Rosenheim – Die Abschlussfeier der Sommerprüfung an der Staatlichen Berufsschule 1 begann am Dienstag (29. Juli) mit einem ansprechenden ökumenischen Gottesdienst zum Thema „Hoffnung“ in der Kirche Sankt Michael, den das Religionslehrer-Team unter Leitung von Fachbetreuer Max Antholzner gestaltet hatte.
Im Anschluss daran fand die Abschlussfeier in der Aula der Staatlichen Berufsschule 1 statt. 290 Schüler aus 15 Ausbildungsberufen wurden verabschiedet. 52 davon hatten einen Notendurchschnitt zwischen 1,0 und 1,50 und wurden mit dem Staatspreis geehrt. Schulleiter Claus Schemm und der stellvertretende Landrat Matthias Eggerl überreichten die Urkunden an die Preisträger.
Dank an Betriebe und
Appell an den Übermut
Der stellvertretende Schulleiter Christian Melchner übernahm die Begrüßung der Absolventen sowie von deren Eltern, Freunden, Ausbildern und einer Vielzahl von Kooperationspartnern und Behördenvertretern, die am Festakt teilnahmen.
Matthias Eggerl sprach den jungen Fachkräften Respekt und Anerkennung dafür aus, dass sie ihre Ausbildung mit Erfolg abschließen konnten. „Denn eine Berufsausbildung zu meistern bedeutet weit mehr, als nur Fachwissen zu erwerben. Es bedeutet, sich persönlich weiterzuentwickeln, über sich hinauszuwachsen und auch in schwierigen Momenten nicht aufzugeben.“ Eggerl hob die starken Leistungen hervor. „Mit Ihrer qualifizierten Ausbildung haben Sie ein solides Fundament geschaffen, auf dem Sie weiter aufbauen können. Welchen Weg Sie einschlagen, welche Chancen Sie ergreifen – das liegt jetzt in Ihrer Hand.“
Seinen Dank richtete Eggerl an alle Wegbegleiter der Absolventen. Die Ausbildungsbetriebe investieren trotz wirtschaftlicher Herausforderungen in die Zukunft junger Menschen. „Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Region. Als Landkreis werden wir die duale Ausbildung weiterhin nach Kräften fördern und unsere Berufsschulen zukunftsfähig gestalten.“
Kreishandwerksmeister Rudi Schiller erinnerte die Absolventen daran, dass sie in einem freien Land leben, was nicht selbstverständlich ist. „Ausbildung ist ein Grundrecht, kein Privileg. Unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Abstammung, Religion, sozialem Stand: Ihr habt dieses Grundrecht genutzt und gezeigt, dass mit Einsatz, Ausdauer und Leistung ein Ziel erreicht werden kann.“ Im Namen der Handwerkerschaft in Rosenheim wünschte Schiller „das Quäntchen Glück zu euren weiteren Projekten“.
Andreas Bensegger, Vorsitzender des Regionalausschusses Rosenheim der Industrie- und Handelskammer (IHK), sagte in seiner Ansprache zu den Absolventen: „Übermut tut gut!“ Er meine damit nicht Leichtsinn, sondern den Mut, etwas zu wagen, die Neugier, Neues auszuprobieren und den Glauben an die eigenen Fähigkeiten – auch dann, wenn der Ausgang noch ungewiss ist. Es komme nicht nur auf Fleiß und Disziplin an, auch das Zutrauen, etwas zu versuchen, wenn nicht alles zu 100 Prozent abgesichert ist. „Heute dürfen Sie stolz auf sich sein. Feiern Sie Ihren Erfolg. Genießen Sie diesen besonderen Moment. Bleiben Sie neugierig. Übernehmen Sie Verantwortung und bewahren Sie sich eine gesunde Portion Übermut. Denn Leichtsinn tut selten gut – aber Übermut kann Großes möglich machen.“
Schülersprecherin Katharina Fischer aus dem Fachbereich Landwirtschaft gratulierte den Absolventen zur Gestaltung der Schulgemeinschaft. Die Sprecherin der Schülermitverantwortung (SMV) nahm Höhen und Tiefen, Herausforderungen, Prüfungen und Momente der Überlegung in den Fokus. „Schöne Erlebnisse, gemeinsame Erinnerungen, neue Freundschaften und viele Erfahrungen, die euch geprägt haben: all das hat euch zu den Menschen gemacht, die ihr heute seid.“
Schulleiter Claus Schemm nahm Bezug auf die Ausbildungsberufe der Absolventen: „Sie haben je nach Ausbildungsberuf gelernt, Möbel zu fertigen, Kunden kompetent zu beraten, Gäste zu verwöhnen oder Frisuren zu kreieren. Die Berufe, die Sie gelernt haben, könnten unterschiedlicher kaum sein – und doch verbindet Sie etwas Entscheidendes. Sie alle schaffen mit Ihren Händen, Ihrem Können und Ihrem Wissen einen echten Mehrwert für unsere Gesellschaft.“ Genau in dem Moment, als Schemm darauf hinwies, dass es ohne Bäcker morgens keine frischen Semmeln und ohne Landwirte keine regionalen Lebensmittel gibt und dass es ohne Elektriker dunkel bleibt, fiel in der voll besetzten Aula wie auch in Teilen Rosenheims für eine halbe Stunde der Strom aus.
Nach einer kurzen Unterbrechung sprach der Schulleiter einige Anekdoten an, wie sich Schülerjahrgänge bei ihren Lehrern in Erinnerung halten. Durch die miteinander verbrachte Zeit im Unterricht, in den Werkstätten, in den Fachräumen, bei Klassenfahrten und Betriebsbesichtigungen und vielleicht auch bei Auslandsaufenthalten mit Erasmus-plus seien aber auch Freundschaften entstanden, die hoffentlich weit über die Ausbildungszeit hinaus Bestand haben werden. Schemm schloss seine Rede mit den Sätzen: „Heute dürfen Sie stolz auf das Erreichte sein. Sie verlassen unsere Schule mit einem Berufsabschluss, aber Sie nehmen noch viel mehr mit: Erfahrungen, Erinnerungen, Freundschaften und das gute Gefühl, eine anspruchsvolle Herausforderung erfolgreich gemeistert zu haben.“
Anschließend erhielten zehn Absolventen aus den Händen von Projektleiterin Petra Ottensarndt und dem für die organisatorische Abwicklung zuständigen Andreas Heidenreich vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) Europapässe. Im Rahmen des Erasmus-plus-Projekts ging es für einige der Abschlussschüler aus dem Berufsfeld der Konditoren nach Schweden, wo sie in Jönköping in verschiedenen Betrieben ihr Können zeigen konnten. Eine Gruppe angehender Schreiner konnte in Rethymno auf Kreta ihre Fähigkeiten in griechischen Fachbetrieben unter Beweis stellen.
Europapässe und
ausgiebiger Ausklang
Höhepunkt war die individuelle Ehrung der 52 Staatspreisträger durch Schulleiter Claus Schemm und den stellvertretenden Landrat Matthias Eggerl. Die Abschlussfeier wurde von Lehrerin Laura Gutierrez Camacho mit Gitarrenbegleitung umrahmt, die Stücke wie „Cover me in Sunshine“ von Pink, „Dressed for Success“ von Roxette oder „Wake me Up“ von Avicii spielte. Den Abschluss bildete ein Stehempfang in der Mensa. Die Hauswirtschaftsklasse im Berufsgrundschuljahr, HW10, übernahm den Service des Buffets.