Ein Blick auf das bisherige Festival-Gelände der „Brass Wiesn“ am Echinger See. Foto Brass Wiesn
Tuntenhausen – Drei Tage, fast 70 musikalische Acts und 15.000 Besucher: Die „Brass Wiesn“ in Eching bei Freising vor wenigen Wochen hatte auch heuer wieder Musikfans aus Oberbayern und darüber hinaus begeistert. Doch nach 13 Jahren kehrt das Blasmusik-Festival nun Eching den Rücken und will ab 2027 in Maxlrain bei Tuntenhausen eine neue Ära einläuten. Das bereitet allerdings den Anwohnern Sorgen.
In einem Schreiben an diverse Behörden sowie an die Familie von Lobkowicz, auf deren Fläche vor dem Maxlrainer Schloss das Festival stattfinden soll, haben rund 40 Anwohner „erhebliche Bedenken“ rund um das Festival angemeldet. So befürchten die Unterzeichner „eine erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität“, beispielsweise durch Straßensperren, Lärm und Müllberge.
„Wir sind dieser
Veranstaltungen müde“
„Besonders kritisch sehen wir außerdem, dass ein Großteil der Anwohner nach unserem Eindruck nicht frühzeitig und transparent über die Planungen informiert wurde“, üben die Anwohner zudem massive Kritik an der Informationspolitik rund um die Veranstaltung. „Nach unserem Eindruck lehnt die überwiegende Mehrheit der Einwohner von Maxlrain die Veranstaltung in der geplanten Form ab.“
Einwände, die zwei der Initiatoren, die namentlich nicht genannt werden wollen, gegenüber dem OVB konkretisieren. „Wir sind dieser Veranstaltungen einfach müde“, sagte eine der beiden in Hinblick auf andere Veranstaltungen wie das Oldie-Feeling oder die Ritterspiele, die regelmäßig in Maxlrain stattfinden. Sie befürchtet, dass der Ort bei der „Brass Wiesn“ von den Besuchern „überrollt wird“.
Eine andere Initiatorin spricht von „einer ganz anderen Größenordnung“ der „Brass Wiesn“ im Vergleich zu anderen Events. „Die anderen Veranstaltungen haben wir akzeptiert“, sagt die Maxlrainerin. „Die sind in der Regel aber abends auch mal zu Ende.“ Durch die Camper, die zur „Brass Wiesn“ erwartet werden, fürchtet sie nun aber um die Nachtruhe. Und nicht nur das. „Viele haben Tiere. Wenn Besoffene da Sachen in die Gärten schmeißen, kann das für die Tiere lebensgefährlich werden.“
Dass die „Brass Wiesn“ überhaupt eine neue Heimat gesucht hat, liegt nach Angaben von Alexander Wolff vom Veranstalter Sonnenrot GmbH aus Chieming an der fehlenden Infrastruktur am bisherigen Standort. „Und genau das hat den Ausschlag für Maxlrain gegeben: Ein großer Teil der Infrastruktur ist schon da“, erklärt Wolff. Zudem habe sich die Brass Wiesn „vor allem in den Herzen der Besucher vom Land“ einen großen Platz erobert, weshalb sie nun quasi „nach Hause“ komme.
Veranstalter will
Anwohner miteinbeziehen
Die Entscheidung für Maxlrain sei „parallel zur heißen Vorbereitungsphase“ für die Veranstaltung heuer erfolgt, definitiv geklärt sei alles aber erst „wenige Tage vor dem Start des diesjährigen Festivals“ gewesen. „Und weil wir unser treues Stammpublikum mitnehmen wollten, haben wir uns recht spontan dazu entschieden, den Umzug bereits während des Festivals zu kommunizieren“, so der Veranstalter, der betont: „Wir hätten die Anwohner gerne auch früher mit ins Boot geholt.“
Den Anwohnern verspricht er, dass es „keinesfalls“ zu einer Einschränkung ihrer Lebensqualität kommen soll. „Wir waren stets und sind bemüht, rund um das Festival alles so zu organisieren, dass die Anwohner miteinbezogen werden.“
„Natürlich kann man hier Intransparenz vorwerfen“, sagt Tuntenhausens Bürgermeister Christian Mayer. Er findet aber, dass zunächst geklärt sein müsse, „ob eine solche Veranstaltung überhaupt machbar“ sei. Er selbst habe sich „persönlich“ für die Veranstaltung eingesetzt, da er sie „als besonders positiv“ für die Gemeinde bewerte. Dennoch könne er „die Kritik und die Sorgen“ nachvollziehen, weshalb „seitens der Veranstalter und der Brauerei mit den Anwohnern kommuniziert werden“ müsse – „gerne auch mit mir als Bürgermeister“.
Eine wie von den Anwohnern befürchtete „erhebliche Einschränkung der Lebensqualität“ sehe er „bei einer Veranstaltung von drei, vier Tagen“ aber nicht.
Auch die Schlossbrauerei Maxlrain kann „nachvollziehen, dass ein Vorhaben dieser Größenordnung zunächst Fragen, Unsicherheiten und Sorgen auslöst“, wie Maxlrain-Betriebsleiter Sebastian Neumeyer gegenüber dem OVB mitteilt.
Schlossbrauerei nimmt
Kritik „sehr ernst“
Den Vorwurf der Anwohner, „dass die Kommunikation zu Beginn nicht ausreichend transparent war“, nehme das Unternehmen „sehr ernst“. Letztlich habe das unter anderem daran gelegen, dass zum einen Gespräche „zunächst vertraulich geführt“ werden mussten, zum anderen „die Entwicklung in den vergangenen Wochen sehr schnell“ gegangen sei. Neumeyer: „Vieles befand und befindet sich noch in der Abstimmung, sodass wir selbst zunächst noch nicht an dem Punkt waren, belastbare Informationen an die Anwohner weiterzugeben.“
Das soll durch einen Informationsabend Ende August, zu dem die Brauerei die Anwohner eingeladen hat, nun geändert werden. „Dort möchten wir das Vorhaben ausführlich vorstellen, Rede und Antwort stehen und vor allem Raum für konkrete Fragen, Bedenken und Anregungen geben“, sagt Neumeyer. Er glaubt, „dass die ,Brass Wiesn‘ eine Bereicherung für Maxlrain und die gesamte Region sein kann“. Dazu gehöre aber auch ein „verantwortungsvoller Umgang mit Themen wie Verkehr, Lärm, Sicherheit, Sauberkeit und den Interessen der unmittelbaren Anwohner“.
Den angekündigten Infoabend findet eine der Initiatorinnen des Briefes zumindest schon mal „super“. Auch wenn sie bezweifelt, dass es dieses Angebot ohne den Brief gegeben hätte. An der Veranstaltung will sie „unvoreingenommen“ teilnehmen. „Wir lehnen die ,Brass Wiesn‘ nicht kategorisch ab“, sagt die Maxlrainerin. „Allerdings muss uns ein Konzept präsentiert werden, das uns nicht zu sehr einschränkt und so wenig wie möglich belastet.“