Rettungsaktion für erschöpfte Mauersegler

von Redaktion

In Oed bei Altenmarkt sorgt ein engagiertes Mutter-Tochter-Gespann für das Wohl erschöpfter Zugvögel. Silvia Zeiser und Nadine Schuster bereiten derzeit zehn junge Mauersegler auf ihre weite Reise vor. Doch den beiden Frauen läuft allmählich die Zeit davon.

Zwei Mauersegler freuen sich auf den baldigen Abflug nach Afrika.

Altenmarkt – Während die Menschen noch unter Extremhitze leiden, stellt sich die Natur schon auf Herbst ein. Die ersten Herbstboten grüßen leise – die Felder kippen in Gold, die Wegwarte steht wie ein himmelblaues Ausrufezeichen am Wegesrand, und die Rauchschwalben sammeln sich auf Strom- und Telefonleitungen. Für unsere Zugvögel heißt es in diesen Tagen: noch einmal ordentlich Futter aufnehmen und Kraft für den weiten Weg in wärmere Gefilde sammeln. Die ersten Piepmätze, die den langen Flug antreten, sind die Mauersegler.

Silvia Zeiser (59) und ihre Tochter Nadine Schuster (37) aus Oed bei Altenmarkt haben derzeit zehn junge Mauersegler unter ihren Fittichen. Mit viel Liebe und großem Fachwissen versuchen sie, den Jungvögeln den Abflug nach Afrika zu ermöglichen. Die Zeit wird knapp, denn Mauersegler verlassen spätestens August unsere Region – und für die kleinen Pflegekinder muss bis dahin alles stimmen: Gewicht, Muskulatur, Federkleid, Flugkraft. Den Weg finden die jungen Segler dann allein – besser spät als nie.

Emsiges Treiben rund um die grauen Schönheiten

Bei Familie Zeiser herrscht also – trotz aktueller Bruthitze – emsiges Treiben: Durch die Küche und über den Flur geht es in die Mauersegler-Kinderstube. Dort hocken die kleinen grauen Schönheiten in Grüppchen aufgeteilt in weichen, von Menschenhand gefertigten Nestern – und blicken dem Mutter-Tochter-Gespann mit schwarzen Kopfaugen erwartungsvoll entgegen. Ein leises Piepsen scheint zu heißen: Hunger!

Und schon wandern die ersten Leckerbissen in die Schnäbel: Heimchen treten ihre letzte Reise in den Vogelmagen an – bei Zeisers lagern die Insekten in einer großen Packung in der Gefriertruhe. Die neugierige Vertreterin der Heimatzeitung wird ignoriert, aber zu einem Fotoshooting ist man dann nach der Fütterung doch bereit.

Gefahr durch den
heißen Sommer

Die Mauersegler waren untergewichtig, aber ansonsten unverletzt. Der ungewöhnlich heiße Sommer mit wenig Niederschlag macht es Klein- und Kleinstinsekten schwer, sich zu entwickeln – und genau sie sind die Hauptnahrung der Mauersegler. Wenn das Angebot an schwebenden Insekten einbricht, bedeutet das für die Jungvögel weniger Beute, längere Hungerphasen und eine langsamere Gewichtszunahme. Dadurch bildet sich die nötige Flugmuskulatur nicht vollständig aus – und so verzögert sich ihr Abflug nach Afrika. Schlimmstenfalls kommen sie gar nicht weg und sterben.

„Ein Mauersegler am Boden, der allein nicht mehr hochkommt, braucht Hilfe“, weiß Silvia Zeiser. Doch leider wird nicht immer das Richtige getan. Viele Menschen versuchen, den Vogel selbst aufzupäppeln – oft aus bester Absicht, aber ohne das nötige Fachwissen. Ideal ist es, sofort Kontakt zu einer Wildvogel-Auffangstation aufzunehmen, denn dort wissen Experten genau, was ein geschwächter Mauersegler braucht, um wieder in die Luft zu kommen.

Mit den zehn geretteten Seglern ist die Familie Zeiser am Limit – sie müssen, je nach Zustand und Alter, von halbstündlich bis alle paar Stunden gefüttert werden. Zudem brauchen sie einen B-Vitaminkomplex, der dem Futter beigemischt wird. Zwischendrin machen die Kleinen Flugübungen, chillen oder freuen sich an der Gesellschaft der Stiefgeschwister, oder es wird einfach geschlafen. Am Zustand des Gefieders erkennen die routinierten Mauerseglerretterinnen, wann der Moment gekommen ist, ihre Schützlinge in die Freiheit zu entlassen.

Ein emotionaler Abschied nach dem Aufpäppeln

„Das ist ein extrem emotionaler Moment“, betont Nadine. Nach oft wochenlangem Päppeln verlassen die jungen Mauersegler ihr Zweitnest. Dafür werden sie auf einer freien Stelle in den Händen nach oben gehalten. „Sie schauen dann immer erst mal, drehen den Kopf in alle Himmelsrichtungen – und dann geht es aufwärts in die Lüfte, auf Nimmerwiedersehen. So soll es sein“, erklärt die gelernte Arzthelferin lachend. Während die Pflegemamas alles Wichtige über die Art, die Lebensweise und die erfolgreichen Rettungsaktionen der vergangenen Jahre erzählen, träumen die zehn Mauersegler wohl schon von ihrer gemeinsamen Reise nach Afrika.

Damit auch künftig in Not geratene Mauerseglergenerationen kompetente Hilfe erfahren, machen die Tierfreundinnen zum Wohl dieser grauen Himmelstürmer noch einmal den Schnabel auf: Wer einen unterkühlten Mauersegler findet, sollte ihn auf eine handwarme Wärmeflasche in einen dunklen Karton setzen und sich anschließend im Internet vogelkundige Informationen einholen. Keine „Selbstversuche“, kein Füttern – und auf gar keinen Fall versuchen, dem Vogel Wasser einzuflößen. Mauersegler, die den Abflug verpasst haben, können von einem eigens organisierten „Taxi“ ein Stück weit ihrem Ziel entgegengebracht werden. Wertvolle Hinweise dazu, wie überhaupt zu allen Mauerseglerfragen, gibt es in einer spezialisierten Facebookgruppe.

Unterdessen regt sich einer der kleinen Schützlinge und probt lieber selbst den Abflug – und landet prompt auf dem Dutt von Silvia Zeiser. „Langsam, langsam“, mahnen die Seglermamas lachend und setzen den Kleinen vorsichtig zurück zu den anderen. Sein Tag wird kommen, und so weit ist es nun auch nicht nach Afrika. Oder doch? Der Mauersegler wird sehen.

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