Spektakuläres Ochsenrennen begeistert 6.000 Zuschauer

von Redaktion

Burschenfest im Aßlinger Ortsteil Steinkirchen – Lena und Otto siegen vor jubelndem Publikum

Aßling-Steinkirchen – Ochsenrennen gehören zu Bayern wie Bier, Blasmusik und Lederhosen. Sie sind ein Stück gelebte bäuerliche Tradition – und in Steinkirchen kommt dieses besondere Spektakel nur alle zehn Jahre auf die Rennbahn. Zum vierten Mal wurde beim Steinkirchener Burschenfest um die Wette geritten. Was im Vorfeld für Diskussionen gesorgt hatte, endete am Sonntag mit einem ausgelassenen Fest für mehr als 6.000 Zuschauer.

Denn die Veranstaltung stand zunächst unter keinem guten Stern. Die Tierschutzorganisation PETA hatte versucht, das Ochsenrennen zu verhindern und den Vorwurf der Tierquälerei erhoben. Von einem breiten Protest war am Renntag allerdings nichts zu sehen. Stattdessen säumten Tausende Zuschauer das Rennfeld und feuerten die ungewöhnlichen Rennteams begeistert an.

Damit die Ochsen überhaupt an den Start gehen durften, musste das Rennen strenge Auflagen des Veterinäramtes Ebersberg erfüllen. Und während sich neben dem Rennfeld langsam die Spannung aufbaute, ließen sich Hansi, Enzo, Zorro, Wuschl, Büffe und ihre Artgenossen vom Trubel erstaunlich wenig beeindrucken. In ihren Boxen genossen sie die Aufmerksamkeit ihrer Betreuer. Sie wurden gestriegelt und gestreichelt, mit Wasserkübeln abgekühlt und mit ihren Lieblingsleckerlis verwöhnt. Für die Tiere war der Renntag damit offenbar mindestens genauso viel Wellness wie Wettkampf.

Insgesamt 16 Ochsen samt Reitern und Treibern gingen an den Start. Die Teilnehmer kamen nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern teilweise aus Augsburg und Günzburg. Aufgeteilt auf vier Vorrunden mit jeweils vier Startern kämpften sich die erst- und zweitplatzierten Teams zunächst ins Halbfinale. Zwei Halbfinals später stand das große Finale an. Und dort hatte Lena mit ihrem Ochsen Otto die Nase vorn. Drei souveräne Läufe brachten das Duo schließlich zum Sieg. Der Jubel war entsprechend groß.

Für beste Unterhaltung neben der Rennstrecke sorgten die beiden Moderatoren Benno Stadler aus Anzing und Willi Vollmayer aus Aßling. Vollmayer eröffnete seine Moderation mit den Worten „Normalerweise kommentiere ich andere Ochsen“, mit Hinweis auf seine Moderation im Eisstadion Grafing für den EHC.

Dass sich ein Ochsenrennen allerdings nicht immer nach dem Drehbuch der Kommentatoren richtet, zeigte sich wenig später.

Ochse Zorro hatte in der ersten Runde offensichtlich überhaupt keine Lust auf seinen Einsatz. Kurzerhand entwischte er seiner Boxencrew und steuerte im leichten Galopp auf Vollmayer zu, der das Geschehen von der Rennbahn aus kommentierte. Da wurde selbst der erfahrene Moderator schnell. „Vielleicht mag er keine Blauen“, witzelte Vollmayer mit Blick auf sein blaues T-Shirt.

Zorro war damit längst nicht der einzige Ochse, der seine ganz eigenen Vorstellungen vom Renntag hatte. Manche Tiere blieben einfach an der Startlinie stehen, als wollten sie den Sinn des Wettbewerbs noch einmal grundsätzlich hinterfragen. Schließlich trotteten sie gemütlich zurück in ihr kleines Gehege mit Sonnenschutz. Leckerlis wurden zur Motivation gereicht – manchmal mit Erfolg, manchmal vollkommen vergeblich. Ein Ochse kann schließlich ausgesprochen stur sein.

Andere wiederum konnten den Start kaum erwarten und sorgten prompt für einen Frühstart. Auch beim Aufsteigen auf den Rücken des Vierbeiners gingen die Meinungen auseinander. So mancher Reiter sprang erst unmittelbar zum Startappell auf seinen Ochsen.

„Die falsche Taktik“, befand eine echte Koryphäe des Ochsenrennsports: Helmut Stocker, besser bekannt als der „Ochsen-Helle“ von Landsham. Mehr als 40 Jahre lang ist Stocker selbst Ochsen geritten, zweimal holte er sich den Titel des deutschen Meisters. Seine zahlreichen Pokale haben längst einen festen Platz auf dem heimischen Kachelofen. Stocker wusste also, wovon er sprach. „Man muss sofort aufsteigen“, erklärte er. Während sich auf dem Rennfeld die Ochsen mal mehr, mal weniger motiviert zeigten, herrschte rundherum ausgelassene Feststimmung.

Auf dem Rennfeld bestimmte derweil nicht immer der Mensch, was als Nächstes passierte. Genau das machte den besonderen Reiz aus. Mal Vollgas, mal gemütliches Trotten, mal Frühstart und mal die klare Ansage: Heute nicht. Am Ende aber waren sich Zuschauer, Veranstalter und Teilnehmer einig: Das vierte Steinkirchener Ochsenrennen war ein rundum gelungenes Fest. Friedlich, unterhaltsam. Und auch die tierischen Hauptdarsteller durften nach rund zwei Stunden wieder zurück auf ihre Höfe. Patricia Henke

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