Vorfreude auf ein ganz besonderes Himmels-Spektakel

von Redaktion

Interview Professor Dr. Elmar Junker, Leiter der Sternwarte der TH Rosenheim, über die heutige partielle Sonnenfinsternis

Rosenheim – Für rund eineinhalb bis zwei Minuten wird es am heutigen Mittwochabend etwas dunkler als sonst. Am frühen Abend wird die Sonne zu rund 90 Prozent verdeckt – die größte Teilsonnenfinsternis bis 2081. Wo die besten Orte sind, um das Spektakel zu beobachten, und worauf man unbedingt achten muss, verrät Professor Dr. Elmar Junker, Leiter der Sternwarte der TH Rosenheim, im OVB-Gespräch.

Heute gibt es eine Teilsonnenfinsternis. Was ist denn der Unterschied zwischen einer totalen und einer Teilsonnenfinsternis?

Eine Sonnenfinsternis ist eine Situation, in der Sonne, Mond und Erde gewissermaßen in einer Reihe stehen. Im Extremfall kann es sein, dass sie exakt in einer Reihe stehen und der Abstand des Mondes zur Erde so ist, dass der Mond die Sonne vollständig verdeckt. Das wird heute passieren, zum Beispiel in Island und in Spanien. Da wird der Mond so platziert sein, dass er die Sonne hundertprozentig abdeckt. Das nennt man eine totale Sonnenfinsternis. Das gibt es im Mittel nur weniger als einmal im Jahr irgendwo auf der Erde, weil die Positionen der drei Himmelskörper genau stimmen müssen.

Und eine Teilsonnenfinsternis?

Bei einer Sonnenfinsternis gibt es auch Orte auf der Erde, wo der Mond nicht exakt die gesamte Sonne abdeckt, sondern ein Stück tiefer oder höher steht und dann zum Beispiel nur die Hälfte oder zwei Drittel der Sonne abdeckt. Das nennt man eine teilweise Sonnenfinsternis. Und auf Neudeutsch heißt das partielle Sonnenfinsternis. Das kommt an einem Ort im Durchschnitt etwas alle zwei Jahre vor.

Können Sie diese besondere Konstellation noch für Nicht-Astrophysiker erklären?

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen großen Teller. Und in den Teller legen Sie in die Mitte eine große Murmel. Das ist die Sonne. Und jetzt läuft auf der Außenkante des Tellers eine kleine Murmel um die Sonne, das ist die Erde. Das heißt, die Erde läuft in dieser Tellerebene um die Sonne.

Und stellen Sie sich jetzt noch eine kleinere Murmel vor, die um die Erde rollt. Wenn diese Minimurmel, der Mond, auch in der Tellerebene wäre, dann gäbe es jeden Monat eine Sonnenfinsternis. Das ist aber nicht so.

Warum?

Die Mondumlaufbahn um die Erde liegt nicht in der gleichen Ebene wie die Umlaufbahn der Erde um die Sonne, sondern sie ist um fünf Grad geneigt. Meist, wenn Neumond ist, dann steht der Mond etwas oberhalb oder unterhalb der Sonne. Er verdeckt sie gerade so nicht. Das ist das Normale. Dass alle drei Himmelskörper in einer Linie stehen, das ist ein Zufall, das kommt nur vereinzelt vor.

Kann man das voraussagen?

Ja, das kann man. Heutzutage sogar auf die Minute. Die Babylonier und die Griechen konnten schon vorhersagen, ob es eine Sonnenfinsternis geben würde, aber nicht wo, und der Bedeckungsgrad war ungenau. Also eine Sonnenfinsternis vorhersagen macht man schon seit ein paar tausend Jahren, wobei das Vorhersagen einer Mondfinsternis einfacher ist.

Das heißt, es gibt jetzt Orte, an denen eine totale Sonnenfinsternis zu sehen ist. Und an anderen eine Teilsonnenfinsternis. Gibt es auch Orte, wo die Sonnenfinsternis gar nicht auftritt?

