Oberaudorf/Bayrischzell – Immer wieder wird über sie geschimpft, gestritten und diskutiert: die Sudelfeld-Raser. Also diejenigen Motorradfahrer, die die idyllische Route im Inntal als Rennstrecke missbrauchen. Jetzt sind der Polizei wieder einige von ihnen ins Netz gegangen. Vier Stunden lang kontrollieren die Beamten am Sudelfeld, ob die Geschwindigkeitsbegrenzung auch eingehalten wird. „Während sich der Durchgangsverkehr überwiegend an die vorgeschriebene Geschwindigkeit hielt, nutzten einige die kurvenreiche Strecke wieder als persönliche Rennstrecke“, heißt es in der Mitteilung der Polizei.
Mit 124 km/h über
die Sudelfeld-Straße
Sieben Raser wurden erwischt. Zwei davon droht nun sogar ein Fahrverbot. Der traurige Spitzenreiter war ein 53-Jähriger aus dem Inntal, der mehr als doppelt so schnell war, wie erlaubt. Mit 124 km/h raste er über die B307 – erlaubt sind nur 60 km/h. Die Raserei und die damit einhergegangenen Unfälle in der Vergangenheit haben dazu geführt, dass das Rosenheimer Landratsamt zu einer drastischen Methode gegriffen hat. Somit ist die Strecke für Motorradfahrer nur noch einseitig befahrbar. Nämlich aus Richtung Bayrischzell kommend.
Doch nicht alle halten sich daran. In diesem Jahr hat die Polizei bereits 43 Verwarnungen wegen Verstößen gegen das einseitige Streckenverbot ausgesprochen. Das berichtet Stefan Sonntag, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Eine Zwischenbilanz für das laufende Jahr könne er aber nicht abgeben. „Eine objektive und valide Datenbasis ist noch nicht gegeben und wird erst nach Ende des Probebetriebs evaluiert“, sagt Sonntag.
Die einseitige Sperrung ist bisher nämlich auf zwei Jahre befristet. Wie es weitergeht, wird also nach der diesjährigen Saison entschieden. Ein frühzeitiges Ende durch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts München gibt es jedenfalls nicht. Das hat sich Ende Juli gezeigt. Ein Biker war mit der Unterstützung des Bundesverbands der Motorradfahrer (BVDM) vor Gericht gezogen. Doch das erteilte ihm eine Absage. Die Klage wurde abgewiesen.
Dennoch lassen sich die Motorradfahrer nicht unterkriegen. Allerdings warte man zunächst die schriftliche Urteilsbegründung ab, erklärt Michael Lenzen, Vorsitzender und Pressesprecher beim BVDM. Von jener sei abhängig, wie der Verband weiter verfahre. Auch ob der BVDM im kommenden Jahr gegen eine endgültige Sperrung klagen werde, zeichne sich dann erst ab. „Das ist jetzt einfach zu früh.“
Außerdem betont Lenzen weiterhin den Standpunkt des Verbands: „Streckensperrungen lösen keine Probleme, sie verlagern sie.“ Nur weil eine Strecke gesperrt werde, würden nicht weniger Motorradfahrer verunglücken – sondern nur woanders. „Das erfüllt uns mit großer Sorge“, sagt Lenzen. Der Verband spricht sich für stärkere Sanktionen aus.
Motorradfahrer sehen
ungleiche Maßstäbe
„Bei illegalen Straßenrennen in Großstädten sperrt man auch nicht die Straße“, führt Lenzen als Beispiel an. „Da wird eine Sonderkommission der Polizei eingerichtet, damit man die Leute, die sich falsch verhalten, sanktioniert und das Fehlverhalten korrigiert.“ Bei Motorradfahrern argumentiere man jedoch mit zu hohem Aufwand dagegen. „Das kann es einfach nicht sein.“ Dennoch akzeptiere man natürlich das Gerichtsurteil. „Ob man damit einverstanden ist oder nicht. Das ist jetzt erst mal so.“