Rosenheim/Landkreis – Zugausfall wegen Reparatur an einer Weiche, an einem defekten Signal, wegen verminderter Geschwindigkeit auf der Strecke oder wegen technischer Störungen auf der Strecke oder am Zug: Die Hiobsbotschaften aus dem Bahnhofslautsprecher sind für Pendler im südlichen Oberbayern zwischen München und Rosenheim längst Alltag.
Verspätungs-Übeltäter:
Klimawandel
Grund dafür ist allerdings nicht, wie manch verärgerter Berufspendler nach endlosem Warten am Gleis behaupten mag, eine Unfähigkeit der Deutschen Bahn, eigene Fahrpläne und -zeiten einzuhalten. Vor allem in den Sommermonaten ist ein häufiger Übeltäter der Klimawandel – oder besser gesagt: die Hitze, die wir ihm zu verdanken haben.
Spürbar sind die hitzebedingten Beeinträchtigungen in den Regionalzügen der Bayerischen Regionalbahn in Chiemgau und Inntal durchaus. Dabei gehört die Region nicht zu den Hitzeausfall-Hotspots in Deutschland, die sich auf die Strecken zwischen Stuttgart und Nürnberg konzentrieren.
Zum großen Ärger vieler Berufs- und Freizeitpendler mussten die Züge auf den betroffenen Gleisen deshalb mit erheblich reduzierter Geschwindigkeit fahren – oder ganz ausfallen, weil das Sicherheitsrisiko zu hoch schien, die erhitzten Schienen zu befahren.
Bei extremer Hitze überwacht die DB-InfraGO das Schienennetz ohnehin genauer. Gelegentlich werden Züge dann vorsorglich angewiesen, bestimmte Abschnitte langsamer zu passieren, was zu kleineren Verspätungen von wenigen Minuten führt.
„Im Sommer kommt es aufgrund der starken Sonneneinstrahlung erfahrungsgemäß häufiger zu Langsamfahrstellen oder Streckensperrungen, die von der DB InfraGO AG angeordnet werden“, weiß BRB-Pressereferentin Annette Luckner. Eine Häufung von Verspätungen im Rosenheimer Raum im überregionalen Vergleich können jedoch weder Luckner noch DB-Pressesprecher Klotz bestätigen.
Auch wenn DB und BRB im Falle einer Sperrung sofort versuchen, Taxen und Busse für den Schienenersatzverkehr (SEV) zu organisieren, kann nie vorausgesagt werden, wie lange eine Sperrung andauert. „Wo und wie häufig hitzebedingte Schäden vorkommen, ist für uns nicht vorherzusehen“, so Luckner weiter. Das sei auch der Grund, weshalb häufig kein kurzfristiger SEV eingerichtet werden kann und am Ende eine Schar frustrierter Pendler über Stunden am Bahnhof ausharren und auf Ungewisses warten muss.
„Nehmen Sie sich genügend Getränke mit”, rät die BRB-Pressereferentin deshalb allen Bahnreisenden während der Sommermonate. „Planen Sie einen Zeitpuffer ein und schauen Sie vor Fahrtantritt in den Auskunftsmedien nach, ob es kurzfristige Störungen gibt.“
Ausfälle
und Störungen
Über die Facebook „BRB Störungsinfo” sowie die Whatsapp-Kanäle der BRB können sich alle Betroffenen zuverlässige Echtzeit-Infos zu Verspätungen, Ausfällen und Störungen einholen. So wissen die Pendler immerhin, weshalb sie warten müssen. Wer jedoch auf den Zug angewiesen ist, dem kann es dennoch passieren, dass auf die Schnelle keine Alternative gefunden wird und er warten muss, bis die Strecke wieder befahrbar ist.
DB setzt auf Klimaresilienz-Strategie
Die Studie „Klimawandel – Auswirkungen auf die Deutsche Bahn AG“ des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung aus dem Jahr 2018 zeigte bereits, dass die DB, wie kaum ein anderes Großunternehmen in Deutschland, unter Klimawandel und damit bevorstehenden künftigen Hitzewellen leidet. Darum investiert das Unternehmen „kontinuierlich in eine leistungsfähige und klimaresiliente Infrastruktur”, so DB-Sprecher Klotz. „Dazu gehören unter anderem die zusätzliche Klimatisierung hitzesensibler Leit- und Sicherungstechnik sowie von Stellwerken, der Einsatz von Temperatursensoren und die Modernisierung besonders beanspruchter Anlagen.”
Um den Verkehr für alle Pendler und Gelegenheitsfahrer zwischen Chiemgau und Inntal angenehmer zu gestalten, können sich Zugreisende noch bis zum 30. August für den BRB-Fahrgastbeirat bewerben und dort ihre Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge für den Zugverkehr einbringen. Ob die Resilienz-Maßnahmen für die Schienen der DB den Pendlern künftig Ärger auf dem Weg zur Arbeit ersparen, bleibt abzuwarten. Bis dahin dürfen sie sich in Klima- und Verspätungsresilienz üben – und nicht die Hoffnung aufgeben.
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