Neue Ideen für geplagte Anrainer

von Redaktion

Um die Gemeinden entlang der Autobahnen A8 und A93 vor Stau-Ausweichlern zu schützen, hat die Polizei am Samstag, 8. August, groß angelegte Kontrollen durchgeführt. Insgesamt 70 Beamte überprüften dabei 157 Autofahrer. Politiker fordern nun den Einsatz von Verwaltungshelfern, um die Kontrollen künftig zu erleichtern.

Rosenheim – Zu beneiden waren sie nicht. Temperaturen von um die 30 Grad, abgestellt mitten auf einem asphaltierten Parkplatz, direkt neben der Autobahn, in dunklen Ganzkörperanzügen in sich immer weiter aufheizenden Fahrzeugen – und über Stunden kaum etwas zu tun. Ihren Arbeitstag haben sich die Bereitschaftspolizisten aus München am Samstag (8. August) wohl ein wenig anders vorgestellt. Eigentlich waren sie an dem Tag zur Unterstützung der Polizeidienststellen für die groß angelegte Kontrolle des Abfahrtsverbotes bei Stau auf der A8 und A93 eingeteilt. Gebraucht wurden sie wenig bis gar nicht.

Klares Zeichen an die
Autobahn-Reisenden

Bis auf kleine Ausnahmen lief der Verkehr flüssig – und die Polizisten saßen an der Autobahnausfahrt in Frasdorf stundenlang in ihren Bussen und warteten, dass sich doch noch ein Stau bildet. Dankbar, dass die Beamten trotz des vollen Terminkalenders – Eröffnung Gäubodenfest in Straubing, Nachwehen der Waldbrände und andere Großveranstaltungen – nach Rosenheim gekommen sind, war man aber trotzdem. „Ich möchte mich bei den Kollegen der Bereitschaftspolizei und des Einsatzzuges Rosenheim bedanken, dass sie ihren Wochenendtag für uns zur Verfügung stellen“, sagte Landtagsabgeordneter Daniel Artmann.

Er hatte sich bei Bayerns Innenminister Joachim Herrmann dafür eingesetzt, dass die spontane Hilfe aus München kommt. Schließlich habe man am Samstag (8. August) mit dem Ferienende von drei Bundesländern und dem Rückreiseverkehr aus Kroatien und Italien mit Stau rechnen müssen. „Deswegen war es wichtig, dass die Polizei präsent ist, um ein klares Zeichen auch an die Autofahrer zu senden, dass hier strikt kontrolliert wird“, betonte Artmann, der sich selbst ein Bild von der Kontrolle machte.

Ohne die Verstärkung seien solch groß angelegte Kontrollen auch gar nicht möglich, sagte Stefan Sonntag, Pressesprecher vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Es gebe entlang der A8 und A93 unzählige Ausfahrten zu kontrollieren, nicht nur im Landkreis Rosenheim, sondern bis ins Berchtesgadener Land oder rauf in den Landkreis Miesbach. „Wir müssten alle diese Ausfahrten rund um die Uhr mit Personal besetzen, das macht keinen Sinn und das könnten wir auch nicht stemmen“, machte er klar.

Einige Ausreden und
auch berechtigte Gründe

Für die Kontrollen am Samstag, 8. August, waren insgesamt 70 Polizisten im Einsatz. Sie kontrollierten 157 Autofahrer, schickten 132 wieder zurück auf die Autobahn. Denn während es im Landkreis Rosenheim ruhig war, staute es sich kurzzeitig an der Anschlussstelle Anger. 77 Autofahrer mussten dort wegen der Kontrolle wieder zurück in den Stau, zwischen Weyarn und Otterfing erwischte die Polizei 55 Fahrer beim unberechtigten Abfahren – 80 wurden kontrolliert.

Die Autofahrer hätten dabei auch immer wieder Gründe parat, um von der Autobahn runterfahren zu dürfen. Ausreden hätten die Polizisten auch schon unzählige gehört. Allerdings sei das gar nicht das Problem. „Wenn wir Autofahrer anhalten und nach dem Grund fragen, dann ist es tatsächlich nicht so, dass uns da jeder eine wilde Geschichte erzählt, sondern wir schon bei den allermeisten auf Verständnis treffen“, sagte Sonntag. Jeder, der ein „berechtigtes Interesse“ hat, den muss die Polizei durchfahren lassen. Dafür reiche die Suche nach einem Restaurant oder einer Toilette, erklärte Stefan Sonntag.

Ein weiteres Problem für die Polizei: „Die Krux ist, dass wir die Einsatzkräfte zu einem Zeitpunkt X, den niemand vorsehen kann, eigentlich schon an einer bestimmten Ausfahrt bräuchten“, sagte Daniel Artmann. Eben dort, wo sich der Stau bildet. Denn bis die Beamten vor Ort sind, habe sich der Stau nicht selten wieder aufgelöst. Mit den Polizisten vor Ort nicht machbar, stellte Landrat Otto Lederer am Frasdorfer Pendlerparkplatz klar. Dass nicht jedes Wochenende die Bereitschaftspolizei anrücken könne, sei ihm und Artmann aber auch bewusst. Vielmehr haben die beiden Politiker eine andere Lösung im Kopf: „Wir sollten den Blick nach Tirol wagen, da können zivile Personen die Durchfahrtsverbote kontrollieren, die sogenannten Verwaltungshelfer“, sagte Lederer. Die seien entweder beim Landratsamt oder „noch besser“ bei den Kommunen angesiedelt – und an Stauwochenenden in Bereitschaft. „Wir kennen das von der Sicherheitswacht, die im Falle eines Staus, schnell alarmiert wird und sozusagen hier die Aufgaben der Polizei übernehmen kann, um die Autofahrer darauf hinzuweisen, wieder zurück auf die Autobahn zu fahren“, erklärte Daniel Artmann das Prinzip.

Neue Verkehrsschilder
sind bislang keine Option

Die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, bräuchte aber seine Zeit. Ähnlich schwierig gestaltet sich eine andere Lösung – das Aufstellen größerer, deutlicherer Verkehrsschilder, die auf das Abfahrtsverbot hinweisen. Der Landkreis könne nur nach den Ausfahrten Schilder aufstellen, auf der Autobahn sei die Autobahn GmbH zuständig. „Ich habe schon nachgefragt, ob man da nicht größere Schilder hernehmen könnte, oder auch digitale Schilder, ob man das Ganze nicht auch mehrsprachig machen könnte, weil viele Urlauber der deutschen Sprache nicht mächtig sind“, sagte Lederer.

Trotz diverser Schreiben sei er aber „leider bisher auf kein großes Gehör“ gestoßen. Der Landrat versicherte aber, da „weiterhin am Ball zu bleiben“, damit die Schilder schon auf der Autobahn entsprechend aussagekräftig und eindeutig sind. Mittelfristig seien jetzt aber die Verwaltungshelfer das erklärte Ziel. „Das wäre ein guter Weg“, ist Lederer überzeugt.

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