasser in die Behälter, die zwischen 500 und 1.000 Liter fassen. In nur 30 Sekunden ist der Bambi-Bucket gefüllt. Der Heli kann wieder in Richtung Berg abdrehen, wo er die Schleusen des an einem langen Zugseil hängenden Löschbehälters öffnet. „Eine körperlich schwere Arbeit“, beschreibt der Kreisbrandrat. „Die Koordination der Hubschrauber, die extreme Hitze, der ständige Lärm und jederzeit hundertprozentige Konzentration.“