Rosenheim/Kolbermoor – Das Herbstfest steht vor der Tür und die Trachtengeschäfte haben ihre Ware aufgestockt. Zwischen Dirndln, Lederhosen und Accessoires das richtige Stück zu finden, ist nicht ganz einfach. Wir haben deshalb bei den Experten nachgefragt, was heuer angesagt ist – und welche Kombinationen gar nicht gehen.
Die Rückkehr
des Puffarms
„Auf alle Fälle kommt bei den Damen wieder der Puffarm“, betont Marion Herrmann, Filialleiterin bei Inntaler Trachten in Kolbermoor. An diesem Vormittag, eineinhalb Wochen vor dem Anstich, ist der Laden schon gut besucht. Doch die meisten Kunden kommen immer am ersten Herbstfestsamstag. „Das ist der beste Tag im ganzen Jahr“, erzählt Herrmann.
Mini-Dirndl
gehen gar nicht
Beliebt sei heuer Cordstoff. Hochgeschlossene Dirndl sind nicht mehr so stark im Trend, stattdessen hochgeschlossene Blusen. „Jetzt sind die Dirndl stärker ausgeschnitten, damit man die Blusen schön sieht“, so Herrmann. Dirndl und Schürze sind unifarben und aufeinander abgestimmt. „Petrol, gelb und braun liegen im Trend.“
Wichtig ist die Länge des Dirndls – und die der Schürze. „Das Dirndl sollte mindestens 70 Zentimeter, besser 80 Zentimeter lang sein“, so Herrmann. Von Mini-Dirndls hält sie gar nichts. Die Schürze darf weder zu kurz noch zu lang sein. „Sie sollte etwa zwei Fingerbreit kürzer sein als der Rock.“
Sophie Lanzinger meint, dass sowohl hochgeschlossene als auch ausgeschnittene Dirndl im Trend liegen. Sie ist eine der drei Inhaberinnen der Boutique Beo am Max-Josefs-Platz in Rosenheim. „Hauptsache, man fühlt sich wohl“, sagt sie. Viel wichtiger sei heuer der Stoff. „Samt kommt auf jeden Fall zurück“, betont Lanzinger und zeigt auf das Dirndl, das sie gerade trägt. Die dunklen Puffärmel sind aus Samt und mit kleinen Rosen bestickt. „Wir haben auch ein Kleid, da sind kleine Hummeln drauf“, erzählt Lanzinger. So klein, dass es süß sei, aber nicht kitschig.
Statt des Puffarms könne man auch längere Ärmel tragen, sogar Dreiviertelärmel. „Dann braucht man keine Jacke“, so die Inhaberin. Ebenfalls ein „Riesen-Thema“ sind dieses Jahr Zweiteiler, also Rock und Mieder. „Das Mieder kann man auch nach dem Herbstfest einfach zur Jeans tragen“, sagt Lanzinger.
Wo die Tracht-Expertinnen keinen Spaß verstehen, ist bei der Wahl der Schuhe. „Turnschuhe zum Dirndl finde ich furchtbar“, sagt Marion Herrmann. Sophie Lanzinger sieht das genauso. Trachtenschuhe müssten es zwar nicht sein, aber Pumps oder Ballerinas.
Schwieriges
Thema Sandalen
Beim Thema Birkenstock ist Marion Herrmann zwiegespalten. „Es gibt schöne, die ich nett dazu finde. Die, die man schon im Garten daheim anhatte, sollten es nicht sein“, so Herrmann.
Sophie Lanzinger hingegen findet Birkenstocks zu Dirndl sowie Lederhose „schwierig“. Wie der Name schon sage, gehe es auf dem Herbstfest eben festlicher zu. „Es ist aber auch ein Sicherheitsthema“, betont sie. Wer offene Schuhe trage, verletze sich schneller, wenn etwa jemand auf den Fuß hüpfe.
Nikos Minde ist kaufmännischer Leiter im Herrenmodegeschäft Heppel in Rosenheim und sieht das Thema Turnschuhe etwas entspannter. „Der Sneaker darf zur Lederhose als bewusster Stilbruch getragen werden“, betont er. Das habe sich etabliert. Wichtig nur: „Immer ohne Socken. Keine Trachtensocken, keine Tennissocken, einfach nur den Sneaker“, so der Leiter. Bei den Männern gibt es in seinen Augen ein anderes No-Go: „Küchenkaro-Hemden“, wie Minde sie nennt.
Stehkragenhemd
und Weste
Stattdessen sollte es ein Stehkragenhemd sein, etwa in Dunkelgrün, Dunkelrot oder Weiß. Wichtig auch die passende Weste: „Sie sollte eine monochrome Optik gemeinsam mit dem Hemd haben.“
Bei der Lederhose gelte es, zu beachten, dass sie bequem ist. Beim Kauf allerdings sollte sie Minde zufolge relativ eng sitzen – „das Leder weitet sich etwas“. Dazu ein Polohemd zu tragen, gehe allerdings gar nicht. „Das ist so eine Münchener Unsitte“, sagt Minde. Vor allem in Rosenheim sei diese Kombination fehl am Platz. Unentbehrlich für ihn dieses Jahr: kleine Gaudi-Anstecker.
Ketten, Gürtel
und Kettengürtel
Und auch der Charivari ist bei Männern wieder im Trend, wie Sophie Lanzinger betont. Genauso der Gummihosenträger. „Er ersetzt oft auch einen Gürtel und ist aber viel bequemer“, sagt sie.
Bei den Damen hingegen liegen Gürtel statt Schürze im Trend. „Etwa Samtgürtel mit Schnalle kann man gut bei durchgeknöpften Dirndln tragen“, betont Marion Herrmann. Dieses Jahr trenden außerdem Kettengürtel – mit vielen Anhängern oder ganz schlicht. Am Ende gilt: Jeder sollte tragen, worin er oder sie sich wohlfühlt. Denn selbst die Experten sind sich bei den Trachten-Trends nicht immer einig.