Mettenheim/Traunstein – Gefragte Neuwagen oder viel Geld, damit lässt man sich auch nach einer Karriere als Profifußballer noch locken – und trifft dann vielleicht auch auf zwielichtige Gestalten. „Ich habe Leuten vertraut bei Sachen, in denen ich mich nicht auskenne. Das war wahrscheinlich ein großer Fehler“, gestand Moritz Leitner am gestrigen Donnerstag vor dem Traunsteiner Amtsgericht. Der 33-Jährige spielte in den 2010er-Jahren unter anderem für den TSV 1860 München, Borussia Dortmund oder die U21-Nationalmannschaft. Heute lebt er in Mettenheim im Landkreis Mühldorf.
Angeklagt war Leitner wegen versuchter Nötigung. Die Hintergründe: Der Ex-Fußballer hatte 2023 einen Rechtsstreit mit einer Münchner Auto-Leasingfirma, gegen ihn wurde geklagt. „Herr Leitner hat ein Sponsoring mit Mercedes und kommt so leicht an besondere Geländewagen, zum Beispiel der G-Klasse. Die hat er dann an die Leasingfirma weiterverkauft“, erklärte Verteidiger Michael Lengler. So könne er sich „ein paar Euros dazuverdienen“, meinte Leitner. Letztlich wurde diese frühere Klage abgewiesen – aber: Dem Prokuristen des Autoverleihers wurde zuvor gedroht. Und Moritz Leitner soll darin verwickelt gewesen sein.
Der Tatplan von Leitner und einigen seiner Bekannten laut Staatsanwaltschaft: Man drohte dem Prokuristen über Chats und Anrufe, dass man Mitglied bei den „Hells Angels“ sei, und er dem Gericht besser ausrichten solle, man habe sich außergerichtlich geeinigt. Am späten Abend des 30. März 2024 sei das gewesen. Staatsanwalt Martin Freudlich: „Durch den Verweis auf die ‚Hells Angels‘ wurde eine Drohkulisse aufgebaut, in der der Geschädigte um seine Sicherheit und die seiner Familie fürchtete.“ Die Polizei beschlagnahmte Moritz Leitners Handy, „da war ich völlig überrascht“. Immer wieder beteuerte der frühere Fußballprofi: „Mit diesen Gruppierungen habe ich absolut gar nichts zu tun, ich kenne auch keinen persönlich.“ Er habe höchstens mal einen Strafzettel bekommen und sei völlig unbescholten. Richterin Veronika Ritz verlas ein paar SMS, die Leitner erhielt: „Es wurden Leute eingeschaltet, die haben kommuniziert. Der Prozess wird nicht stattfinden“, schrieb ihm da beispielsweise jemand. Im Gegenzug sollten sie einen Rolls-Royce Cullinan bekommen. Recht viel konkreter wurde es nicht und auch das Verfahren gegen einen mutmaßlichen Mittäter des 33-Jährigen war zuvor schon eingestellt worden.
Dass die Beweislage recht dünn ist, sah dann auch Staatsanwalt Freudling ein. Nach einem kurzen Rechtsgespräch einigten sich alle Prozessbeteiligten darauf, das Verfahren einzustellen. Keiner der Zeugen wurde gebraucht. Moritz Leitner bekam vom Amtsgericht Traunstein aber eine Geldauflage in Höhe von 10.000 Euro, die er ohne Weiteres akzeptierte: Den Betrag muss er jeweils zur Hälfte an den Hospizverein im Pfaffenwinkel sowie an die Kinderkrebshilfe bezahlen.
Moritz Leitner wuchs in München auf und spielte schon im Alter von sechs Jahren Fußball für den TSV 1860. Er blieb dort zwölf Jahre lang und stand für die „Löwen“ auch in der 2. Bundesliga auf dem Platz. Dann wechselte er zu Borussia Dortmund und wurde mit dem BVB in der Saison 2011/12 deutscher Meister. Auch in der U21-Nationalmannschaft bestritt der Mittelfeldspieler 24 Partien und schoss sieben Tore. Es folgten Einsätze für den FC Augsburg, den VfB Stuttgart, Lazio Rom, Norwich City und den FC Zürich. Vor vier Jahren beendete Leitner seine Karriere. Inzwischen spielt Moritz Leitner auf hohem Niveau Padel-Tennis: „Da will ich Profi werden“, sagte er vor Gericht.
Xaver Eichstädter