Rosenheim – Man hat den Eindruck, es nimmt kein Ende. Die Hitzewelle in der Region hält an. Erst diese Woche ist eine leichte Abkühlung und Regen in Sicht. Doch die hohen Temperaturen haben sich in der Natur bereits bemerkbar gemacht. Waldbrände und ausgetrocknete Gewässer bereiten nicht nur Naturschützern Sorgen. Doch wie steht es um unser Trinkwasser?
500 Quellen
und Brunnen
Auf Nachfrage beim Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim erklärt Dr. Hadumar Roch: „Im Zuständigkeitsbereich des WWA Rosenheim mit den Landkreisen Miesbach, Ebersberg, Mühldorf und Rosenheim gibt es circa 200 Wasserversorgungsunternehmen mit 500 Wasserfassungen.“ Darunter fallen Brunnen und Quellen. Ein tagesaktueller Überblick liege dem Amt zwar nicht vor, aber die Rückmeldungen der Wasserversorger zeichneten Roch zufolge ein einheitliches Bild.
Demnach sei ein Rückgang der Grundwasserstände und der Quellschüttungen zu verzeichnen. Hinzu kommt ein gestiegener Verbrauch in der Bevölkerung. Aber Roch liefert auch einen Grund zum Aufatmen: „Grundsätzlich ist die Wasserversorgung gesichert“, macht er deutlich. Vereinzelte Gemeinden hätten ihre Bürger in Hinblick auf einen sorgsamen Umgang aber bereits sensibilisiert. Und: „Vereinzelt können Gemeinden eine Vollversorgung über eigene Brunnen und Quellen nicht mehr gewährleisten. Sie besitzen aber Verbundleitungen und Kooperationen mit Nachbargemeinden, sodass die Versorgung im Verbund sichergestellt ist.“
Nasses Jahr 2024
und Dauerregen helfen
Für die Grundwasserversorgung im Mangfalltal hat Roch außerdem gute Nachrichten. „Der Grundwasserstand in den relativ mächtigen quartären Schottern des Mangfalltals, aus denen das Trinkwasser für die Städte Rosenheim, Bad Aibling und Kolbermoor gewonnen wird, ist stellenweise noch relativ hoch“, erklärt er. Dort zehre man noch vom nassen Jahr 2024 und einigen Dauerregen-Episoden im Februar dieses Jahres.
Sorgsamer Umgang
ist angebracht
Dennoch betont er: „Ein sorgsamer Umgang mit Wasser ist aktuell angebracht.“ Besonders beim Thema Leitungswasser sei schon auf vielen Kanälen auf einen sorgsamen Umgang hingewiesen worden. Was ihm aber auch wichtig ist, ist das Thema der Wasserentnahme aus kleinen Gewässern.
So habe das Wasserwirtschaftsamt bereits Ende Juli darauf hingewiesen, bestenfalls kein Wasser mehr aus kleinen Bächen oder Gräben zu entnehmen – etwa für das Gießen von Pflanzen oder das Bewässern des eigenen Rasens. „Jede zusätzliche Wasserentnahme verschärft die ohnehin angespannte Situation und gefährdet die Lebensräume zahlreicher Tier- und Pflanzenarten.“
Es gebe in der Region grundsätzlich diverse Bäche, die immer wieder teilweise trockenfallen. Dazu gehöre beispielsweise in Abschnitten die Prien. Aber allen voran seien davon Wildbäche in den Oberläufen betroffen. Akutes Fischsterben oder ökologische Notmaßnahmen seien dem Wasserwirtschaftsamt aber nicht bekannt.
Lang ersehnter
Regen kommt
Der lang ersehnte Regen ist laut Wettervorhersage diese Woche zu erwarten. Um die Wassersituation aber wirklich wieder zu entspannen, braucht es deutlich mehr, als einen starken Schauer. „Sommergewitter sorgen in kleinen Gewässern zwar für rasche Entspannung, allerdings lediglich kurzfristig und punktuell“, macht Roch deutlich. „Die Wirkung ist in der Regel nach Stunden bzw. einem Tag wieder vorbei. Größere Gewässer profitieren hiervon kaum.“
Hohes
Niederschlagsdefizit
Das zeigt sich auch an Inn und Mangfall. Laut Daten des Niedrigwasser-Informationsdienstes Bayern ist der Abfluss des Inns derzeit als „niedrig“ klassifiziert. Bei der Mangfall sogar als „sehr niedrig“.
Heißt also, es braucht erstmal eine Menge flächigen und ergiebigen Dauerregen, um den Wasser-Rückstand der vergangenen Wochen wieder aufzuholen. „Aktuell ist das Niederschlagsdefizit in der Region für das Kalenderjahr 2026 mit circa 300 bis 500 mm relativ hoch“, sagt Roch.