Rosenheim – Ein Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle sorgt für Beunruhigung: Dort wurde eine mit Sprengstoff beladene Drohne ganz in der Nähe eines ukrainischen Transportflugzeugs entdeckt. Spezialkräfte der Bundespolizei konnten den Zünder schließlich entschärfen. Es handle sich um ein „neues Bedrohungsszenario“, mahnte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Mittwochabend (5. August). „Man muss wissen, dass es diese Bedrohungslage gibt“, machte Dobrindt deutlich.
Innenminister Herrmann äußert sich in Rosenheim
Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigt sich im Gespräch mit dem OVB besorgt. Am Rande einer Rad-Veranstaltung in Rosenheim erklärte er exklusiv: „Letztlich ist die Feststellung in Leipzig eine Bestätigung der Befürchtungen, die wir schon seit einer Weile haben. Nämlich, dass solche Drohnenangriffe auch ausarten können.“ Dass nun tatsächlich Sprengstoff im Spiel war, habe man zwar befürchtet, dennoch bleibe es bitter: „Aber es ist schlimm, dass wir uns genau in diesen schrecklichen Erwartungen bestätigt sehen müssen“, so Herrmann.
Trotz des Vorfalls betont der Innenminister, dass die Menschen in Bayern beruhigt sein können: „Wir sind das sicherste aller Bundesländer, wenn wir die Gesamtkriminalität betrachten. Dennoch müsse man die Bereiche genauer betrachten, in denen sich die Sicherheitslage verschärfe. Die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit verschwimmen aus Herrmanns Sicht immer mehr. „Und es gibt eben gerade bei Drohnen oder bei möglichen Sprengstoffanschlägen auch immer mehr Gefahren, die aus außenpolitischen Entwicklungen entstehen.“
Wer hinter dem Flugobjekt in Leipzig steckt, ist zwar noch unklar, „aber generell sehen wir natürlich, dass beispielsweise Russland, aber auch iranische Agenten, immer wieder versuchen, aktiv zu werden“, ordnet Herrmann die Lage ein. Solche Gefahren richteten sich nicht nur gegen militärische, sondern auch gegen industrielle Einrichtungen im Land.
Um genau solchen Gefahren vorzubeugen, habe der Freistaat an den Flughäfen München, Nürnberg und Memmingen in den vergangenen zwei Jahren aufgerüstet. Dort wurden spezielle Einheiten stationiert, die Drohnen frühzeitig erkennen und sie – etwa mit Abfangnetzen oder durch gezielte Abschüsse – unschädlich machen können. Urlauber müssten sich deshalb keine Sorgen um ihre Flugreise machen. Bayern biete ein hohes Maß an Sicherheit im Luftverkehr. Klar sei aber auch: „Wir müssen überall wachsam sein.“
Den Ernst der Lage unterstreicht auch Daniel Artmann (CSU), Rosenheimer Landtagsabgeordneter und Haushälter für das Innenministerium: „Der mutmaßliche Drohnenanschlag in Leipzig zeigt eine neue Gefahrenqualität – wir haben es hier mit einem professionellen, hybriden Bedrohungsszenario zu tun, das wir alle sehr ernst nehmen müssen“, erklärt Artmann gegenüber dem OVB.
Bayern sei mit dem Drohnenabwehrzentrum in Erding und gezielten Investitionen in Detektionstechnik früh den richtigen Weg gegangen. „Aber wir werden uns darauf nicht ausruhen, sondern unsere Fähigkeiten konsequent weiter ausbauen. Die Ermittlungen müssen jetzt mit Hochdruck laufen.“
Das Drohnenabwehrzentrum ist nach Informationen von Innenminister Herrmann im Prinzip bereits eingerichtet. Nun gelte es, weiteres Personal aufzubauen und modernste Technik zu beschaffen. „In der internationalen Drohnenszene gibt es zahlreiche Innovationen und ständig neue Entwicklungen. Da muss man auf der Höhe der Zeit sein“, betont der Innenminister – und verweist dabei auch auf die Erkenntnisse aus dem Krieg in der Ukraine.