Schwere Vorwürfe gegen Rehaklinik

von Redaktion

Nachdem Medienberichte die Rehaklinik Bruckmühl erneut in den Fokus schwerer Patientenbeschwerden gerückt haben, schildert auch eine 90-Jährige dem OVB ihre „katastrophalen“ Erfahrungen. Der Betreiber widerspricht den Vorwürfen deutlich – und wird dabei vom Gesundheitsamt gestützt.

Bruckmühl – „Diese drei Wochen werde ich nie im Leben vergessen“, sagt Annette Gruger gegenüber dem OVB und blickt auf einen Reha-Aufenthalt im Juni 2025 zurück, der sie bis heute traumatisiere. Der 90-Jährigen, deren Name von der Redaktion geändert wurde, fällt es sichtlich schwer, über ihre Erlebnisse in der Einrichtung in Bruckmühl zu sprechen.

Medienberichte des Bayerischen Rundfunks haben am gestrigen Dienstag die geriatrische Rehaklinik in Bruckmühl erneut in den Fokus massiver Patienten-beschwerden gerückt, nachdem die Fachklinik bereits vor drei Jahren aufgrund ähnlicher Anschuldigungen für Aufsehen gesorgt hatte.

Bereits 2023 erhebliche Mängel festgestellt

Wie damals mehrfach vom OVB berichtet, waren im Sommer 2023 bei einer unangekündigten Kontrolle des Gesundheitsamtes „teils erhebliche Mängel“ festgestellt worden. Daraufhin wurde ein Aufnahmestopp für Patienten verhängt. Im Herbst 2023 kündigte die Klinik dann an, mit neuer Leitung und neuem Konzept die alten Missstände ausgeräumt zu haben.

Nun berichtet der BR jedoch von Gesprächen mit zahlreichen Senioren, Angehörigen und ehemaligen Mitarbeitern, die Missstände in der Einrichtung zwischen 2023 und Juli 2026 beklagen. In dem Medienbericht ist von unzureichender Patientenversorgung, Mängeln bei der Wundversorgung und sogar von teils fehlender oder falscher Medikamentengabe die Rede. Auch angebliche Mängel bei der medizinischen und pflegerischen Versorgung sowie Personalmangel werden genannt.

„Kein Mensch
hat sich gekümmert“

Schwere Anschuldigungen, die sich in Teilen auch mit den Schilderungen Annette Grugers decken. Die Rosenheimerin war vor einem Jahr nach einer Rücken-Operation für einen dreiwöchigen Aufenthalt nach Bruckmühl gekommen – und bezeichnet diesen rückblickend als „katastrophal“. Gruger: „Die behandelnde Ärztin hat sich nicht einmal für meine Wunde interessiert“, erzählt die ehemalige Reha-Patientin. Für die üblichen Thrombosespritzen, die normalerweise in den Bauch verabreicht werden, sei ein Mann ins Zimmer geschickt worden, der tagsüber eigentlich dem Putzdienst angehört habe. Neben medizinischen und pflegerischen Defiziten habe sie falsche Schmerzmedikamente erhalten und das Essensangebot sei unzureichend gewesen, so die schweren Anschuldigungen der Seniorin. „Ich wollte gesund werden, aber kein Mensch hat sich gekümmert“, sagt Gruger und macht den damaligen Aufenthalt mit dafür verantwortlich, „dass ich bis heute noch nicht richtig laufen kann“.

Doch weder Grugers Schilderungen noch die BR-Recherchen werden vom Betreiber der Einrichtung in dieser Form bestätigt.

Gegenüber dem OVB bezieht die Geriatrische Rehabilitation Oberbayern Bruckmühl, kurz GRO, Stellung zu den aktuellen Vorwürfen. „Einzelne Beschwerden von Patientinnen, Patienten und Angehörigen hat es gegeben, und wir nehmen diese ausdrücklich ernst“, erklärt ein Sprecher. Das in Medienberichten entstehende „pauschale Bild einer strukturell unzureichenden oder patientengefährdenden Versorgung“ entspreche nach eigener Aufarbeitung jedoch nicht der tatsächlichen Situation des Hauses. Diese „abgeleitete pauschale Darstellung“ weise man ebenso zurück, wie den Vorwurf der aus wirtschaftlichen Erwägungen bewusst unzureichend ausgestatteten Versorgung.

