Die besten Plätze für die Mondfinsternis

von Redaktion

Interview Sternwarten-Leiter Dr. Elmar Junker freut sich auf das Himmelsspektakel am morgigen Freitag

Rosenheim – Am morgigen Freitag lohnt es sich, früh aufzustehen. Zwischen halb 5 und halb 7 am Morgen kann man in der Region eine Mondfinsternis beobachten. Die Abdeckung von 91 Prozent ist sehr hoch und die Wettervorhersagen sind perfekt. Prof. Dr. Elmar Junker, Leiter der Sternwarte der TH Rosenheim, hat sich die Zeit genommen und alles Wichtige rund um dieses astronomische Ereignis erklärt. Wo man die beste Sicht hat, was man dabei haben sollte und was hinter einem rötlichen Mond steckt, verrät er im OVB-Gespräch.

Am 28. August ist in den frühen Morgenstunden eine Mondfinsternis. Was wird man da denn beobachten können?

Der Mond bewegt sich langsam durch den Erdschatten. Und diese Bewegung kann man wirklich sehen. Der Erdschatten geht in den Weltraum hinaus und der Mond läuft sozusagen in diesen Schatten hinein.

Gibt es wie bei einer Sonnenfinsternis auch bei einer Mondfinsternis die Unterscheidung zwischen totaler und partieller Finsternis?

Ja genau. Stellen Sie sich mal vor, Sie stehen als Astronaut auf dem Mond. Die Erde schiebt sich dazwischen und die Erde deckt dann die Sonne ab. Und bei einer totalen Mondfinsternis ist die gesamte Sonne für jeden Punkt auf dem Mond durch die Erde für den Astronauten auf dem Mond abgedeckt. Es gibt aber am 28. August einen kleinen Teil auf dem Mond, wo die Sonne für einen Astronauten nicht ganz abgedeckt sein wird. Deswegen haben wir keine totale Mondfinsternis dieses Mal. Das ist nur eine teilweise oder eine partielle Mondfinsternis. Die wird nirgendwo auf der Erde total sein.

Was sind denn die Voraussetzungen, dass es zur Mondfinsternis kommt?

Es muss Vollmond sein und der Mond muss sich in der Erdbahnebene um die Sonne befinden. Und weil die Mondbahn um fünf Prozent zur Erdumlaufbahn um die Sonne geneigt ist, passiert es nur selten, dass die drei Himmelskörper auf einer Linie stehen. Bei einem normalen Vollmond steht der Mond etwas oberhalb oder manchmal auch etwas unterhalb des Schattens der Erde und deswegen haben wir nicht jeden Monat eine Mondfinsternis. Das passiert nur, wenn Sonne, Erde und Mond wirklich genau auf einer Linie stehen.

Wann ist die nächste totale Mondfinsternis?

Die nächste totale Mondfinsternis gibt es an Silvester 2028 und die nächste partielle Mondfinsternis bei uns ist am 12. Januar 2028. Das ist also noch was hin, das sind über zwei Jahre. Totale Mondfinsternisse sind im Verhältnis seltener als totale Sonnenfinsternisse, die gibt es häufiger. Aber totale Sonnenfinsternisse sind immer nur in einem kleinen Bereich auf der Erde sichtbar, während der Bereich bei einer Mondfinsternis deutlich größer ist.

Von wo sieht man dann die Mondfinsternis?

Immer auf der Hälfte der Erde, auf der Sie den Mond sehen können, sehen Sie auch die totale Mondfinsternis. Die Leute auf der anderen Seite der Erde können die Finsternis nicht sehen, weil bei denen der Mond noch nicht aufgegangen ist.

Es gibt ja auch diese Bilder, dass der Mond dann rot erscheint. Was steckt denn da dahinter?

Das wird auch „Blutmond“ genannt. Das hat mit Blut nichts zu tun, das ist ein astrologischer Begriff. Deswegen halte ich nichts von der Bezeichnung. Bei einer totalen Mondfinsternis sieht man einen roten Mond und das liegt daran, dass die Erde eine Atmosphäre hat. Sonnenlicht wird dann an der Erdatmosphäre in diesen Schatten reingebrochen. Das rote Licht schafft das besonders gut, während das blaue Licht weggestreut wird.

Wie wird das Ereignis bei uns in der Region ablaufen?

Der Beginn dieser partiellen Phase ist um 4.33 Uhr. Der Mond steht dann im Westsüdwesten. Das heißt, man sollte da hingehen, wo man einen guten Westhorizont sehen kann. Das Maximum der Finsternis mit 91 Prozent Abdeckung in Rosenheim ist um 6.12 Uhr. Dann steht der Mond aber schon dicht über dem Horizont. Um 6.30 Uhr geht der Mond unter in Rosenheim und ist dann noch zu 78 Prozent bedeckt. Das heißt, das Ende der partiellen Phase um kurz vor 8 Uhr ist in Rosenheim nicht beobachtbar. Dafür sind wir zu weit im Osten. Je weiter westlich man sich befindet, desto länger kann man die Mondfinsternis sehen. Den Austritt des Mondes aus dem Kernschatten der Erde kann man zum Beispiel in Lissabon oder auf Island beobachten.

Kann man diesen Effekt mit der rötlichen Färbung bei einer Abdeckung von 91 Prozent schon erkennen?

Meine Vermutung ist, dass diese zehn Prozent vom Mond, die noch angestrahlt werden, wahrscheinlich eher nicht reichen. Aber das weiß ich nicht, das werden wir dann sehen. Es kann natürlich sein, dass diese erhellte Fläche schon durch Dunst und die Atmosphäre auch so stark abgeschwächt ist, dass das Auge dieses Rötliche vom „Blutmond“ vielleicht schon sehen kann. Das weiß man nicht, das ist schwierig. Und auch die Intensität der roten Farbe ist immer verschieden. Das hängt davon ab, wie viel Staub in der Erdatmosphäre ist.

Benötigt man eine bestimmte Ausstattung, um die Mondfinsternis mitverfolgen zu können?

Nein, man braucht nur das Auge und man braucht natürlich nicht seine Sonnenfinsternisbrille, da sieht man nämlich gar nichts. Ein Opernglas oder einen Feldstecher kann man auch gerne nutzen. Aber mehr braucht man nicht. Und das ist auch ein Grund, warum die Sternwarte um diese frühe Zeit nicht geöffnet hat, weil das Fernrohr hier nichts bringt, sondern ein Fernglas eigentlich ausreichend ist.

Von wo aus kann man dann die Mondfinsternis gut beobachten?

Von einem Ort aus mit einem schönen Blick nach Westen. Geeignet ist natürlich, wenn man einen guten Blick zum Horizont hat, wie am Mangfalldamm. Bei Pang, da gibt es ein großes Feld, da sieht man auch sehr schön den Horizont. Aber es eignet sich eigentlich jeder Ort, an dem man nicht Bäume oder Häuser direkt vor dem Westhorizont hat.

Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, diese Mondfinsternis anzuschauen?

Erstens ist die Wettervorhersage perfekt und zweitens haben wir mit 91 Prozent eine besonders hohe Abdeckung des Mondes. Und bis zur nächsten partiellen Mondfinsternis im Januar 2028 sind es noch 18 Monate. Das dauert noch. Aber die Mondfinsternis am 28. August ist auf jeden Fall ein nettes Himmelsschauspiel. Und dann den Mond so zu fotografieren, dass er knapp über dem Horizont ist und wie er sich verändert, ist bestimmt ein schönes Fotomotiv.

Interview: Lena Vidal

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