Rosenheim – Nur knapp sollen private Käufer einst am Zugriff auf den Badeplatz in Pietzing und den Seewirt in Ecking am Simssee gescheitert sein. 1965 erwarb der damalige Landrat Georg Knott beide Grundstücke, um den Bürgern dauerhaft den Zugang zum See zu sichern. Weil dieser Hintergrund heute kaum noch bekannt ist, hatte Landrat Otto Lederer die Mitglieder des Rosenheimer Kreistags zu einer Rundfahrt eingeladen. Wie das Landratsamt mitteilt, sollten sich die Kreisräte dabei einen Überblick über die Liegenschaften des Landkreises im östlichen und nördlichen Kreisgebiet verschaffen.
Vom Simssee führte die Fahrt weiter nach Prien. Erste Station dort war die Kampenwand-Schule, ein Sonderpädagogisches Förderzentrum mit steigenden Schülerzahlen. Gegenüber der Schule liegt das Logistik-Kompetenz-Zentrum (LKZ), an dem der Landkreis Rosenheim zu 50 Prozent beteiligt ist. An der Romed-Klinik in Prien entsteht derzeit ein neuer OP-Trakt.
Am Ludwig-Thoma-Gymnasium in Prien empfing Schulleiter Rainer Hoff die Kreistags-Delegation. Er nutzte den Besuch, um für das größte Wunschprojekt der Schulfamilie zu werben: In der Anfang der 1970er-Jahre erbauten Sporthalle seien die Spuren der Zeit inzwischen unübersehbar. Deshalb wünscht sich die Schule eine neue, doppelte Zweifach-Sporthalle, deren obere Halle größer ausfallen und zusätzlich mit Zuschauertribünen ausgestattet werden soll – ein Vorhaben, von dem laut Hoff auch die örtlichen Vereine profitieren könnten. Zudem sprach der Schulleiter die dringend notwendige Sanierung eines der Schulgebäude an. In den vergangenen acht Jahren hat der Landkreis Rosenheim bereits rund 15 Millionen Euro in das Ludwig-Thoma-Gymnasium investiert.
Nach kurzen Abstechern zu Schloss Hartmannsberg und zur Kompostieranlage in Alteiselfing erreichte die Delegation eine Halle der Firma Zosseder am Stadtrand von Wasserburg. Dort entstehen derzeit Werkstätten und Unterrichtsräume, in denen ab Anfang November, nach den Herbstferien, rund 200 Schüler des Beruflichen Schulzentrums Wasserburg unterrichtet und ausgebildet werden sollen. Die Interimswerkstätte wird voraussichtlich vier Jahre lang genutzt.
In dieser Zeit soll am Beruflichen Schulzentrum die teuerste Schulbaumaßnahme des Landkreises umgesetzt werden: Für rund 70 Millionen Euro entstehen Neubauten für die Fachoberschule und Berufsoberschule (FOS/BOS) sowie für die Werkstattgebäude der Berufsschule, die künftig auch baulich miteinander verbunden werden sollen. Beide Schulen waren 2024 bereits formal zu einem gemeinsamen Beruflichen Schulzentrum zusammengeführt worden. Schulleiter Gerhart Zimmermann erläuterte bei einem Rundgang mit zahlreichen Details die Notwendigkeit der Baumaßnahmen.
Im Kreisbauhof Wasserburg erfuhren die Kreisräte, dass das dortige Werkstattgebäude für die über die Jahre immer höher gewordenen Lkw inzwischen zu klein geworden ist. Nach einem weiteren kurzen Abstecher zum Romed-Neubau besichtigte die Delegation das alte Kreiskrankenhaus Wasserburg, das derzeit als Flüchtlingsunterkunft dient und später städtebaulich entwickelt werden soll. Allein die verfügbare Fläche von 73.000 Quadratmetern lasse ein spannendes Projekt erwarten, hieß es.
Ein weiteres großes Thema der Fahrt war der Straßenbau: Der Landkreis Rosenheim ist für 360 Kilometer Kreisstraßen, 120 Brückenbauwerke und 120 Kilometer landkreiseigene Radwege zuständig. Um das Radwegekonzept des Landkreises umzusetzen, wurden im vergangenen Jahr mit Unterstützung der Gemeinden über 5.000 Schilder entlang der insgesamt 1.450 Kilometer langen touristischen Radwege angebracht.
Im September soll eine weitere Fahrt des Kreistags in den westlichen und südlichen Landkreis führen.