Hitze, Schweiß und Umleitungen

von Redaktion

Sieben Wochen lang saniert die Bahn ein Teilstück der Strecke zwischen Mühldorf und Rosenheim. Pendler müssen noch bis voraussichtlich 24. August in Wasserburg auf einen Schienen-Ersatzverkehr ausweichen. Wie gut funktioniert die Reise mit dem Bus? OVB-Reporterin Katharina Brumbauer hat’s getestet – mit überraschendem Ergebnis.

Wasserburg/Mühldorf/Rosenheim – Es ist ein Dienstagmorgen. Kurz vor 8 Uhr morgens. Pünktlich bin ich am Bahnhof in Reitmehring angekommen. Von der Wasserburger Altstadt kommend staute es sich an der Ampel an den Serpentinen glücklicherweise kaum. So gerate ich nicht in Zeitnot und kann regelrecht zum SEV-Bus schlendern, mit dem ich gleich nach Rosenheim fahren möchte.

Ich blicke noch einmal auf die Uhr. In zehn Minuten soll es losgehen. Doch: Noch sind die Türen des Busses verschlossen. Durch die dunklen Scheiben kann ich erkennen: Es ist niemand da. Bleibt also Zeit, sich kurz im neuen Café Stazione einen Kaffee zu holen.

Umleitungen und Sperren
beeinflussen die Route

Ein Blick auf die DB Navigator App bestätigt mir: 8.02 Uhr soll der Bus abfahren. Anders als bei den Zügen, die von Wasserburg in Richtung Mühldorf oder Grafing abfahren, kann ich aber nicht sehen, ob der SEV pünktlich ist. Bei der SEV-Verbindung leuchten unter den planmäßigen Uhrzeiten keine grünen oder roten Zahlen mit der aktualisierten Abfahrts- und Ankunftszeit auf. Die Information, ob der Bus planmäßig abfährt oder mit Verspätung startet, fehlt also. Die Tür geht auf. Ich steige ein. Weitere Fahrgäste folgen mir. In den nächsten fünf Minuten füllt sich der Bus weiter. Gut drei Viertel der Sitze sind schließlich belegt.

Es ist 8.02 Uhr. Pünktlich startet der Busfahrer den Motor. Zwei Minuten stehen wir noch, dann setzen wir uns in Bewegung. Überraschend schnell können wir auf die B15 abbiegen. Die Bahnschranke ist offen, somit bleibt der befürchtete Stau am Bahnübergang aus.

Zunächst fährt der Bus Ramerberg an. Ein kurzes Stück geht es die B304 entlang, bevor wir vor Gschwendt links auf die Römerstraße abbiegen. Die Fahrbahn ist eng und kurvig, allzu schnell fahren kann der Bus nicht. Den Berg nach Zellerreit quält er sich ziemlich hoch. Respekt für den Busfahrer. Er dürfte nicht nur wegen der hohen Temperaturen schon am frühen Morgen ins Schwitzen geraten.

Ein lila Schild mit dem Zusatz „SEV“ zeigt den Fahrgästen an der Haltestelle Ortsmitte in Ramerberg an, wo sie zusteigen müssen. Das ist jedoch nicht an allen Stationen entlang der Route der Fall. Als Nächstes steuern wir Rott an. Allerdings können wir nicht direkt von Ramerberg auf die B15 fahren. Der Bahnübergang ist aufgrund der Bauarbeiten entlang der Bahnstrecken gesperrt. Wir müssen eine Umleitung nehmen und biegen südlich von Ramerberg – gegenüber der Abzweigung nach Griesstätt – auf die Bundesstraße.

Infos über Verspätung
fehlen in der App

Als wir nach Rott abbiegen, müssen wir wieder – genau – eine Umleitung nehmen. Es ist nicht möglich, über Leiten die Ortsmitte zu erreichen. Seit dem 10. August wird die Bahnunterführung saniert. In diesem Zuge ist die Staatsstraße 2079 bis zum Ende der Arbeiten entlang der Bahnlinie, voraussichtlich bis zum 24. August, voll gesperrt. Also biegen wir schon mal links ab, direkt Richtung Zentrum. Nächster Halt: Rott Bahnhof Nord.

Der Bus hält an der Bahnhofstraße. Allerdings ein Stück hinter dem eigentlichen Bus-Stopp. Ein Baufahrzeug steht auf der Fahrbahn, also fährt der Bus nicht ganz vor zur Haltestelle. Die Wartenden sind kurz verunsichert, blicken rüber zum Bus. Dann setzt sich die Gruppe in Bewegung. Ein Mann fragt den Fahrer, ob der Bus in Richtung Wasserburg fährt. Freundlich erklärt dieser ihm: Nein, wir fahren nach Rosenheim.

Nicht jeder kennt sich offenbar im SEV-Dschungel noch aus. Wer keine DB Navigator-App hat, um zumindest die im Fahrplan vorgegebenen Abfahrtszeiten zu prüfen, kann durchaus leicht die Orientierung verlieren.

„Die schriftliche Kommunikation vor Ort der Bahn ist schwierig“, hatte bereits Pendlerin Gertrud Bindl berichtet, als ich vor drei Wochen mit dem Ersatzverkehr unterwegs war. Manchmal müsse man die genaue Haltestelle suchen. Außerdem wisse man nie genau, ob der Bus pünktlich komme oder ob er Verspätung habe. In der DB Navigator App sind die Live-Zeiten des SEV-Busses eben auch nicht ersichtlich. Zumindest an diesem Morgen verspätet sich der Bus jedoch nicht dramatisch. Zehn Minuten später als vorgesehen erreichen wir Rott.

Busfahrer fährt
Verspätung rein

Von diesem Verzug ist allerdings nichts mehr übrig, als wir – nach noch einem Halt in Schechen – Rosenheim erreichen. Auf der B15 gibt der Fahrer richtig Gas. Wir kommen nicht nur pünktlich am Rosenheimer Bahnhof an. Sondern sogar vier Minuten vor der in der App angegebenen Zeit. Da soll mal einer noch vom totalen SEV-Chaos sprechen. Sicher, die Kommunikation weist Verbesserungspotenzial auf. Und: Ja, man muss Geduld mitbringen. Für die Fahrt von Wasserburg nach Rosenheim müssen Pendler im SEV eine Stunde einplanen. Die Fahrt mit der Bahn dauert halb so lange.

Trotzdem: Für diejenigen, die kein Auto haben, zum Beispiel manche Studenten, die aus der Region Wasserburg oder dem Raum Mühldorf nach Rosenheim zur Hochschule müssen, stellt der Ersatzbus momentan die einzige Möglichkeit dar, ans Ziel zu kommen. Ab Montag, 24. August, sollen auf der Strecke zwischen Wasserburg und Rosenheim wieder Züge rollen.

Artikel 8 von 10