Traunstein/Bad Reichenhall – „Wir waren auf einem guten Weg, aber die Ausgangslage hat sich grundlegend verändert“, heißt es aus den Kliniken Südostbayern (KSOB). Jetzt ist das nächste Sparpaket geschnürt: Elf Millionen Euro will der Klinikverbund der Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land nun jährlich einsparen, so Pressesprecherin Gisela Bechmann auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. Der Hintergrund: Das Beitragssatz-Stabilisierungsgesetz der Bundesregierung für die gesetzlichen Krankenkassen dürfte das jährliche Ergebnis der KSOB um etwa zehn bis elf Millionen Euro belasten.
Gespart werden soll auch
in anderen Bereichen
„Alle Unternehmensbereiche – sowohl patientennahe Dienste als auch patientenferne Bereiche wie die Verwaltung – müssen einen angemessenen Beitrag zur Zukunftssicherung der KSOB leisten“, so KSOB-Sprecherin Bechmann. Auch ein Personalabbau wird Teil der Strategie sein: Rund 70 Vollzeitstellen wollen die Kliniken abbauen – „möglichst sozialverträglich“, heißt es, also über das Auslaufen befristeter Arbeitsverhältnisse, „natürliche Fluktuation“ oder freiwillige Programme.
Betriebsbedingte Kündigungen will der Klinikverband möglichst vermeiden. Zur Einordnung: Insgesamt sind bei den Kliniken Südostbayern rund 4.000 Menschen beschäftigt.
Sparpotenzial sieht man darüber hinaus bei der Lagerhaltung, Reinigung, Wäscheversorgung, Logistik oder der Speisenversorgung: „Auch in den Küchen sind Personalanpassungen vorgesehen“, so Gisela Bechmann. Das Sparpaket ist bereits beschlossene Sache. Der Aufsichtsrat hat zugestimmt, ebenso die Anteilseigner, also die Landratsämter in Traunstein und Bad Reichenhall. Die Arbeitnehmervertretungen seien ebenfalls eingebunden gewesen und sollen es bei der konkreten Umsetzung der Sparmaßnahmen auch bleiben.
Welcher der fünf Standorte von den Sparmaßnahmen besonders oder gar nicht betroffen ist, dazu äußerte sich das Unternehmen nicht.
Die jüngsten Zahlen der Kliniken Südostbayern waren eigentlich positiv. Im Juli wurde der Geschäftsbericht für das Jahr 2025 vorgestellt: Das Defizit konnte auf rund zwölf Millionen Euro gedrückt werden, im Jahr zuvor war es noch das Doppelte. Die Patientenzahlen stiegen weiter und übertrafen mit 160.107 erstmals auch wieder das Jahr 2019, bevor die Corona-Pandemie begann.
„Absehbare Belastungen frühzeitig abfedern“
„Das vergangene Jahr war von einer bemerkenswerten Stabilisierung geprägt. Das ist ein gemeinsamer Erfolg, den wir dem großen Einsatz unserer Mitarbeitenden und der finanziellen Unterstützung durch unsere Anteilseigner, die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land, zu verdanken haben“, so Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher.
Aber: Mit dem Sparprogramm wollen die KSOB die „absehbaren Belastungen frühzeitig abfedern“, um schwerwiegende Folgen für die heimische Gesundheitsversorgung zu vermeiden.
Den Kliniken wird unter anderem die Refinanzierung von Tariferhöhungen des Personals von bislang 100 auf 50 Prozent gekürzt. „Das Maßnahmenpaket ist keine Reaktion auf eine negative wirtschaftliche Entwicklung der KSOB, sondern auf eine erhebliche, von außen verursachte Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen“, so die Kliniken-Sprecherin.
Erhebliche
Umstrukturierungen
Schon die vergangenen Jahre waren bei den Kliniken Südostbayern von erheblichen Umstrukturierungen geprägt. Der Standort Ruhpolding wurde aufgelöst und das dortige Schmerzzentrum nach Trostberg verlegt. Das frühere Krankenhaus in Freilassing hat sich zu einem „Gesundheitscampus“ mit Fachärztezentrum gewandelt. In Berchtesgaden wurde die Notaufnahme geschlossen. Die verbliebenen Standorte mit umfassender Notfallversorgung rund um die Uhr sind also Bad Reichenhall, Traunstein und Trostberg.
Auch die Zusammenarbeit mit dem „InnKlinikum“ in den Landkreisen Altötting und Mühldorf wird immer enger: Es gibt inzwischen unter anderem gemeinsame Chefärzte, eine gemeinsame Pflegedirektorin oder gemeinsame IT- und Einkaufsstrukturen.