Vor Kurzem habe ich von einer Begebenheit im Leben des Komponisten Franz Liszt gehört. Zu einem seiner Konzerte in der französischen Provinz kamen gerade einmal zwölf Besucher. Der Meister spielte dieses Konzert trotzdem mit der gleichen Leidenschaft wie immer – und fragte anschließend seine überraschten Zuhörer, ob er sie jetzt noch zum Abendessen einladen dürfte. Die Besucher nahmen die Einladung ausnahmslos an. Der Abend wurde für den Künstler nicht ganz billig, aber am darauffolgenden Tag war der Konzertsaal dafür überfüllt. Der Zulauf kam vermutlich nicht von der Aussicht auf ein weiteres kostenloses Abendessen. Vielleicht hatte sich aber herumgesprochen, wie dieser große Künstler mit seinem kleinen Publikum umgegangen war. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz: Was wir von Herzen geben, kehrt auf unerwarteten Wegen zu uns zurück. Großzügigkeit, Gastfreundschaft ohne Berechnung und ein offenes Herz bleiben selten ohne Wirkung. „Tue alles in Liebe.“ Diesen schlichten Satz hat mir mein Praktikumspfarrer vor vielen Jahren ans Herz gelegt. Ein Rat, den ich als Mentorin nun schon oft an junge Seelsorgerinnen weitergegeben habe. Der Wert eines Gottesdienstes oder einer Veranstaltung misst sich nicht an der Zahl der Menschen, die kommen. Entscheidend ist, was wir ihnen schenken: ein gutes Wort, Ermutigung und Zuversicht. Liebe ist wie eine Welle. Wir wissen nicht, wo sie ankommt und was sie dort bewegt. Aber irgendwann erreicht sie uns wieder. Diese Haltung nimmt mir auch den Druck, alles allein nur aus eigener Kraft schaffen zu wollen. Diese Mühe wäre ohnehin vergebens.