Rohrdorf/Frasdorf – Wenn sich auf der A8 und der A93 der Verkehr staut, werden die umliegenden Gemeinden schnell zur Ausweichroute. Um die Belastung für Anwohner und Ortsdurchfahrten zu begrenzen, hat das Polizeipräsidium Oberbayern Süd am Wochenende gemeinsam mit Kräften der Bereitschaftspolizei die Einhaltung der Abfahrtsverbote kontrolliert. Einsatzschwerpunkte waren die Anschlussstellen Rohrdorf und Frasdorf.
Ferienende in
einigen Bundesländern
Mit dem Ferienende in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie der zweiten Reisewelle aus Bayern und Baden-Württemberg war mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen gerechnet worden. Entsprechend hatten sich die Einsatzkräfte auf mögliche Staulagen vorbereitet.
Für die zusätzlichen Polizeikräfte hatte sich Landtagsabgeordneter Daniel Artmann eingesetzt. Bei einem persönlichen Gespräch am vergangenen Donnerstag bat er Innenminister Joachim Herrmann um schnelle und unbürokratische Unterstützung für die Schwerpunktkontrollen. „Ich bin dem Innenminister außerordentlich dankbar, dass er so kurzfristig Unterstützung durch zusätzliche Polizeikräfte sichergestellt hat“, erklärte Artmann.
Doch die erwartete Verkehrslage blieb diesmal aus. Während die Beamten an den Kontrollstellen auf ihren Einsatz warteten, rollte der Verkehr auf beiden Spuren der A8 weitgehend störungsfrei. Ein Szenario, das zeigt, vor welcher Herausforderung die Polizei bei den Abfahrtsverboten steht: Staulagen lassen sich nur schwer vorhersehen und noch weniger planen.
Wie Polizeisprecher Stefan Sonntag gegenüber dem OVB erläuterte, kann die Polizei die Abfahrtsverbote aufgrund der geltenden rechtlichen Regelungen nur von Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen kontrollieren – und auch nur dann, wenn tatsächlich ein Stau vorliegt. Wer die Autobahn trotz Abfahrtsverbot verlassen möchte, benötigt einen triftigen Grund. Dazu zählen beispielsweise eine nachweisbare Hotelreservierung oder eine medizinische Notwendigkeit.
Bei den Kontrollen setzen die Beamten auf Augenmaß. Mit ruhigen Gesprächen und dem notwendigen Fingerspitzengefühl konnten bislang größere Auseinandersetzungen mit uneinsichtigen Autofahrern vermieden werden.
Wie wirkungsvoll die Maßnahme sein kann, zeigen die Zahlen seit Einführung der Abfahrtsverbote: Seit dem 14. August 2025 kontrollierte die Polizei insgesamt 7.287 Fahrzeuge. 4.734 davon wurden wieder auf die Autobahn zurückgeschickt. Damit konnte eine erhebliche Zahl von Fahrzeugen davon abgehalten werden, bei Stau über die umliegenden Ortschaften auszuweichen und dort zusätzliche Verkehrsbelastungen für Anwohner zu verursachen. Allerdings können die Kontrollen immer nur kurzfristig und angepasst an die jeweilige Verkehrslage durchgeführt werden. Genau darin sehen Artmann und Landrat Otto Lederer, die sich am Kontrollpunkt in Frasdorf ebenfalls ein Bild von der Situation machten, weiteren Handlungsbedarf.
Nach rund einem Jahr Erfahrung mit den geltenden Abfahrtsverboten ziehen beide grundsätzlich eine positive Bilanz. Gleichzeitig stoße das derzeitige System an Grenzen. Die Polizei könne verständlicherweise nur im Rahmen der vorhandenen Personalkapazitäten kontrollieren. Komme es kurzfristig zu einem Stau, müsse dennoch schnell reagiert werden. Mittelfristig soll deshalb geprüft werden, ob die rechtlichen Voraussetzungen für den Einsatz sogenannter Verwaltungshelfer geschaffen werden können. Als Vorbild dient Österreich. Dort können zivile Mitarbeiter von Landkreisen oder kommunalen Ebenen entsprechende Aufgaben übernehmen.
Aus Sicht von Artmann und Lederer könnte damit schneller und flexibler auf akute Staulagen reagiert werden. Die Polizei würde entlastet, während gleichzeitig die Anwohner entlang der A8 und der A93 besser vor zusätzlichem Ausweichverkehr geschützt werden könnten.
Bürgerinitiativen
fordern Ausweitung
Auch Maximilian Keil von der Frasdorfer Bürgerinitiative „Staufreies Dorf“ zeigte sich mit der Zusammenarbeit mit Landrat Otto Lederer und Landtagsabgeordnetem Daniel Artmann sehr zufrieden. Gleichzeitig sieht Keil weiteren dringenden Handlungsbedarf. Aus seiner Sicht müssten die Abfahrtsverbote auf die gesamte Woche ausgeweitet werden. Gerade die vergangenen Tage mit den zahlreichen Baustellen hätten gezeigt, wie schnell die angrenzenden Dörfer bei Behinderungen auf der A8 unter dem zusätzlichen Durchgangsverkehr zu leiden hätten. Die Erfahrungen machten deutlich, wie wichtig es sei, die Anwohner auch außerhalb der derzeit geltenden Kontrollzeiten wirksam vor dem Ausweichverkehr zu schützen.
Der ruhige Verkehr auf der A8 an diesem Wochenende war für die Einsatzkräfte zwar eine willkommene Entlastung. An der grundsätzlichen Herausforderung änderte er jedoch wenig: Wenn der nächste Stau kommt, muss möglichst schnell entschieden und gehandelt werden können.