Rosenheim – Erich Weinberger versteht die Welt nicht mehr. Seit 23 Jahren betreibt er das Unternehmen „Taxi Wasserburg“ – mit 39 Fahrzeugen das größte Taxi-Mietwagenunternehmen im Landkreis. Auch beim Rosenheimer Herbstfest ist er seit vielen Jahren im Einsatz. Des Ansturms wegen. „Die städtischen Taxiunternehmen würden das gar nicht stemmen können“, sagt er am Telefon. Deswegen gibt es während der Wiesn-Zeit für alle Taxiunternehmen aus dem Landkreis eine Ausnahmegenehmigung.
Erhöhter Bedarf
führt zu Sonderregel
„Grundsätzlich ist festzuhalten, dass sich im Stadtgebiet städtische Taxis aufstellen dürfen, im Landkreis dementsprechend Taxis, die auch aus dem Landkreis kommen“, bestätigt Christian Baab, Pressesprecher der Stadt Rosenheim. Wegen des erhöhten Bedarfs dürfen sich Taxis aus dem Landkreis während des Herbstfests aber auch im Stadtgebiet aufstellen.
Weinberger und seine Kollegen standen also – gemeinsam mit den städtischen Taxifahrern – immer an den Wochenenden direkt an der Kaiserstraße und am Ludwigsplatz, um die Herbstfest-Besucher von dort sicher nach Hause zu bringen. Er sei mit bis zu fünf Fahrzeugen im Einsatz gewesen. „Am Wochenende haben wir in der Nacht pro Fahrzeug zwischen 15 und 20 Fahrten“, sagt er am Telefon. Pausen habe es in den Abendstunden kaum gegeben. Er spricht von langen Wartezeiten, von Besuchern, die mitten auf der Straße standen, um doch noch ein Taxi zu ergattern.
Umso unverständlicher war es für Erich Weinberger, als er kürzlich ein Schreiben erhielt, in dem ihm und allen anderen Taxiunternehmen aus dem Landkreis untersagt wurde, während der Herbstfest-Zeit an bestimmten Stellen zu halten. Zwar sei es ihm – und anderen Kollegen aus dem Landkreis – weiterhin gestattet, an Freitagen und Samstagen während der Wiesnzeit in Rosenheim im Einsatz zu sein – allerdings mit Einschränkungen. So dürfen sie nicht mehr an den Taxistandplätzen an der Kaiserstraße, an der Herbststraße, in der Heilig-Geist-Straße, in der Stollstraße und am Mittertor halten.
Nur über den
Bahnhof zum Taxi
„Dort spielt sich zwischen 22 Uhr und Mitternacht aber 90 Prozent des Geschehens ab“, kritisiert Erich Weinberger. Die Besucher würden die Loretowiese verlassen und zum Feiern in die Innenstadt ziehen, oder sich auf die Suche nach einem Taxi machen. „Wir fahren viele Leute nach Hause, zum Bahnhof oder zum Hotel, in dem sie übernachten“, sagt Weinberger.
In diesem Jahr müssten er und seine Kollegen sich – so sieht es die Verordnung vor – beispielsweise am Bahnhof aufstellen, um dort auf die Fahrgäste zu warten. Für Weinberger ein Unding. „Kein Herbstfest-Besucher läuft zum Bahnhof, um von dort in ein Taxi einzusteigen“, sagt er. Gleichzeitig befürchtet er, massive Probleme für die städtischen Unternehmen.
„In der Stadt gibt es 46 Taxikonzessionen. Die können die Menge an Personen nicht annähernd befördern“, sagt Weinberger. Zustimmung bekommt er von einem städtischen Taxiunternehmer, der anonym bleiben möchte. Auch er kann die Entscheidung der Stadt nicht nachvollziehen. „In den vergangenen Jahren hat es immer super funktioniert“, sagt er am Telefon. An den Wochenenden während der Herbstfest-Zeit herrsche in der Stadt ein „enormer Taximangel“, oberste Priorität sei es, den „Kunden zufriedenzustellen“. Genau das könne jetzt aber nicht mehr garantiert werden.
Kritik an „realitätsferner Entscheidung“
Er vermutet, dass sich ein städtisches Unternehmen beschwert hat. Daraufhin habe die Stadt reagiert und die Änderung vorgenommen. „Es ärgert mich, dass nicht mit uns allen gesprochen wurde“, fügt er am Telefon hinzu. Er selbst habe bereits versucht, Kontakt mit der Stadt und den Stadträten aufzunehmen. Ohne Erfolg.
Gleiches berichtet Erich Weinberger. „Wenn nur noch ein kleiner Teil des Angebots da ist, kollabiert das ganze System“, sagt er. Der Taxiunternehmer ist sich im Moment bisher nicht einmal sicher, ob er während der Herbstfest-Zeit überhaupt in Rosenheim im Einsatz sein will. „Für uns macht es einfach keinen Sinn, am Bahnhof zu sein.“ Das ist realitätsfern, fügt er hinzu.
Die Stadt begründet ihre Entscheidung so: „Mit dem privilegierten Halt am Herbstfestgelände kommt die Stadt Rosenheim ihrer Verantwortung für die städtischen Taxiunternehmen nach.“ Ob der Plan aufgeht, wird sich zeigen.