Rosenheim – Eigentlich sollte es ein Grund zum Feiern sein. Vor ein paar Wochen erhielt die Rosenheimer Indie-Rock-Band „Kaffkiez“ ein Schreiben von der Stadt. In diesem Brief wurden sie darüber informiert, dass sie den Kulturförderpreis erhalten sollen, der offiziell erst am 7. Oktober verliehen wird.
Lob für gesellschaftliches
Engagement
„Die Band hat in kurzer Zeit eine bemerkenswerte Entwicklung von einer Rosenheimer Schülerformation zu einer prägenden Größe auf dem deutschen Musikmarkt vollzogen. Trotz dieses rasanten Aufstiegs ist Kaffkiez ihrer tiefen Verwurzelung in Rosenheim treu geblieben“, heißt es als Begründung aus dem Rathaus. Damit seien die Musiker insbesondere für junge Menschen in der Region „glaubwürdige Identifikationsfiguren“.
Besonders hervorzuheben sei zudem das gesellschaftliche Engagement der Band. Als Paten des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ am Karolinengymnasium setzen sich die Musiker laut Stadt aktiv für demokratische Werte, Toleranz und gegen Rassismus ein. Ihre Bekanntheit nutzen sie dabei auch für konkrete Bildungs- und Präventionsarbeit.
Während ein Großteil der Stadträte dem Vorschlag, die Band „Kaffkiez“ auszuzeichnen, also einiges abgewinnen konnte, ging die Rosenheimer AfD auf die Barrikaden. „Die Fraktion reagiert damit auf die zunehmend aggressive politische Positionierung der Band, die mit dem eigentlich angedachten verbindenden Charakter eines städtischen Preises unvereinbar ist“, schreibt AfD-Stadtrat Bernhard Boneberg. Er erinnerte daran, dass die Band in der Vergangenheit im Rahmen von Wahlen explizit dazu aufgerufen hatte, „gegen rechts“ aktiv zu werden und den „ideologischen Kampf bis in den privaten Raum, in die Arbeit und zu Familienfeiern hereinzutragen“. Für ihn und seine Fraktionskollegen ein Unding. „Ich kenne die Band nicht und weiß auch nicht, was sie für Musik machen. Ich weiß nur, dass sie sich in eine Richtung politisch äußern. Das geht nicht“, ergänzt AfD-Fraktionsvorsitzender Andreas Kohlberger. Musik darf laut Kohlberger nicht politisch gesteuert sein. „Da wollen und werden wir nicht mitmachen“, so Kohlberger weiter.
Um ihren Unmut über die Entscheidung Luft zu machen, verfassten Vertreter der AfD eine Pressemitteilung, die – so scheint es – nur an ausgewählte Medien verschickt wurde. Über einen Beitrag von Radio Charivari erfuhren auch die Mitglieder der Band „Kaffkiez“ von dem AfD-Tumult um die beabsichtigte Preisverleihung. „Eigentlich hätte die Kommunikation dazu erst Mitte September stattfinden sollen“, macht Johannes Eisner von der Rosenheimer Band „Kaffkiez“ klar. Man habe natürlich überlegt, inwiefern man auf eine solche – noch recht kleine – Provokation eingehe. „Aber mit jedem Mal Lesen haben wir uns mehr geärgert“, erzählt Eisner. „Wir haben uns sehr über diese Auszeichnung gefreut, weil wir wissen, wie es ist, in der Region Musik und Kultur zu machen. Es ist nicht immer leicht – umso mehr haben wir uns über die Anerkennung gefreut.“
Die Aussage der AfD-Fraktion habe die Band letztlich vor den Kopf gestoßen. „Wir verstehen es als absolute Selbstverständlichkeit, dass man eine Haltung gegen Rechtsextremismus hat“, betont Eisner gegenüber dem OVB. Letztlich hat sich die Band entschieden, auf besondere Art und Weise auf den Angriff der AfD zu reagieren. Nämlich so, wie sie es wohl am besten können: mit Musik.
Und das dürfte bei den „Kaffkiez“-Fans aus der Region für große Freude gesorgt haben. Denn die fünf Musiker aus Rosenheim spielten am Freitagabend (28. August) ein Gratis-Konzert auf dem Max-Josefs-Platz. „Wir wollen einfach zeigen, dass Musik und Kultur etwas sehr Wichtiges sind.“ Und um der Förderung für Musik und Kultur noch ein wenig Unterstützung zukommen zu lassen, wurden auf dem Konzert Spenden für den Stadtjugendring gesammelt. „Wir haben damals im Turmcafé angefangen und verbinden sehr viel mit dem Stadtjugendring“, erklärt Eisner. Den Spenden-Start machten die Musiker sogar selbst – mit 2.500 Euro aus der Bandkasse.
Klares Statement vom
Oberbürgermeister
Auch Oberbürgermeister Abuzar Erdogan steht hinter der Band. „Kaffkiez ist ein Aushängeschild der Region. Sie stehen nicht nur für musikalische Beliebtheit, sondern vor allem für gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt er auf OVB-Anfrage. Die Mitglieder der Band seien „Söhne Rosenheims“. „Bessere Botschafter kann man sich für Rosenheim nicht vorstellen“, fügt er hinzu. Die AfD habe sich in seinen Augen ein „Eigentor geschossen“, da sie „Kunst und gesellschaftliche Betätigung zensieren möchte“.