Rosenheim/Traunstein/ Mühldorf – 600 in Rosenheim, 550 in Traunstein und 250 in Mühldorf. So viele Lehrstellen der Betriebe aus der Industrie- und Handelskammer (IHK) sind kurz vor dem offiziellen Start am 1. September noch unbesetzt. Macht gesamt rund 1.400 unbesetzte Stellen in der Region. Dementsprechend läuft die Bewerbungsphase in vielen Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung auch im August auf Hochtouren.
Zahlreiche Betriebe freuen sich laut der IHK nach wie vor auf Bewerber – auch Kurzentschlossene. „Sich zu bewerben, lohnt sich auch jetzt noch! Wer bislang nicht den passenden Ausbildungsplatz gefunden hat oder noch unentschlossen ist, sollte die Chance nutzen und unbedingt am Ball bleiben“, appelliert Nikolaus Binder, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Traunstein. Dort bilden aktuell rund 340 IHK-Betriebe aus. Viele Unternehmen seien dabei beim Ausbildungsbeginn flexibel und ermöglichten auch über den 1. September hinaus einen Einstieg in die Ausbildung.
Herbert Prost, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Mühldorf, hebt die Wichtigkeit einer soliden Ausbildung hervor. „Die Azubis lernen von Beginn an im realen Arbeitsalltag und können ihr erworbenes Wissen direkt anwenden. Dadurch erhalten sie genau die Kompetenzen, die Unternehmen heute und in Zukunft benötigen. Das gilt besonders auch für den Umgang mit digitalen Technologien und zunehmend auch künstlicher Intelligenz“, betont er. Für junge Menschen bedeute dies einen frühen Einblick in moderne Arbeitswelten und konkrete Anforderungen der Betriebe. In Mühldorf sind es rund 230 IHK-Betriebe mit mindestens einem Ausbildungsplatz.
Die Karrierechancen nach einer Ausbildung sind nach IHK-Angaben ausgezeichnet. Viele Unternehmen bilden ihren Fachkräftenachwuchs gezielt für den eigenen Bedarf aus und übernehmen ihre Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss. „Die Übernahmequoten nach einer Ausbildung sind sehr gut. Für junge Menschen bedeutet das einen schnellen Einstieg in ein sicheres Beschäftigungsverhältnis mit Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten im Unternehmen“, fasst Andreas Bensegger, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Rosenheim, zusammen. In Rosenheim sind aktuell 650 Betriebe auf der Suche nach Auszubildenden.
Eine Ausbildung biete damit beste Zukunftsaussichten. „Wer heute eine Ausbildung beginnt, investiert in eine sichere und erfolgreiche Zukunft“, so das Fazit der IHK-Vertreter. Insgesamt gibt es laut der aktuellen Statistik 8.619 Ausbildungsverhältnisse bei der IHK in ganz Oberbayern inklusive München. Das sind rund 5,7 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Bei der Handwerkskammer sind es 5.418 Plätze und damit 2,8 Prozent mehr als noch 2025.
„Das hohe Niveau aus den Vorjahren konnte bereits 2025 nicht gehalten werden und auch 2026 macht sich die Struktur- und Konjunkturkrise in der Industrie bemerkbar“, bilanziert bayme vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Immerhin in Bayern sei die Lage noch ein gutes Stück besser als im deutschlandweiten Vergleich. „So stehen bei uns im Freistaat jedem Bewerber branchenübergreifend etwa 1,4 gemeldete Ausbildungsplätze zur Verfügung, auf Bundesebene sind es nur 1,05 Ausbildungsplätze“, sagt Brossardt. Die Prognosen für 2027 seien zudem verhältnismäßig optimistisch. „Die Betriebe rechnen mit einer Stabilisierung der Ausbildungsverhältnisse“, meint Brossardt mit Blick auf die aktuelle Umfrage bei den bayerischen Unternehmern.