So gehe es dem Betreiber insbesondere um die Verhältnismäßigkeit der gezogenen Schlussfolgerungen. „Einzelne Beschwerden dürfen und sollen nicht relativiert werden. Sie müssen aber im Zusammenhang mit der Gesamtzahl der in den vergangenen Jahren behandelten Patientinnen und Patienten, den konkret überprüfbaren Sachverhalten sowie den Ergebnissen externer und behördlicher Kontrollen bewertet werden“, heißt es. Für eine solche Schlussfolgerung sehe man keine Tatsachengrundlage. Jede konkrete Beschwerde werde geprüft und bei Handlungsbedarf Maßnahmen abgeleitet, so die GRO.

Betreiber: Klinik wurde
neu aufgestellt

Der Betreiber verweist auf den im August 2023 behördlich angeordneten Aufnahmestopp und die daraufhin ergriffenen Maßnahmen, mit denen man die festgestellten Mängel weitestgehend abgestellt hatte. Auch seien danach Strukturen, Prozesse und Ausstattung deutlich verbessert worden. „Die Klinik Bruckmühl wurde seit 2023 medizinisch, personell und organisatorisch grundlegend neu aufgestellt“, heißt es in der Stellungnahme des Betreibers, der zahlreiche weitere Neuerungen zur Verbesserung der Qualität aufzählt. Dazu gehöre auch die Weiterentwicklung des Beschwerdemanagements.

Medikamentengaben und Rufanlage überprüft

„Auch die konkret erhobenen Vorwürfe zu Medikamentengaben durch hierfür nicht qualifiziertes Personal wurden anhand ärztlicher Verordnungen, Patientenakten und der Pflegedokumentation überprüft. Bei den von uns nachvollziehbaren Sachverhalten ergaben sich daraus keine Anhaltspunkte, die den erhobenen Vorwurf bestätigen“, erklärt der Sprecher. Auch den Vorwurf systematisch überlanger Reaktionszeiten auf Patientenrufe weist der Betreiber zurück. „Wir haben die Rufanlage aufgrund der Vorwürfe ausgewertet und konnten feststellen, dass die Reaktionszeiten im angemessenen Rahmen stattgefunden haben.“

Ebenso konkrete Hinweise auf ausgefallene Therapien wurden anhand von Therapieplänen und Leistungsnachweisen überprüft, wobei sich unter anderem zeigte, dass einzelne Therapieausfälle medizinisch begründet waren, beispielsweise im Zusammenhang mit Infektionsgeschehen und dem damit erforderlichen Schutz von Patienten, so die GRO.

Das sagt das
Gesundheitsamt

Alles in allem seien aus dem Zeitraum seit der Neuaufstellung keine rechtlich bestätigten Haftungsfälle oder sonstigen bestätigten Sachverhalte bekannt, die das dargestellte Bild in irgendeiner Form stützen, betont der Betreiber. Und tatsächlich kann auch das Landratsamt Rosenheim beziehungsweise das zuständige Gesundheitsamt keine neuerlich angeprangerten Missstände bestätigen.

Nach den 2023 festgestellten teils erheblichen Mängeln in den Bereichen Basishygiene, Patientendokumentation und Patientenversorgung und dem folgenden Aufnahmestopp sei ein „umfangreiches Maßnahmenpaket“ auferlegt worden, erklärt Sibylle Gaßner-Nickl, Pressesprecherin des Landratsamtes Rosenheim, gegenüber dem OVB. Neben weiteren engmaschigen Überprüfungen habe sich die Klinik mit der neuen Geschäftsführung „jederzeit offen und kooperativ in der Umsetzung“ gezeigt, sodass weitergehende Maßnahmen, wie eine Betriebsschließung, nicht verhältnismäßig gewesen wären, blickt die Behördensprecherin zurück.

„Bei der Nachkontrolle waren die festgestellten Mängel weitgehend abgestellt, Anordnungen umgesetzt und Strukturen, Prozesse und Ausstattung der Klinik waren deutlich verbessert“, so Gaßner-Nickl.

Mehrfach unangekündigte
Kontrollen durchgeführt

In den Jahren 2024 bis 2026 fanden weiterhin angekündigte und unangekündigte Kontrollen statt, wobei „vereinzelte Patientenbeschwerden zur Essensqualität, pflegerischen und medizinischen Versorgung, zum Beschwerdemanagement sowie zum Reinigungsdienst“ vorlagen. Laut Gesundheitsamt sei die Klinik diesen jedoch umgehend nachgegangen. „In den Jahren 2024 und 2025 fanden jeweils drei und 2026 eine Vor-Ort-Begehung durch das Gesundheitsamt statt. Gravierende Mängel wurden nicht mehr festgestellt.“

Die in der Berichterstattung vom BR und der Tagesschau genannten Beschwerden aus dem Oktober 2024 und dem Juli 2026 liegen dem Gesundheitsamt Rosenheim nach eigenen Angaben nicht vor.

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