Ja klar. Das ist der größte Teil der Erde. Diese Sonnenfinsternis ist im Wesentlichen nur von Europa aus sichtbar. In den USA wird sie gar nicht zu sehen sein. Zu dem Zeitpunkt gibt es da überhaupt keine Sonne über dem Horizont. Sie kann gar nicht abgedeckt werden.

Wie groß sind denn jeweils die Bereiche, in denen man eine totale oder eine Teilsonnenfinsternis sehen kann?

Der Streifen mit der totalen Sonnenfinsternis ist typischerweise 100 bis 250 Kilometer breit, vielleicht auch mal 300 Kilometer und dann ein paar tausend Kilometer lang. Das ist immer nur ein kleiner Bereich. Und der Bereich, wo sie teilweise zu sehen ist, der ist deutlich größer.

Wann war die letzte totale Sonnenfinsternis in Deutschland?

Am 11. August 1999. Die haben auch sehr viele Leute im Rosenheimer Bereich gesehen. Leider ist in dem Moment der Totalität eine Wolke gekommen, aber es war für viele trotzdem ein sehr tolles Erlebnis. Die nächste in Deutschland ist 2081.

Kommt eine Teilsonnenfinsternis öfter vor als eine totale?

Ja, und auch die nächste Teilfinsternis steht schon fest. Die ist am 2. August nächsten Jahres. Das ist selten, dass im Folgejahr gleich wieder eine ist. An einem Standort gibt es in der Regel alle paar Jahre eine Sonnenfinsternis. Nächstes Jahr haben wir ungefähr eine Abdeckung der Sonne von 50 Prozent in Rosenheim. Das mit den 90 Prozent in diesem Jahr ist der höchste Prozentsatz bis 2081. Ich glaube, 2059 ist dann die nächste, bei der immerhin noch 68 Prozent verdeckt werden.

Wie wird die Sonnenfinsternis heute in Rosenheim ablaufen?

Die Sonnenfinsternis beginnt in Rosenheim um 19.23 Uhr, kurz vor Sonnenuntergang. Das Maximum wird um 20.16 Uhr erreicht, mit 90 Prozent Abdeckung der Sonne. Und um 20.29 Uhr, also eine Viertelstunde später, geht die Sonne schon unter. Das heißt, die Sonne wird als Sichel untergehen. Wenn das Wetter gut ist, wird das ein toller Anblick sein.

Worauf muss man beim Blick in die Sonne achten?

Man sollte nur zertifizierte Sonnenfinsternisbrillen benutzen. Für die Besucher unserer Sternwarte stellen wir solche Brillen. Aber wer das Ereignis von einem anderen Ort aus beobachten möchte, der sollte sich eine besorgen. Man darf auch Schweißgläser benutzen, wenn sie Stärke 13 oder 14 haben.

Was sollte man heute beim Blick nach oben auf gar keinen Fall machen?

Es gibt Leute, die nehmen doppelte Sonnenbrillen oder Ähnliches. Kurz bevor die Sonne untergeht, ist sie meist nicht mehr so gleißend hell und man denkt, das reicht dann. Aber es kommt immer noch genug gefährliche Infrarot- und Ultraviolettstrahlung durch. Wenn man zu lange in die Sonne schaut, ist das nicht gut fürs Auge.

Wo kann man das Ereignis bei uns in der Region besonders gut beobachten?

Sie sollten eine Stunde vor Sonnenuntergang, um 19.23 Uhr, an einem Ort sein, von wo aus Sie gut die Sonne sehen können. Man sollte am besten an einen Ort gehen, wo man leicht erhöht ist und einen guten Blick nach Westnordwesten hat, wo die Sonne zu dieser Jahreszeit steht. Unsere Sternwarte in Rosenheim bietet sich da an, weil wir im fünften Stock sind. Und wir beobachten das Ereignis mit Sonnenfinsternisbrillen und Fernrohren.

Interview: Lena Vidal

Artikel 4 von 10