Schechen – Für den Schwimmer muss es ein Schock gewesen sein: Am Montagmorgen (17. August) drehte er seine Runden im Waldsee in Schechen, als ihn plötzlich ein Biber angriff. „Ich habe bereits kurze Zeit später von dem Vorfall erfahren“, sagt Bürgermeister Stefan Adam auf OVB-Anfrage. Er nahm umgehend Kontakt mit dem Biberberater des Landkreises Rosenheim auf.
Behandlung im
Romed-Klinikum
Kurz darauf folgte ein Vor-Ort-Termin. „Wir haben uns die Situation angeschaut“, berichtet Biberberater Karl Günsche. Er vermutet, dass der Mann in die Schilfzone am nordöstlichen Rand des Waldsees geschwommen ist. „Dort befindet sich eine Biberburg, die aber nicht für jedermann zu erkennen ist“, so Günsche. Der Schwimmer habe im Gespräch, kurz nach dem Vorfall, berichtet, dass ihm während seiner Runde ein Biber aufgefallen sei, der in seine Richtung geschwommen sei. „Er hat sich aber ruhig verhalten und nicht versucht, sich dem Tier zu nähern oder es zu provozieren“, sagt Bürgermeister Adam. Dennoch sei es zum Angriff gekommen. „Die Biber haben derzeit Junge“, weiß Günsche. Er vermutet also, dass es sich bei dem ersten Tier, das der Schwimmer gesehen hat, um ein Jungtier gehandelt hat. Angegriffen hat jedoch ein Altbiber, der sein Junges schützen wollte. „Der Altbiber hat den Schwimmer gerammt, weil er ihn von der Bucht wegdrängen wollte“, erklärt Günsche. Laut Adam sei der Schwimmer zudem von dem Biber gebissen worden.
Der Schwimmer wurde durch den Angriff verletzt und musste im Romed-Klinikum in Rosenheim behandelt werden. „Er befindet sich immer noch in Behandlung“, sagt Adam. Der Fokus liege jetzt darauf, dafür zu sorgen, dass sich ein Vorfall dieser Art nicht wiederhole. „Wir haben umgehend Hinweisschilder aufgestellt“, sagt Bürgermeister Stefan Adam. Kurzzeitig sei auch darüber nachgedacht worden, den Badesee zu sperren. Diese Idee sei aber wieder verworfen worden. „Tagsüber besteht keine Gefahr für die Badegäste“, sagt er. In den frühen Morgenstunden oder am späten Abend würde er jedoch nicht ins Wasser gehen. „Da es sich um einen außergewöhnlichen Vorfall mit der Verletzung eines Badegastes handelt, prüfen wir derzeit weitere Maßnahmen“, erklärt der Rathauschef. Die Gemeinde steht dazu im Austausch mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim. „Wir haben die Entnahme des Bibers beantragt. Eine bloße Beschilderung oder Absperrung halten wir angesichts des Angriffs nicht für eine dauerhaft ausreichende Lösung“, fügt der Bürgermeister hinzu.
Ihm liege das Wohl der Badegäste am Herzen. „Ich bin für die Bürger da, das ist meine Rolle“, unterstreicht Adam. Er wolle sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn der Biber ein Kind gebissen hätte. Aus diesem Grund müsse schnellstmöglich gehandelt werden. Dass die Situation schwierig sei, bedauert auch Biberberater Günsche. Er betont jedoch, dass solche Begegnungen extrem selten sind: „Vor vielen Jahren hatten wir einen ähnlichen Fall in Bad Aibling – ebenfalls in unmittelbarer Nähe zu einer Biberburg.“ In der Region gebe es kaum noch Gewässer ohne Biber, „und trotzdem passiert nahezu nie etwas.“ „Es besteht kein Grund zur Panik“, sagt er. Biber würden Menschen in der Regel nicht angreifen, sondern lediglich ihre Jungen schützen. „Sollte man trotzdem einmal einem Biber im Wasser begegnen, ist es wichtig, einfach ruhig weiterzuschwimmen“, fügt er hinzu. Zudem rät er, sich von Biberburgen fernzuhalten. „Das ist ein Riesenholzhaufen mit frisch angenagten Ästen oben drauf“, sagt Günsche. Ein Einschwimmloch an der Wasseroberfläche gebe es nicht, da sich das Loch unter Wasser befindet. Günsche war auch Tage nach dem Vorfall wieder am Waldsee. Vom Biber fehlte jede Spur, dafür herrschte normaler Badebetrieb. „Zahlreiche Menschen waren im Wasser, die Stimmung war gut“, sagt er. „Gedanken, dass so etwas noch einmal passiert, mache ich mir nicht.“ Darauf verlassen will sich Bürgermeister Stefan Adam jedoch nicht.